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Gaming-Branche Sony kauft Spieleentwickler Bungie

Stand: 01.02.2022 11:16 Uhr

Der Markt für Computerspiele ist stark in Bewegung. Nach der Milliardenübernahme des Spielekonzerns Activision Blizzard durch Microsoft will sich nun auch Konkurrent Sony durch eine Übernahme verstärken.

Mit einer Milliardenübernahme will der japanische Unterhaltungselektronik- und Medienkonzern Sony im hart umkämpften Markt für Spiele-Software dem Rivalen Microsoft besser Paroli bieten. Dazu plant Sony nun die Übernahme des Spieleentwicklers Bungie.

Der Playstation-Anbieter will Bungie für 3,6 Milliarden Dollar kaufen, wie Sony gestern Abend bekanntgab. Das US-Unternehmen hat Spiele wie "Halo" und "Destiny" entwickelt. Im Gegensatz zur geplanten Übernahme des Spielegiganten Activision Blizzard durch Microsoft für 68,7 Milliarden Dollar ist der Deal deutlich kleiner. Von Activision Blizzard kommen neben "Call of Duty" unter anderem auch "World of Warcraft", "Diablo" und das Smartphone-Spiel "Candy Crush".

Rivalität der Spielekonsolen-Anbieter

Die Übernahme von Sony hat strategischen Charakter. Denn das japanische Unternehmen sieht sich harter Konkurrenz durch Microsoft im Spielemarkt ausgesetzt. Beide Unternehmen liefern mit ihren Konsolen Xbox (Microsoft) und Playstation (Sony) die Hardware für viele der hochpreisigen und populären Spiele.

Bei der Spiele-Software versucht offenbar Microsoft gezielt, Sony das Geschäft zu erschweren. Denn durch die geplante Übernahme von Activision Blizzard könnte Microsoft in den kommenden Jahren populäre Spieletitel nur noch exklusiv für die Xbox oder das hauseigene Online-Abo-Angebot anbieten. So ist laut Medienberichten in laufenden Vereinbarungen lediglich für die nächsten drei Ausgaben von "Call of Duty" garantiert, dass das Spiel auch für die Playstation von Sony erscheint.

Mit Bungie übernimmt Sony eine Firma, die einst Teil von Microsoft war. "Halo" gehörte zu den wichtigsten Spielen, mit denen die Xbox sich einst Marktanteile neben der damals dominierenden Playstation erkämpfen konnte. Microsoft behielt bei der Trennung im Jahr 2007 allerdings die Rechte an "Halo", so dass Sony mit dem Kauf von Bungie vor allem von der Weiterentwicklung von "Destiny" profitieren könnte.

Sony und Bungie wollen das aktuelle Spiel "Destiny 2" auch nach der Übernahme für alle Plattformen verfügbar machen. Dies gelte auch für Spiele, die noch in Entwicklung seien, hieß es.

Corona-Schub für die Branche

Der Spieleboom führt weltweit seit Jahren zu hohen Wachstumsraten für die Spieleentwickler, aber auch die Hersteller der entsprechenden Hardware wie Spielekonsolen oder hochgerüsteter Gaming-PC und -Laptops. Auch in Deutschland gibt es immer mehr Spiele-Fans.

Die Corona-Krise hat den Trend noch einmal verstärkt. Im Jahr 2020 verzeichnete die Branche hierzulande ein Wachstum von 30 Prozent. Der Trend hielt auch im vergangenen Jahr an. Insgesamt haben während der Pandemie mehr Menschen Videospiele für sich entdeckt. Rund die Hälfte der Bevölkerung spielt zumindest hin und wieder Video- oder Computerspiele, so der Branchenverband Bitkom. Den Angaben zufolge spielen fast so viele Frauen (47 Prozent) wie Männer (53 Prozent) - und in allen Altersgruppen nahm die Zahl der Spieler zu.

"New York Times" kauft Wordle von Josh Wardle

Übernahmen von Spielentwicklern werden überwiegend durch die Beteiligten innerhalb der Branche, also Hardware- oder Softwarefirmen, gestemmt. Das aktuelle Beispiel des populären Rätselspiels Wordle zeigt aber, dass sich auch Medienkonzerne in der Branche tummeln wollen. Wordle ist vom Mutterkonzern der "New York Times" übernommen worden, wie der Verlag gestern bekannt gab. In dem Spiel geht es darum, einmal am Tag mit maximal sechs Versuchen ein fünfbuchstabiges Wort zu erraten. Das Spiel wurde vom Software-Entwickler Josh Wardle im vergangenen Oktober als Web-Anwendung programmiert und hat seitdem das Netz im Sturm erobert.

Zur Popularität hat beigetragen, dass Nutzerinnen und Nutzer ihre Spielergebnisse über soziale Netzwerke wie Twitter teilen konnten. Nach Angaben der New York Times Company wird Wordle inzwischen täglich von Millionen Menschen gespielt. Entwickler Wardle wird nun zum Millionär. Der Verlag erklärte, der Kaufpreis liege im "unteren siebenstelligen Bereich". Der Erfolg von Wordle wurde in der Branche auch deshalb besonders aufmerksam betrachtet, weil er komplett außerhalb der App Stores von Apple und Google stattfand und das Spiel als Web-Anwendung ins Netz gestellt wurde.