Eine Frau nimmt wegen des Coronavirus aus ihrem Wohnzimmer an einer Telefonkonferenz teil | dpa

Corona-Pandemie Scholz will Homeoffice-Pflicht beibehalten

Stand: 30.05.2021 03:53 Uhr

Trotz sinkender Infektionszahlen will Vizekanzler Scholz die Homeoffice-Pflicht nicht vorzeitig aufheben. Die Grünen fordern unterdessen ein Recht auf Homeoffice auch nach der Corona-Pandemie.

Vizekanzler Olaf Scholz hat Forderungen aus der Wirtschaft eine Absage erteilt, die Homeoffice-Pflicht angesichts sinkender Corona-Infektionszahlen vorzeitig aufzuheben. "Das Virus ist noch nicht besiegt", sagte der SPD-Kanzlerkandidat der "Bild am Sonntag". "Deshalb halte ich es für absolut richtig, wie vereinbart die Pflicht zum Homeoffice beizubehalten."

Der Bundesverband der Deutschen Industrie hatte unter Verweis auf die Impffortschritte in dieser Woche eine Aufhebung der Homeoffice-Pflicht sowie der Corona-Testpflicht in Betrieben gefordert. Die Regelung läuft nach bisheriger Planung am 30. Juni aus.

"Ein Recht auf selbstbestimmtes, mobiles Arbeiten"

Die Grünen fordern unterdessen die Umwandlung der Homeoffice-Pflicht in ein Recht auf Homeoffice. Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt legte dazu einen Drei-Punkte-Plan zur Modernisierung der Arbeitswelt nach der Corona-Pandemie vor, aus dem die Zeitungen der Funke Mediengruppe zitieren.

Die zum Schutz der Beschäftigten in der Pandemie eingeführte Homeofficepflicht müsse bei einer weiteren Entspannung der Pandemielage auslaufen, heißt es dem Bericht zufolge in dem Konzept. "Eine moderne Arbeitswelt sollte für geeignete Tätigkeiten ein Recht auf selbstbestimmtes, mobiles Arbeiten beinhalten, wobei die Inanspruchnahme jederzeit freiwillig und den Beschäftigten überlassen bleibt."

Neben einem Recht auf Homeoffice sieht der Grünen-Vorschlag vor, Unternehmen bei der Digitalisierung zu helfen und die ländliche Infrastruktur zu stärken. Im Rahmen eines Modell-Projekts "Neues Leben auf dem Land" sollten laut dem Plan etwa gut ausgestattete und gut erreichbare Coworking-Spaces in Dörfern oder Regionalbahnhöfen geschaffen werden.

"Die Bundesregierung habe keine Rezepte für eine moderne Arbeitswelt, sagte Göring-Eckardt den Funke-Zeitungen. Nach der Krise alles auf den Status Quo zurückdrehen zu wollen, anstatt auf den Erfahrungen von Beschäftigten und Unternehmen aufzubauen, sei "ideenlos, kraftlos und rückständig. Um den Übergang in eine Zeit nach Corona zu gestalten, braucht es eine Zukunftsoffensive für die Arbeitswelt."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Mai 2021 um 09:59 Uhr.