Ein Zug des Typs ICE 3neo der Deutschen Bahn | REUTERS

Begehrte ICE-Züge Siemens erlebt Auftragsboom

Stand: 10.02.2022 09:44 Uhr

Bei Siemens brummt das Geschäft, die Auftragslage ist stark. Besonders begehrt sind Züge. Schwierigkeiten hat der Technologiekonzern mit dem rechtzeitigen Abarbeiten der Aufträge - ein Problem in der Industrie insgesamt.

Der Münchner Technologieriese Siemens hat sich angesichts angespannter Lieferketten im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2021/2022 überraschend gut geschlagen. Der DAX-Konzern steigerte in den drei Monaten von Oktober bis Dezember seinen Umsatz auf vergleichbarer Basis um neun Prozent auf 16,5 Milliarden Euro.

Gewinn steigt um ein Fünftel

Das Ergebnis aus dem industriellen Geschäft legte um zwölf Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zu. Nach Steuern stieg der Gewinn um ein Fünftel auf knapp 1,8 Milliarden Euro. Mit allen Kennziffern übertraf Siemens die Erwartungen der Analysten deutlich.

Der Technologiekonzern erlebte im vergangenen Quartal einen regelrechten Auftragsboom. Der Auftragseingang schoss vor allem dank Aufträgen für die Fabrik-Automatisierung und für ICE-Züge um 52 Prozent auf 24,2 Milliarden Euro nach oben.

Probleme mit der Pünktlichkeit

Vorstandschef Roland Busch sprach von einem sehr erfolgreichen Start in das Geschäftsjahr. "Unsere Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass wir Vorreiter sind, Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu beschleunigen."

Der Konzern räumte allerdings erstmals Schwierigkeiten ein, alle Aufträge pünktlich abzuarbeiten. Mit Bezug auf die angespannten Lieferketten hätten größere Unterbrechungen zwar vermieden werden können, hieß es vom Konzern. Es gebe aber Verzögerungen bei der Auslieferung mancher Produkte an Kunden.

Auftragsbestand der Industrie so hoch wie nie

Mit diesen Problemen steht Siemens indes nicht allein da. Die Auftragseingänge der vergangenen Monate hätten nicht abgearbeitet werden können, weil den Unternehmen wichtige Vorprodukte und Rohstoffe fehlten, so der Leiter der ifo-Konjunkturprognosen, Timo Wollmershäuser, mit Blick auf die deutsche Industrie.

Die Folge ist ein gigantischer Auftragsstau: Die Aufträge reichen laut einer Umfrage bei den Unternehmen für die nächsten 4,5 Monate. "Das gab es noch nie, seit wir diese Frage im Jahr 1969 zum ersten Mal gestellt haben", so Wollmershäuser.

Setzt Siemens die Prognose hoch?

Im Hinblick auf den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres hat Siemens die Erwartungen der Anleger geschürt. Der Konzern bestätigte zunächst seine Jahresprognose eines Ergebnisses je Aktie von 8,70 bis 9,10. Finanzvorstand Ralf Thomas deutete nach dem unerwartet guten Jahresstart allerdings eine Erhöhung der Gewinnprognose an.

Der Konzern könne das obere Ende seines Zielkorridors "erreichen oder sogar zu überschreiten", sagte Thomas in einer Telefonkonferenz laut Redetext. Siemens werde die Prognose nach Ende des zweiten Quartals aktualisieren, wenn man einen besseren Überblick habe, wann sich die Gewinne aus dem Verkauf von Randgeschäften im Ergebnis niederschlagen werden.

Aktie gefragt

An der Börse kommt diese Aussicht in Verbindung mit den unerwartet positiven Quartalszahlen gut an. Die Siemens-Aktie schnellt zu Handelsbeginn auf XETRA um 7,1 Prozent auf 148,00 Euro in die Höhe. Ihren Kurseinbruch von Anfang Februar hat sie damit bereits wieder wettgemacht.

Über dieses Thema berichteten am 10. Februar 2022 BR24 um 07:10 Uhr sowie um 08:08 Uhr und tagesschau24 um 09:05 Uhr.