Ein Arzt verabreicht einem Jugendlichen eine Spritze mit einem Corona-Impfstoff. | dpa

Übernahme in den USA Sanofi will BioNTech und Moderna nacheifern

Stand: 03.08.2021 14:25 Uhr

Die Impfstoffe von BioNTech und Moderna gegen Covid-19 haben gezeigt, welches Potenzial in der mRNA-Technologie steckt. Nun investiert der französische Pharmakonzern Sanofi mehrere Milliarden in diesen Bereich.

Sanofi will seinen US-Kooperationspartner Translate Bio für mehr als drei Milliarden US-Dollar übernehmen. Dabei hat der französische Pharmakonzern dessen mRNA-Technologie im Blick. Sanofi bietet 3,2 Milliarden Dollar in bar beziehungsweise 38 Dollar je Aktie, wie der Konzern heute mitteilte. Der Preis bedeutet einen Aufschlag von rund 30 Prozent zum gestrigen Schlusskurs von Translate Bio an der Technologiebörse Nasdaq in Höhe von 29,15 US-Dollar. Auch das Management des US-Unternehmens und der bisherige Großaktionär Baupost Group unterstützen die Übernahme. Bislang habe sich Sanofi damit rund 30 Prozent der ausstehenden Anteile gesichert. Die Transaktion soll noch im dritten Quartal abgeschlossen werden.

mRNA-Technologie seit 2011 im Fokus

Translate Bio, das in Lexington im US-Bundesstaat Massachusetts sitzt, setzt schon seit 2011 auf die mRNA-Technologie. Bei diesem Verfahren wird die Messenger-RNA - zu deutsch Boten-Ribonukleinsäure - dazu genutzt, um den genetischen Bauplan bestimmter Virusproteine in die Zellen zu transportieren. Auf die dort in begrenztem Umfang produzierten Proteine reagiert der Körper dann mit der Bildung von Antikörpern. Die mRNA-Technologie nutzt quasi das Nachrichtensystem des menschlichen Körpers, um den menschlichen Zellen die Informationen zur Bekämpfung von Krankheitserregern zu vermitteln.

Drei Jahre Zusammenarbeit

Seit 2018 arbeiten Sanofi und die Amerikaner zusammen. Im vergangenen Jahr hatten die beiden Unternehmen beschlossen, gemeinsam einen mRNA-basierten Impfstoff gegen Covid-19 zu entwickeln. Die beiden Unternehmen prüfen auch mRNA-Impfstoffe gegen mehrere Infektionskrankheiten und starteten im Juni eine klinische Studie der Phase eins für einen möglichen mRNA-basierten Impfstoff gegen die saisonale Grippe. Konkurrent BioNTech will seine mRNA-Technologie auch für die Entwicklung eines Impfstoffes gegen die gefährliche Tropenkrankheit Malaria nutzen. Beide Unternehmen arbeiten bei der Abfüllung von BioNTechs Covid-19-Impfstoff Comirnaty am deutschen Hauptstandort in Frankfurt am Main zusammen.

Millionen für mRNA-Technologie

Vor wenigen Wochen hatte Sanofi bereits bekannt gegeben, künftig jährlich 400 Millionen Euro in die mRNA-Technologie zu investieren. Bis 2025 sollen mindestens sechs Impfstoffe in die klinische Entwicklung gebracht werden. "Wir werden nun in der Lage sein, auch unsere bereits bestehenden Forschungsprogramme weiter zu beschleunigen", sagte Sanofi-Konzernchef Paul Hudson. "Unser Ziel ist es, das Potenzial der mRNA-Technologie zusätzlich zu den Impfungen auch in anderen Bereichen zu heben - wie etwa in der Immunologie, Onkologie und seltenen Krankheiten."

Sanofi hat noch keinen Covid-19-Impfstoff

Ende vergangenen Jahres hatte Sanofi für einen gemeinsam mit dem Branchenkollegen GlaxoSmithKline entwickelten, auf herkömmlichen Techniken basierenden Covid-19-Impfstoff einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Dieser erwies sich zum damaligen Zeitpunkt als nicht wirksam genug. Derzeit läuft bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA parallel zu den klinischen Tests ein beschleunigtes Prüfverfahren. Eine Entscheidung wird bis Ende des Jahres erwartet.