Ein Schalter des Autovermieters Sixt am Flughafen Köln Bonn. | dpa

Probleme der Hersteller Mietwagen bis zu 20 Prozent teurer

Stand: 27.09.2021 15:02 Uhr

Wer derzeit ein Auto mieten möchte, muss teilweise erheblich mehr bezahlen als vor der Pandemie. Den Vermietern fehlen Zehntausende Fahrzeuge. Besserung ist dem größten deutschen Anbieter zufolge vorerst nicht in Sicht.

Für Mietwagen müssen die Kunden auch im Herbst deutlich tiefer in die Tasche greifen als vor der Pandemie. Die Autos kosten nach Branchenangaben wegen der Produktionsengpässe bei den Herstellern im Durchschnitt zehn bis 20 Prozent mehr, sagte eine Sprecherin des größten deutschen Autovermieters Sixt. Und Entspannung ist zunächst nicht in Sicht. Für 2022 seien die Auswirkungen der Lieferengpässe auf das Angebot der Vermieter und die Entwicklung der Marktpreise schwer abzusehen, heißt es bei Sixt.

Der Präsident des Bundesverbands der Autovermieter (BAV), Jens Hilgerloh, sagte: "Im Moment läuft es recht gut, weil die Nachfrage stabil ist". Zwar sei diese niedriger als vor Corona, aber dafür "zu höheren Preisen". Normalerweise kauften die deutschen Autovermieter den Herstellern 350.000 bis 400.000 Autos ab, "das sind 10 bis 12 Prozent des Gesamtmarktes", sagte Hilgerloh. Große Vermieter bekämen entsprechende Kundenrabatte.

Lange Lieferzeiten, weniger Rabatte

Jetzt aber können die Hersteller trotz hoher Nachfrage Hunderttausende Autos nicht bauen, weil Halbleiter und andere Bauteile fehlen. Folge: Die Lieferzeiten werden länger, Autokäufer bekommen weniger Rabatte. Hilgerloh schätzt, dass 20 bis 25 Prozent der von den Vermietern in Deutschland benötigten Fahrzeuge nicht geliefert werden können und somit etwa 75.000 Wagen in den Flotten fehlen. Denn "die Autovermieter stehen bei den Herstellern nicht an erster Stelle".

BMW, Daimler und Co. verdienen am Verkauf von Autos an Privatkunden mehr als mit Autos für Vermietflotten, die in der Vergangenheit Rabatte von bis 40 Prozent auf die Listenpreise bekamen. Daimler-Chef Ola Källenius hatte kürzlich auf der Automesse IAA gesagt, Mercedes-Benz wolle Fahrzeuge zu "Premiumpreisen" verkaufen und nicht mit weniger Rendite an Autovermieter. Zum anderen hätten Geschäftsbeziehungen während der Corona-Lockdowns gelitten, sagte Hilgerloh.

Besonders hohe Preise in den Urlaubsregionen

Einige Vermieter hätten in der Pandemie trotz Liefervereinbarungen mit den Herstellern keine neuen Fahrzeuge mehr abnehmen wollen, weil ihre Autos an Flughafenstationen schon die Parkplätze blockierten. Zudem hätten alle großen Autovermieter im vergangenen Jahr ihre Flotten drastisch verkleinert, teilweise wurden die Bestände um bis zu zwei Drittel heruntergefahren. Mit dem Wegfall der Reisebeschränkungen ist die Nachfrage wieder gestiegen, sodass die Vermieter wieder aufstocken wollen. Doch nun mangelt es plötzlich an Neuwagen.

In den Sommermonaten hatte der Mangel an Fahrzeugen besonders kräftige Preiserhöhungen verursacht. Zeitweise verlangten die Vermieter Aufschläge von 50 Prozent und mehr, besonders in den Urlaubsregionen rund ums Mittelmeer. So kostete im August der Kleinwagen VW Up auf Mallorca pro Tag teilweise rund 200 Euro, viermal soviel wie in Deutschland. Die Lage variiert allerdings von Region zu Region. So sind die Preise in weniger gefragten Ländern wie der Türkei sogar unter das Niveau von 2020 gesunken.

Über dieses Thema berichtete "Börse vor Acht" am 28. Mai 2021 um 19:55 Uhr.