Ein Schild mit Hinweisen zur 2G-Regel | picture alliance/dpa

Wirtschaftliche Einbußen 2G günstiger als neuer Lockdown?

Stand: 13.09.2021 18:25 Uhr

Wissenschaftler warnen vor den wirtschaftlichen Folgen eines möglichen weiteren Lockdowns. Eine 2G-Regelung würde laut einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung erheblich weniger kosten.

Von Ingrid Bertram, WDR

Die Virologen sind sich einig: Die vierte Welle in der Pandemie rollt. Deswegen wird auch in den betroffenen Wirtschaftsbranchen diskutiert, ob die 2G-Regel durchgesetzt werden soll. Heißt also zum Beispiel: Nur Geimpfte und Genesene dürften Restaurants und Kinos besuchen oder Fitnessstudios nutzen. Ungeimpfte könnten hingegen diese "kontaktintensiven Dienstleistungen" nicht nutzen. Wäre das die bessere Strategie als zum Beispiel einen erneuten Lockdown zu riskieren?

Ingrid Bertram

Weiterer Lockdown kann teuer werden

Der Lockdown im vergangenen Winter hat die besonders betroffenen Branchen wie Kultur, Veranstaltung, Tourismus und Gastronomie circa 70 Milliarden Euro an Wertschöpfung gekostet. Sollte es wieder dazu kommen, rechnen die Wirtschaftswissenschaftler des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen (RWI) nicht mehr mit einem solch hohen Schaden. Aber ohne eine deutliche Zunahme der Impfungen könnte es durchaus erneut einen Lockdown in den kontaktintensiven Dienstleistungen geben, glaubt Studienleiter Torsten Schmidt. "Dafür ist die Zahl der Ungeimpften einfach noch zu hoch." Derzeit sind 38 Prozent der Gesamtbevölkerung nicht geimpft.

Angenommen, im kommenden Winter stiegen die Infektionszahlen und die Krankenhausbelegungen so sehr, dass Fitnessstudios, Kultur oder Gastronomie wieder dicht machen müssten, könnte nach den Berechnungen von Schmidt ein Schaden von 52 Milliarden Euro entstehen. Das würde im Vergleich zu heute einer Einbuße von 0,6 Prozentpunkten des Zuwachses des Bruttoinlandsproduktes entsprechen.

Auch Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hält die Gefahr eines kompletten Lockdowns wie im vergangenen Winter zwar für relativ gering - nicht aber die für einen Teillockdown, wie ihn das RWI berechnet hat. Dann "würde die Marktbereinigung in diesen Branchen, wie wir sie schon erlebt haben, weiter voranschreiten." Sprich: Weitere Branchensegmente würden sterben.

2G-Regel weniger schädlich

Die Meinungen in den betreffenden Branchen gehen zwar weit auseinander, ob 2G oder 3G der richtige Weg ist. Wirtschaftlich gesehen würde 2G aber weniger Schaden im Vergleich zum Teillockdown hinterlassen. Nach dem Szenario des RWI wären bei langsam steigender Impfquote bis zum Ende des Jahres 75 Prozent der Bevölkerung geimpft.

Eine konsequent angewandte 2G-Regel würde dann 25 Prozent der Menschen vom Konsum ausschließen, etwa bei Veranstaltungen, Reisen oder in Fitnessstudios. Der Ausschluss der Ungeimpften würde dann lediglich einen wirtschaftlichen Schaden von 13 Milliarden Euro hinterlassen und das Bruttoinlandsprodukt um 0,15 Prozentpunkte weniger wachsen. Das entspräche nur einem Viertel der Kosten des Teillockdowns.

Politische Verantwortung für Maßnahmen

Die gute Nachricht: Die Wirtschaftswissenschaftler erwarten nicht mehr einen so großen gesamtwirtschaftlichen Schaden wie in der vergangenen Welle. Vielmehr gibt es jetzt Instrumente, mit denen man die Kosten begrenzen könnte.

Studienleiter Schmidt vom RWI plädiert dafür, 2G regional dort einzuführen, wo die Bettenbelegung in den Krankenhäusern steigen. Und IW-Direktor Hüther hält es für wichtig, diese Regelung nicht in die Verantwortung einzelner Gastronomen oder anderer Unternehmer zu geben. Vielmehr müsse das die Politik vor Ort entscheiden. Aber damit ist wohl eher nach der Bundestagswahl zu rechnen.