Ein Mann geht am Firmensitz von Sanofi in Paris vorbei.  | REUTERS

Milliarden-Übernahme Sanofi kauft Antikörper-Spezialisten

Stand: 11.01.2021 15:24 Uhr

Sanofi will den britischen Antikörper-Spezialisten Kymab übernehmen. Der französische Pharmakonzern sieht seine Zukunft bei den Themen Krebstherapie, Immunkrankheiten - und bei Impfstoffen.

Der Pharmakonzern Sanofi kauft das britische Biotech-Unternehmen Kymab. Der Preis liegt bei 1,1 Milliarden US-Dollar. Weitere 350 Millionen Dollar sollen schrittweise fließen, wenn sogenannte Meilensteine erreicht sind, also bestimmte Entwicklungsziele auf dem Weg zu einem Medikament.

Kymab stehe für "eine womöglich erstklassige Behandlung bei einer Reihe von Immun- und Entzündungskrankheiten", erklärte Sanofi-Chef Paul Hudson. Besonders interessant sei für Sanofi der Zugriff auf die weltweiten Rechte des "vielversprechenden Antikörpers" KY1005, der gegen solche Erkrankungen eingesetzt werden soll. Im vergangenen Jahr war er erfolgreich bei bestimmten Hauterkrankungen getestet worden.

Kymab wurde 2010 als Abspaltung des britischen Genomforschungsinstituts Wellcome Trust Sanger in Cambridge gegründet. Zu den Investoren zählt unter anderem die Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates. In der Pipeline des Unternehmens befinden sich auch Wirkstoffe zur Behandlung von Krebs und der Bluterkrankheit.

Kymab Zentrale

Kymab-Zentrale in Cambridge.

Sanofi ändert das Geschäftsmodell

Hintergrund des Zukaufs sind die Bemühungen des Sanofi-Managements, das Portfolio im lukrativen Bereich Immunkrankheiten auszubauen. Im August des vergangenen Jahres hatte Sanofi deshalb für 3,7 Milliarden Dollar die US-Biotechfirma Principia Biopharma übernommen. Dieser Kauf stärke die Forschungskapazitäten in Bereichen wie Autoimmun- und allergische Erkrankungen, hatte Hudson damals erklärt.

Ende 2019 hatte der Konzern ferner den Krebsmedikamentenhersteller Synthorx für rund 2,5 Milliarden Dollar übernommen. Synthorx entwickelt Arzneien, die das körpereigene Abwehrsystem gegen Krebszellen aktivieren sollen.

Sanofis aktuelle Strategie ist es, sich vor allem auf die Themen Krebstherapie, Immunkrankheiten und Impfstoffe zu konzentrieren. Allein der Markt für Krebsarzneien wird auf eine Größe von jährlich 100 Milliarden Dollar geschätzt - mit kräftigen Wachstumsaussichten. Das Engagement in anderen Geschäftsbereichen wie Diabetes oder Herzkrankheiten soll dagegen zurückgefahren werden.

Ein Mitarbeiter der französischen Pharmafirma Sanofi in einem Labor. | REUTERS

Ein Mitarbeiter der französischen Pharmafirma Sanofi in einem Labor. Bild: REUTERS

Rückschlag bei Corona-Impfstoff  

Bei der aktuell im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehenden Entwicklung eines Corona-Impfstoffes hatte es zuletzt aber einen Rückschlag gegeben. Sanofi arbeitet gemeinsam mit dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline an einem Vakzin, das nur eine ungenügende Immunreaktion bei älteren Menschen gezeigt hat. Deshalb gerät der Zeitplan der Konzerne in Rückstand. Sanofi und GlaxoSmithKline hoffen nun, Ende 2021 ein besser wirksames Vakzin anbieten zu können.

Sanofi entwickelt noch einen weiteren Impfstoff zusammen mit der US-Firma Translate Bio. Er basiert auf der so genannten Boten-RNA (mRNA) - der Ansatz, den auch die deutschen Biotechunternehmen BionTech und CureVac verfolgen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Januar 2021 um 09:10 Uhr.