Moët & Chandon Champagner-Flaschen  | picture alliance / dpa

Lieferstopp nach Namensstreit Kein Moët Hennessy mehr für Russland

Stand: 04.07.2021 16:26 Uhr

In Russland dürfen per Gesetz nur noch russische Schaumweine "Champagner" genannt werden - alles andere sei schlicht Sekt. Der französische Champagner-Hersteller Moët Hennessy setzte nun seine Lieferungen nach Russland aus.

Wegen eines Namensstreits könnte Russlands Oberschicht demnächst gezwungen sein, auf eine beliebte Champagnermarke zu verzichten. Die russische Niederlassung des französischen Herstellers Moët Hennessy kündigte die Einstellung der Lieferungen an. Hintergrund ist ein neues russisches Gesetz, das das Wort "Champagner" russischen Schaumweinen vorbehält, während die berühmten Tropfen aus dem französischen Landstrich Champagne sich schnöde "Sekt" nennen sollen.

Hersteller müsste sich in Russland neu registrieren

AST, führende Vertriebsfirma für alkoholische Getränke in Russland, teilte mit, dass Moët Hennessy in einem Schreiben über die geplante Aussetzung seiner Champagnerlieferungen informiert habe. Dieser Schritt sei "gerechtfertigt", sagte AST-Chef Leonid Rafailow der Nachrichtenagentur AFP. Nach seinen Angaben wäre Moët Hennessy durch das am Freitag durch Kreml-Chef Wladimir Putin in Kraft gesetzte Gesetz gezwungen, sich in Russland neu registrieren zu lassen.

Der Russland-Chef von Moët Hennessy, Sebastien Vilmot, wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP nicht zu dem Streit äußern.

Rafailow zitierte Vilmot mit der Aussage, die Aussetzung der Lieferungen von Moët Hennessy sei eine "vorübergehende" Maßnahme, bis eine Lösung in dem Streit gefunden werden könne.

Nur kleiner Anteil am Markt

Moët Hennessy gehört ebenso wie die Champagner-Marken Moët Chandon, Veuve Clicquot und Dom Pérignon zum französischen Luxuskonzern LVMH. Branchenkenner Wadim Drobis hob hervor, dass Moët Hennessy nur einen kleinen Anteil am russischen Champagner-Markt habe. "Wenn es keinen Moët gibt, wird es keinen Staatsstreich geben, und die russischen Eliten werden keinen Suizid begehen", witzelte Drobis.

Auch in Online-Netzwerken wurde über das neue Gesetz gescherzt. "Jetzt ist es an der Zeit, es den Schotten und Amerikanern zu verbieten, das Wort 'Whiskey' zu verwenden", schrieb der Gastronom Sergej Mironow. Der bekannte Sänger Wasja Oblomow erklärte mit Blick auf die deutsche Luxus-Automarke, die russischen Parlamentarier könnten nun ein ähnliches Gesetz für die Verwendung des Namens Mercedes erlassen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Juli 2021 um 16:00 Uhr.