Soho House New York

Exklusive Club-Kette Soho House will an die Börse

Stand: 22.06.2021 14:35 Uhr

Nur für Mitglieder: Die Clubs von Soho House werben mit ihrer Exklusivität. Die Aktie können Investoren aber wohl schon bald an der Börse kaufen. Dabei ist das Unternehmen noch defizitär.

Der Club-Betreiber Soho House hat gestern in London seine Börsenpläne bekannt gemacht. Danach wurden bei der US-Börsenaufsicht SEC entsprechende Unterlagen eingereicht.

Wann der Schritt auf das Börsenparkett erfolgt, wurde noch nicht mitgeteilt. Der Börsengang soll unter dem Namen Membership Collective Group Inc. (MCG) erfolgen. Ein Bankenkonsortium unter der Führung namhafter Großbanken wie JPMorgan, Goldman Sachs und HSBC soll den Börsengang begleiten.

Exklusiv an 28 Orten

Soho House ist Vorreiter in Sachen exklusiver Mitgliederclubs, die das Unternehmen in insgesamt 28 Städten und Locations betreibt. Neben dem Mutterhaus in London (im Stadtteil Soho) gehören dazu etwa New York, Berlin, Mumbai und Hongkong. Das Unternehmen betreibt neben den Clubs auch Restaurants und "virtuelle Räume", in denen sich die Mitglieder austauschen können. Eine Mitgliedschaft wird nur auf Antrag und Empfehlung bereits bestehender Mitglieder gewährt.

Soho House wurde 1995 vom Briten Nick Jones gegründet, der das Unternehmen immer noch leitet. Sein Ziel war es, an besonderen Orten zunächst Künstler und Medienschaffende in zusammenzubringen. In Berlin etwa nutzt das Unternehmen das Gebäude des ehemaligen Kaufhauses Jonas in der Torstraße nahe des Alexanderplatzes, das in der DDR als Sitz des Zentralkomitees der SED diente.

Soho House Berlin

Nur für Mitglieder: Wo früher das SED-ZK tagte, steht heute das Soho House Berlin.

Mehrheit bei US-Investor

Gründer Jones verkaufte einen Großteil seiner Anteile an Soho House 2008 an einen britischen Investor. 2012 wurde dann bekannt, dass der US-Milliardär Ron Burkle 60 Prozent der Anteile über seinen Investmentfonds erworben hat.

Beim Börsengang könnte die neue Gesellschaft MCG auf einen Börsenwert von deutlich mehr als zwei Milliarden Dollar kommen, schätzen Experten. Eine Finanzierungsrunde im Jahr 2019, bei der das Unternehmen 100 Millionen Dollar einnahm, ließ noch auf einen Gesamtwert von etwa zwei Milliarden Dollar schließen. Die Mittel aus dem Börsengang will der Konzern in die weitere Expansion stecken. Neue Club-Locations sind unter anderen in Rom, Paris und Tel Aviv geplant.

Kein Mitglieder-Mangel trotz Corona

Dabei dürfte dem Unternehmen auch zugute kommen, dass zum vermeintlichen Ende der Corona-Krise von einer deutlichen Belebung der Nachfrage auch nach exklusiven Reiseaufenthalten und Restaurantbesuchen ausgegangen wird. Soho House hatte im ersten Quartal 2021 allerdings noch unter den Lockdowns während der Pandemie gelitten: Der Umsatz ging auf 72 Millionen Dollar zurück, nach 142 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Allerdings hat der Club im vergangenen Jahr nur zehn Prozent seiner rund 114.000 Mitglieder verloren und kann sich über 30.000 Anträge auf seine Mitgliedschaften freuen.

Der Berliner Soho House hat während der Pandemie besondere Schlagzeilen gemacht. Bei einer Aftershow Party des Modelabels Bottega Veneta im April 2020 wurden Hygieneregeln missachtet, die Polizei ermittelte.

Verluste seit dem Start

Ob die Aktie, die im Spätsommer auf den Kurszetteln erscheinen könnte, auch die Ansprüche von Investoren erfüllt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen müssen. Das Unternehmen war seit seiner Gründung noch nie profitabel. Allein im vergangenen Quartal fuhr es einen Verlust von 93 Millionen Dollar ein, nach einem Minus von 45 Millionen Dollar ein Jahr zuvor.