Samaritaine

Luxuskaufhaus in Paris La Samaritaine erstrahlt in neuem Glanz

Stand: 23.06.2021 14:09 Uhr

Es ist eine der berühmtesten Einkaufsadressen der Welt: La Samaritaine in Paris. 16 Jahre lang wurde das legendäre Kaufhaus prunkvoll renoviert. Heute hat es wieder seine Türen geöffnet.

Von Stefanie Markert, ARD-Studio Paris

"O lala!" - Emmanuel Macron ist sichtlich beeindruckt vom Anblick: Die grau-blaue Eisentreppe Gustave Eiffels über fünf Etagen mit 16.000 Goldblättern ist original restauriert. Auf den Treppenabsätzen stehen viele der 1700 Angestellten des Warenhauses und applaudieren dem Präsidenten. Er ist der Einladung Bernard Arnaults gefolgt. Dem Milliardär und Chef des Luxusgüterkonzerns LVMH gehört die Samaritaine. Er hat den Gebäudekomplex für 750 Millionen Euro renoviert und wirbt nun um Kunden: "Vielleicht kann man auch im Internet einkaufen. Aber da kann man die Produkte nicht anfassen, nicht sehen und auch nicht in so einem wunderbaren Ambiente Mittagessen."

Stefanie Markert ARD-Studio Paris

Eine Wasserpumpe als Namensgeberin

In der Samaritaine geht das am spektakulärsten im Restaurant "Voyage" unter der historischen Glaskuppel, umgeben von einem 115 Meter langen Pfauen-Fries im Jugendstil. Aber eigentlich sei hier Einkaufen angesagt, betont Marketingchefin Nathalie Montaldier: "Sie sind hier in der vierten Etage - alles Damenschuhe, von Sneaker bis Luxus. Das Besondere: Beim Anprobieren haben Sie einen phantastischen Blick auf die gotische Kathedrale Saint-Germain-L’Auxerrois. Ein einmaliges Erlebnis."

1870 hat Ernest Cognacq die Samaritaine gegründet. Zuvor hatte er auf der Brücke nebenan - der berühmten Pont Neuf - Stoffe verkauft, sich dann in ein Eck-Café eingemietet und sein Geschäft peu à peu erweitert. Auf der Pont Neuf stand damals die erste Pariser Wasserpumpe, und die hieß "la Samaritaine" - die Samariterin. Die Pumpe wurde zur Namensgeberin des Kaufhauses. Heute flimmern dort historische Werbespots in alten Fernsehern:

Monsieur wünscht etwas?
Ja, Nägel.
Haben wir nicht.
Eine Krokodilklemme.
Weder Klemme, noch Krokodil.
Haben Sie nicht den Namen unseres Geschäfts gelesen?
Nein.
Das hier ist nicht die Samaritaine.
Ah, ich verstehe - im Samaritaine findet man alles.
Samaritaine | Stefanie Markert/ARD-Studio Paris

Im Pariser Luxuskaufhaus findet man vor allem eines: französisches "savoir vivre". Bild: Stefanie Markert/ARD-Studio Paris

Eine Hymne auf Paris

Diesem Anspruch wird das Haus nicht mehr gerecht, sagt Managerin Eleonore de Boysson, aber: "Dafür findet man ganz Paris in der Samaritaine. Seine Marken und Künstler. Es ist wie eine Promenade mit Überraschungen. Ein Besuch soll ein neues Parisgefühl auslösen." Und französische Lebensart vermitteln. So backt das Haus seine Croissants selbst, personalisiert Champagnerflaschen und verkauft Kosmetik aus Klappkisten, die denen der Bouquinisten vor der Tür gleichen. Mosaike erinnern an die Pariser Passagen und gelbe Laternen an die Straßenbeleuchtung früher. Pariser Flair en passant.

Das Edelkaufhaus ist eine Hymne auf die Stadt. Es bietet die größte Schönheitsabteilung der Europäischen Union - 600 Marken und Produkte vom Drei-Euro-Handgel bis zum Parfüm im Riesen-Kristallflakon für 150.000 Euro. Erwartet werden bis zu fünf Millionen Kundinnen und Kunden pro Jahr. Pariser, Franzosen und natürlich Touristen. Die Marketing-Chefin zeigt im unteren Geschoss auf einen langen Rollteppich wie am Flughafen: "Es gab einen direkten Zugang vom Parkplatz ins Kaufhaus. Diesen Tunnel haben wir neu gestaltet. Hier werden die Bustouristen ankommen."

Zum Komplex gehört ein Nobelhotel mit 1000-Quadratmeter-Suite. Schon das kleinste Zimmer kostet dort 1500 Euro pro Nacht. Aber es gibt auch eine Kinderkrippe und fast 100 Sozialwohnungen. Samaritaine-Generaldirektor Jean Jacques Guiony erklärt: "Das ist Gesetz. Beim Bauen muss man rund 25 Prozent der Fläche für Sozialwohnungen vorsehen. Wir hatten die Freiheit, sie nach innen zu legen in das Gebäude Rue de Rivoli." Die Mieter schauen auf einen grünen überdachten Innenhof mit der Wellnessoase des Kaufhauses. Die Samaritaine hat 364 Tage im Jahr geöffnet. Geschlossen ist nur am 1. Mai.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 23. Juni 2021 um 08:09 Uhr in der Sendung "Studio 9".