Die Ryanair Boeing 737-800 landed in Vilnius | EPA

Billigflieger Erster Ryanair-Gewinn in der Pandemie

Stand: 01.11.2021 14:55 Uhr

Die Billigfluggesellschaft Ryanair hat zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Krise in einem Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben. Doch um die Maschinen zu füllen, muss sie Tickets mit Rabatten anbieten.

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie hat der irische Billigflieger Ryanair wieder einen Quartalsgewinn eingefahren. Für die Monate Juli bis September vermeldet die Airline einen Gewinn von 225 Millionen Euro, nach einem Verlust von 225,5 Millionen Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. In den vergangenen Wochen hätten Kunden verstärkt Tickets gebucht. Das Management rechnet damit, dass diese Dynamik auch bis Ostern und Sommer kommenden Jahres anhält.

Zwischen Juli und September erlöste Ryanair mit knapp 1,8 Milliarden Euro fast 70 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum. Dennoch hat die Airline im ersten Halbjahr ihres Anfang April beginnenden Geschäftsjahres noch einen Verlust von 48 Millionen Euro gemacht, da der Fehlbetrag in den Monaten April bis Juni noch bei 273 Millionen Euro gelegen hatte.

Ryanair erwartet Verlust für Gesamtjahr

Im Gesamtjahr rechnet der Konzern aber weiter mit einem Verlust von 100 bis 200 Millionen Euro, weil er Tickets mit Rabatt anbieten muss, um seine Flugzeuge zu füllen. Damit muss Ryanair-Chef Michael O'Leary seine bisherige Prognose einer "schwarzen Null" oder eines kleinen Jahresverlustes nach unten korrigieren.

Die Höhe der erwarteten Verluste hänge vor allem von der Preisentwicklung im Winter ab. Gegebenenfalls will das Management die Ticketverkäufe selbst ankurbeln, indem die Preise gesenkt werden. Die Zahl der Fluggäste soll für das Jahr nun bei mehr als 100 Millionen liegen, nach bislang erwarteten 90 bis 100 Millionen. Tatsächlich sind viele Kunden für das Winterhalbjahr aber zurückhaltend. Der britische "Guardian" berichtet, dass die Airline ihre Ticket-Preise in den kommenden Monaten bereits kräftig senken muss, um die Maschinen auszulasten.

Riesige Wachstumspläne

Für die kommenden fünf Jahre gibt sich Ryanair aber weiter selbstbewusst optimistisch. O'Leary bekräftigte sein Ziel, die Zahl der Passagiere in diesem Zeitraum um 50 Prozent auf dann 225 Millionen zu steigern. Dadurch sollen 5000 neue Jobs für Piloten, Kabinenpersonal und Techniker entstehen. Ein weiterer Grund für die Aufstockung des Personals: heftige Kritik am schlechten Kundenservice, insbesondere bei der Rückerstattung stornierter Flüge. Dadurch werden sich allerdings auch die Betriebskosten erhöhen.

Das angestrebte Wachstum will Ryanair mit einer Flotte neuer Boeing-Flugzeuge vom Typ B737 MAX erreichen. Diese von O'Leary als "Gamechanger" bezeichneten Maschinen bieten vier Prozent mehr Sitzplätze, verbrauchen aber weniger Treibstoff, was gerade in Zeiten hoher Rohölpreise besonders verlockend ist. Die Lärmemissionen seien sogar um 40 Prozent niedriger als bei herkömmlichen Flugzeugen. Insgesamt werde der CO2- und Lärm-Fußabdruck jedes Passagiers in den nächsten zehn Jahren also deutlich sinken.

Allerdings sind Maschinen dieser Bauart verantwortlich für die verheerenden Flugzeugabstürze einer indonesischen und äthiopischen Airline mit insgesamt 346 Toten. Dort konnten Piloten im Cockpit die Steuerung nicht bedienen, weil das System versagte. Damit Kunden nicht abgeschreckt werden, vermeidet die Airline, das Flugzeug beim Namen 737 MAX zu nennen, sondern verwendet die technische Bezeichnung: 737-8200.

Rückzug von der Börse in London?

Unterdessen erwägt Ryanair einen Rückzug von der Londoner Börse. Im Zuge des Brexits sei das gehandelte Aktienvolumen deutlich zurückgegangen, hieß es zur Begründung. Im Dezember hatte die Fluggesellschaft alle Nicht-EU-Bürger vom Kauf von Stammaktien ausgeschlossen und ihre Stimmrechte kassiert.

Mit Informationen von Klaus-Rainer Jackisch, hr