Gerhard Schröder | picture alliance / Geisler-Fotop

Nach Kritik an Altkanzler Schröder will nicht in Gazprom-Aufsichtsrat

Stand: 24.05.2022 20:57 Uhr

Altkanzler Schröder will nicht Mitglied des Gazprom-Aufsichtsrats werden. Auf die Nominierung habe er schon vor längerer Zeit verzichtet und dies dem russischen Unternehmen mitgeteilt, erklärte Schröder.

Altkanzler Gerhard Schröder hat im Netzwerk LinkedIn klargestellt, dass er bereits vor längerer Zeit die Nominierung für einen Aufsichtsratsposten im russischen Unternehmen Gazprom abgelehnt habe. Der Staatskonzern hatte Schröder dafür im Februar vorgeschlagen und heute noch einmal die Nominierung bekräftigt.

Anlass war eine weitere Nominierung für einen Vorstandsposten - die von Landwirtschaftsminister Dmitry Patruschew. Bei der Hauptversammlung am 30. Juni soll über die Zusammensetzung des Aufsichtsrats mit elf Sitzen entschieden werden.

Angesichts seiner Ablehnung des Postens zeigte sich Schröder auf LinkedIn nun verwundert über anders lautende Berichte, die nun veröffentlicht würden. In User-Kommentaren wurde er unter anderem gefragt, warum er denn seine Absage an Gazprom nicht vorher öffentlich gemacht habe.

Rücktritt bei Rosneft

Schröder ist ein enger Freund des kriegsführenden russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er hatte vergangene Woche seinen Posten im Aufsichtsrat des russischen Energiekonzerns Rosneft aufgegeben. Zuvor hatte Bundeskanzler Olaf Scholz den Wunsch geäußert, Schröder möge seine Mandate niederlegen.

Parteiübergreifend war dem 78-Jährigen vorgeworfen worden, hoch dotierte Posten in russischen Staatsunternehmen zu besetzen, während die Europäische Union mit Sanktionen versucht, auch die russische Wirtschaft zu treffen, um auf diesem Wege der Ukraine zu helfen.

SPD fordert Parteiaustritt

Wegen seiner engen Bindungen zu Russland forderte ihn die Parteispitze zum Austritt aus der SPD auf. Wegen seines Russland-Engagements verlor Schröder auch die bislang Altkanzlern zustehenden Privilegien.

Der Haushaltausschuss des Bundestages beschloss vergangene Woche, dass das Büro Schröders mit zuletzt vier Beschäftigten abgewickelt wird. Das Europaparlament will Schröder auf die Sanktionsliste gegen Oligarchen setzen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Mai 2022 um 20:00 Uhr.