Das Erfolgsspiel ''Candy Crush''

Activision Blizzard Sexismus-Vorwürfe gegen Spieleentwickler

Stand: 19.11.2021 12:00 Uhr

Activision Blizzard, bekannt durch Games wie "Candy Crush", steht wegen Sexismusvorwürfen unter Beschuss. Die Unternehmenskultur sei nachhaltig frauenfeindlich, so der Vorwurf. Die derzeitige Co-Chefin wirft das Handtuch.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Der kalifornische Computerspielehersteller Activision Blizzard steht unter Druck. Grund sind Sexismusvorwürfe gegen einen ehemaligen Mitarbeiter sowie eine frauenfeindliche Arbeitskultur. Unternehmenschef Bobby Kotick soll davon jahrelang gewusst, aber nichts unternommen haben. Die Angestellten hatten am Dienstag protestiert und Koticks Rücktritt gefordert. Eine entsprechende Petition unter den Angestellten hat bereits 1000 Unterschriften.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Vertragspartner distanzieren sich

Nun gehen auch Vertragspartner wie Xbox und Sony auf Abstand. Wie unter anderem der Finanzdienst Bloomberg berichtet, habe sich Xbox-Chef Phil Spencer in einer internen Email gegenüber den Microsoft-Beschäftigten besorgt über die Firmenkultur von Activision Blizzard geäußert. Sony-Firmenchef Jim Ryan gehe ebenfalls auf Distanz, heißt es. Sonys Playstation ist eine der wichtigsten Plattformen für das Unternehmen.

Im Juli hatte der US-Bundesstaat Kalifornien Klage gegen Activision Blizzard wegen Diskriminierung und Belästigung weiblicher Angestellter eingereicht. Angestellte berichteten von einem schwierigen Arbeitsklima. Im August wurde dann der Chef der Abteilung Blizzard Entertainment, Allen Brack, entlassen. Er soll Kolleginnen ohne Zustimmung angefasst und Witze über Vergewaltigung gemacht haben.

Das "Wall Street Journal" berichtete nun, Kotick habe seit Jahren die entsprechenden internen Berichte gekannt - darunter den Vorwurf einer Vergewaltigung. Er habe diese Berichte aber nur zum Teil an den Verwaltungsrat weitergeleitet. Ein Unternehmenssprecher dementierte dies. Im Internet wurde zum Boykott der Spiele "Call of Duty" und "Candy Crush" aufgerufen - beides Zugpferde von Activision Blizzard.

Die Co-Chefin geht bald wieder

Wie tiefgreifend die Probleme liegen, zeigt sich auch an den Bemühungen, das Image des Spieleherstellers wieder glattzubügeln. Im August wurde Jennifer Oneal zur Co-Chefin gemacht - und damit zu einer der wenigen weiblichen Führungspersönlichkeiten im Game-Business. Allerdings bemängelte sie nur einen Monat später, dass sie schlechter bezahlt wird als ihr männliches Pendant. In einem Brief an die Rechtsabteilung führte sie aus, dass ein nachhaltiger Wandel unter der derzeitigen Führung aus ihrer Sicht nicht möglich sei. Zum Jahresende verlässt sie Activision Blizzard wieder.

Ende Oktober hatte der Computerspielehersteller verkündet, wegen der anhaltenden Kritik 250 Millionen US-Dollar zu investieren, um mehr Frauen und nonbinäre Menschen einzustellen. Derzeit liege deren Anteil bei etwa 23 Prozent. Activision Blizzard wolle diese Zahl innerhalb von fünf Jahren auf etwa 50 Prozent erhöhen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 19. November 2021 um 11:24 Uhr.