Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann (Archivbild von 2017) | picture alliance / Daniel Karmann/dpa
Porträt

Unternehmerin Schaeffler Willensstark, diszpliniert - und nicht nur behutsam

Stand: 17.08.2021 10:37 Uhr

Die Schaeffler-Gruppe gehört zu den weltgrößten Auto-Zulieferern. Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann prägte Jahrzehnte deutscher Industriegeschichte. Heute wird die Milliardärin 80 Jahre alt.

Von Margit Siller, BR

Eigentlich hatte sie Medizin studiert und wollte Ärztin werden. Aber 1963 heiratete Maria-Elisabeth den sehr viel älteren Unternehmer Georg Schaeffler und zog von der Weltstadt Wien ins fränkische Herzogenaurach. Als sie 55 war, starb ihr Mann. Dass sie einen Wälzlager-Konzern würde leiten können, trauten ihr damals die wenigsten zu.

Margit Siller

"Da war eine Witwe, die nicht viel Ahnung hat, ein Sohn, der in Amerika Anwalt ist - also, man hat uns nicht sehr viel zugetraut", sagte sie später. "Aber ich war und bin von diesem Unternehmen besessen."

Von den Beschäftigten geachtet

Weggefährten nennen sie willensstark, diszipliniert und entschlossen. Öffentlich gab sie die elegante Unternehmerin, bei Anlässen wie den Salzburger Festspielen. Hinter dem Werkstor wurde sie, die "Matriarchin", von den Beschäftigten geachtet und geschätzt.

"Nach dem Tod meines Mannes 1996 habe ich meine Aufgabe und meine Verpflichtung stets darin gesehen, das Lebenswerk von Georg Schaeffler fortzusetzen und den Unternehmensverbund behutsam aber mit aller Leidenschaft und allem Einsatz an eine Spitzenposition in dieser Welt zu bringen", sagte sie.

Feindliche Übernahme

Dies ist auch gelungen - allerdings keineswegs nur behutsam. Die börsennotierte FAG Kugelfischer wird 2001 vom Familienunternehmen aus Herzogenaurach feindlich übernommen - einer der ersten solchen Fälle in der deutschen Wirtschaft der Nachkriegszeit.

Im Sommer 2008 dann der nächste Coup: Schaeffler greift nach der sehr viel größeren Continental AG. Größenwahnsinnig sei das, meinen einige Kommentatoren. Die Milliarden-Schulden machen den fränkischen Konzern sehr schnell zum Pleitekandidaten. Mehr als 80.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

Vergebliche Bitte um Staatshilfe

Maria-Elisabeth Schaeffler fährt im Februar 2009 zusammen mit ihrem Sohn Georg in die IG-Metall-Zentrale nach Frankfurt, um dort den Schulterschluss mit der Gewerkschaft zu demonstrieren. Sie trägt dabei einen roten Schal. "Die IG Metall und wir sind uns bewusst, dass wir Bund und Länder zur zeitlich begrenzten finanzielle Überbrückung brauchen. Aber wir glauben auch, dass die dazu notwendigen politischen Entscheidungen leichter fallen, wenn Gesellschafter und Gewerkschaft an einem Strang ziehen", so Schaeffler damals.

Der damalige IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber betont, man habe ein fundamentales Interesse daran, dass die Familie Ankerinvestor bei Schaeffler und auch bei Conti bleibe. Eine Zerschlagung durch die Banken gilt es zu verhindern. "Natürlich kann man jetzt zurückschauen und sich fragen, ob in der jüngsten Vergangenheit alle Entscheidungen richtig gewesen sind", sagt Huber damals. "Doch das hilft weder dem Unternehmen noch hilft es den Beschäftigten und den Arbeitsplätzen. Und Schadenfreude ist ein schlechtes Instrument der Zukunftssicherung."

Vereinbart wird mit der IG Metall unter anderem, künftig die Mitbestimmung zu achten. In Herzogenaurach ziehen Beschäftigte und deren Familien vor das Haupttor und auf den Marktplatz: "Wir wollen uns halt bei der Frau Schaeffler bedanken, dass sie meinem Vater Arbeit gibt", sagt eine Demonstrantin. Ein anderer ergänzt: "Ich stehe voll und ganz hinter Frau Schaeffler, hinter ihrem Tun. Der Deal mit Conti ist für die Zukunft perfekt. Dass so eine wirtschaftliche Krise kommen konnte, weiß keiner, hat keiner voraussehen können, und wir hoffen, dass die Unterstützung endlich für Frau Schaeffler kommt."

 Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann läutet 2015 in Frankfurt die Börsenglocke beim Börsengang der Schaeffler AG | picture alliance / dpa

Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann läutete an der Frankfurter Börse die Glocke, als die Schaeffler AG 2015 an die Börse ging. Bild: picture alliance / dpa

Gang an die Börse

Doch Geld aus öffentlichen Kassen gibt es nicht. Man könne nicht im Nerzmantel nach Staatshilfe rufen, so der damalige Arbeitsminister Olaf Scholz. Der Schuldenberg wird über die Jahre kleiner. Schaeffler geht 2015 an die Börse und gilt als innovationsstarker Auto- und Industriezulieferer, der den Weg hin zur E-Mobilität eingeschlagen hat. Die Familie Schaeffler hält heute über ihre Holding die Mehrheit am Autozulieferer Schaeffler AG und 46 Prozent an Continental.

Maria-Elisabeth trägt seit 2014 den Nachnamen Schaeffler-Thumann. Damals heiratete sie den ehemaligen BDI-Chef Jürgen Thumann. In den vergangenen Monaten hat sie sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. August 2021 um 10:41 Uhr.