Produktion bei Siltronic | Siltronic

Industriepolitik Siltronic-Übernahme wackelt

Stand: 17.01.2022 14:37 Uhr

Die Übernahme des Chipindustrie-Zulieferers Siltronic durch den taiwanischen Rivalen GlobalWafers könnte am Widerstand der Bundesregierung scheitern, die den Fall weiter prüft. Denn die Branche gilt als Schlüsselindustrie.

Die Aussichten für eine Übernahme des Münchner Waferherstellers Siltronic durch den taiwanischen Chip-Zulieferer GlobalWafers sind vollkommen ungewiss. Die beiden Konzerne hatten den Plan für die Übernahme Ende 2020 öffentlich gemacht. Das aktuelle Angebot von GlobalWafers steht bei 145 Euro je Aktie. Damit würde Siltronic insgesamt mit knapp 4,4 Milliarden Euro bewertet. Da beide Unternehmen die Übernahme unterstützen, sollte der Deal abgesehen von eventuell strittigen Detailfragen eigentlich eine klare Sache sein.     

Hohe industriepolitische Bedeutung

Allerdings ist das Geschäft bislang noch nicht vom Bundeswirtschaftsministerium genehmigt worden. Das Wirtschaftsministerium prüft die geplante Übernahme bereits seit mehr als einem Jahr. Bei der Entscheidung geht es auch darum, ob Deutschland zukunftsorientierte Technologien in ausländische Hände gibt.

Der aktuelle Chipmangel in der globalen Industrie, der für eine gebremste Güterproduktion weltweit sorgt, zeigt, welche überragende ökonomische Bedeutung der Chipproduktion in Deutschland und Europa zukommt. Fachleute fürchten eine zu große Abhängigkeit von ausländischen Unternehmen, die sich negativ auf die heimische Wirtschaft auswirken könne. Für das Ministerium gelten leistungsfähige Chips und mikroelektronische Komponenten längst als branchenübergreifende Schlüsseltechnologie: Und sie werde immer bedeutsamer, da die Digitalisierung weiter voranschreite.

Außenpolitische Faktoren

Hinzu kommen im speziellen Fall die außenpolitischen Spannungen zwischen China und Taiwan, die ebenfalls eine Rolle spielen. Auch Chinas Behörden haben die Übernahme noch nicht genehmigt.

Wie lange die Prüfung noch dauern wird, ist ungewiss. Unter Druck setzen lassen will sich das Ministerium nicht. Überprüfungen im Außenwirtschaftsbereich seien oft sehr komplex und müssten auch genau sein, sagte nun eine Sprecherin. Zu Einzelheiten könne sie derzeit keine Angaben machen, das betreffe auch die Dauer des Verfahrens.  

Konstruktive Gespräche?

Siltronic hatte zuletzt signalisiert, dass die Hoffnung auf eine Genehmigung durch das Wirtschaftsministerium schwinde. Von dort kämen keine Signale, ob und unter welchen Umständen eine außenwirtschaftsrechtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Übernahme erteilt werden könne", teilten die Münchner mit. Es gebe keine Fortschritte in den Gesprächen. Die Zeit drängt: Bis zum 31. Januar muss das Ministerium grünes Licht geben, sonst ist der vor mehr als einem Jahr vereinbarte Verkauf geplatzt.

Ein Scheitern der Übernahme müsste das aber noch nicht bedeuten: Sollte die Frist verstreichen, dürfte GlobalWafers rasch eine erneute Offerte vorlegen, hatte Analyst Constantin Hesse vom Investmenthaus Jefferies im Oktober betont.

In einem Interview mit der "FAZ" hatte GlobalWafers-Chefin Doris Hsu vergangene Woche gesagt, man sei pro-aktiv und befinde sich in "konstruktiven Gesprächen mit den zuständigen Stellen." Das selbsterklärte Ziel der neuen Regierung in Berlin sei es, "Europa in ein Powerhouse der Chipfertigung zu machen, um auf diesem Gebiet wieder souverän zu werden. Die Zentrale von GlobalWafers aber steht in Taiwan. So gesehen sind wir kein europäisches Unternehmen." Vielleicht sei das Teil der Bedenken.

Nach Vorstellung der beiden Unternehmen könnte die Bundesregierung besondere Stimmrechte in Form einer sogenannten Goldenen Aktie erhalten, hatte Bloomberg am Freitag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet. Zudem könnte es Klauseln geben, um den Kauf rückabzuwickeln oder zentrale Teile von Siltronic nachträglich an die Bundesrepublik zu übertragen.

"Zustimmung in weiter Ferne"

Der Aktienmarkt ist ein guter Indikator dafür, für wie wahrscheinlich die Marktakteure die Übernahme halten. Offenbar nicht mehr allzu sehr: Die im TECDAX gelistete Aktie liegt derzeit nach deutlichen Kursverlusten weit unter dem GlobalWafers-Angebot bei rund 128 Euro. Vor dem Übernahmeangebot hatte der Kurs bei rund 108 Euro gelegen.     

"Eine Zustimmung zur Übernahme von Siltronic scheint in weiter Ferne zu liegen", schrieb Analyst Geoff Haire von der Bank UBS. Es bleibe unklar, unter welchen Bedingungen die Bundesregierung grünes Licht für den Deal gebe. Die verschiedenen Strategien von Global"afers und Siltronic zur "Schadensminderung" schienen beim Wirtschaftsministerium jedenfalls nicht zu verfangen.