Ein Stück mit Lithium durchsetztes Stück Erz | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Projekt in Brandenburg Größte Lithium-Raffinerie Europas geplant

Stand: 11.10.2021 19:03 Uhr

Die Tesla-Ansiedlung in Brandenburg zieht immer mehr Zulieferer in die Region. Ab 2024 soll dort eine Fabrik entstehen, die jedes Jahr genug Lithium für eine halbe Million Elektroautos verarbeiten kann.

Der Bau einer neuen Fabrik des US-Elektroautobauers Tesla in Grünheide bei Berlin führt zu immer mehr Nachfolge-Ansiedlungen. Wie das brandenburgische Wirtschaftsministerium mitteilte, will das deutsch-kanadische Unternehmen Rock Tech in Guben nahe der polnischen Grenze für 470 Millionen Euro eine Lithium-Raffinerie bauen. Ab 2024 soll dort pro Jahr rund 24.000 Tonnen des Rohstoffs zu Lithiumhydroxid weiterverarbeitet werden. Damit könne der Bedarf von rund 500.000 Elektrofahrzeugen gedeckt werden. "Damit wird Brandenburg eine der ersten Regionen Europas, die fast die gesamte Wertschöpfungskette von Elektroautos abdeckt", sagte Unternehmenschef Dirk Harbecke dem "Handelsblatt".

Die Ansiedlung in Guben stärke die Position Brandenburgs als Zentrum der Elektromobilität in Deutschland, erklärte auch Wirtschaftsminister Jörg Steinbach. Guben liegt rund 100 Kilometer vom Tesla-Werk in Grünheide entfernt. Das Lithium soll aus der eigenen Mine des Unternehmens in Kanada kommen, obwohl auch in Deutschland große Lithium-Vorkommen im Boden liegen. So wurde Ende des vergangenen Jahres bekannt, dass eine Pilotanlage zur Lithium-Förderung in Bruchsal bei Karlsruhe entstehen wird.

Gespräche über staatliche Förderung

Firmenchef Harbecke sprach mit Blick auf die E-Auto-Produktion von Volkswagen, Daimler und BMW von einer "gigantischen Nachfrage". Deswegen plane das Unternehmen mit Hauptsitz im kanadischen Vancouver den Bau von insgesamt fünf Lithium-Fabriken. Jedes Jahr solle in Europa eine neue hinzukommen.

Allerdings soll künftig soll ein wachsender Anteil der verwendeten Rohstoffe aus Alt-Batterien gewonnen werden. Bis 2030 sollen so um die 50 Prozent der in der Produktion verwendeten Rohstoffe aus wiederverwerteten Quellen stammen.

Rock Tech befindet sich nach eigenen Angaben in Gesprächen mit den Behörden über eine mögliche staatliche Förderung des Investitionsvorhabens. In der Fabrik sollen 160 Techniker, Ingenieure und Produktionsarbeiter Anstellung finden.

Milliardär Peter Thiel gehört zu Anteilseignern

Die börsennotierte Firma hat auch bei privaten Investoren Geld eingesammelt. So wurde Anfang des Jahres bekannt, dass der aus Deutschland stammende US-Investor Peter Thiel eine direkte Beteiligung von fünf Prozent an Rock Tech eingegangen ist. Zudem besitzt er eine Option auf weitere fünf Prozent an der Gesellschaft. Auch der britische Hedge-Fonds-Manager Alan Howard hält eine Minderheitsbeteiligung. Der deutsche Investor Christian Angermayer besitzt laut der Agentur Bloomberg sogar knapp 20 Prozent der Anteile von Rock Tech.

Unweit des künftigen Standortes der Lithium-Raffinerie, in Schwarzheide bei Cottbus, plant auch der Chemieriese BASF eine Anlage. Bis 2022 soll dort eine Fabrik für die Herstellung von Kathodenmaterialien entstehen, die zu den wichtigsten Komponenten von Lithium-Batterien gehören. 500 Millionen Euro investiert der Ludwigshafener Konzern in Schwarzheide, 200 Arbeitsplätze sollen entstehen. Zudem kündigte der US-Batterie-Hersteller Microvast unlängst an, seine Europa-Zentrale in Ludwigsfelde bei Berlin zu bauen.

Über dieses Thema berichtete der rbb in der Sendung "Antenne Brandenburg" am 11. Oktober 2021 um 16:10 Uhr.