Rivian R1T Pickup | picture alliance / ZUMAPRESS.com

US-Elektroautobauer Warum Rivian für Tesla gefährlich werden könnte

Stand: 10.11.2021 14:51 Uhr

Bisher dominiert Tesla den US-Markt für Elektroautos. Nun gelingt dem Konkurrenten Rivian ein Rekord-Börsengang in New York. Das Unternehmen greift den Elektro-Pionier an seiner empfindlichsten Stelle an.

Von Mark Ehren, tagesschau.de

Es ist einer der größten Börsengänge in den USA des vergangenen Jahrzehnts: Der US-Elektroautobauer Rivian hat bei seinem Debüt an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq fast zwölf Milliarden US-Dollar eingenommen. Einen solch hohen Emissionserlös hat zuvor noch nie ein E-Auto-Hersteller erreicht.

Die Bekanntheit des Tesla-Konkurrenten, an dem auch Amazon beteiligt ist, steigt damit rapide. Der Unternehmenswert von Rivian liegt bei rund 76 Milliarden Dollar - der Hersteller ist damit wertvoller als BMW. Dabei hat Rivian bislang keine nennenswerten Umsätze erwirtschaftet. Nicht viel mehr als 300 Pick-ups und SUVs hat das Unternehmen schon ausgeliefert. Im ersten Halbjahr fiel ein Verlust von knapp einer Milliarde Dollar an.

Pick-ups führen Verkaufslisten an

Im September brachte Rivian sein erstes Modell auf den Markt. Beim R1T handelt es sich um einen Pick-Up-Truck, der in das wichtigste Segment des US-Automarktes drängt. Nach der strengen US-Norm soll das Fahrzeug mit einer Batterieladung bis zu 640 Kilometer fahren können. Ende Oktober gab es für das Fahrzeug bereits gut 55.000 Vorbestellungen in den USA und Kanada.

Für europäische Verhältnisse wirkt der R1T mit einer Länge von rund 5,50 Metern und einer Breite von fast 2,10 Metern riesig. Doch in den USA sind solche Modelle abseits der Metropolen weit verbreitet. Seit 39 Jahren führen die Pick-ups der Ford F-Serie die Verkaufslisten aller Automodelle in den USA an. Im vergangenen Jahr lagen mit dem Chevrolet Silverado und Dodge Ram gleich zwei weitere dieser Pritschenwagen auf den Plätzen zwei und drei der meistverkauften Autos in den USA.

Farbik für Tesla-Truck noch nicht eröffnet

Das zeigt, wie wichtig das Segment für den dortigen Automarkt ist. Doch Tesla hat hier bisher kein Produkt zu bieten. Der im Jahr 2019 angekündigte futuristische Tesla Cybertruck wird nicht mehr im laufenden Jahr auf den Markt kommen. Nach den jüngsten Ankündigungen peilt der Hersteller eine Produktion im kommenden Jahr am neuen Produktionsstandort in Austin im US-Bundesstaat Texas an. Allerdings ist diese Fabrik noch nicht eröffnet.

Von der zunächst genannten Reichweite für den Tesla-Cybertruck von über 800 Kilometern ist inzwischen nicht mehr die Rede. Damit wiederholt sich offenbar dieselbe Entwicklung wie beim Model S. Hier hatte Tesla eine Version mit ebenfalls über 800 Kilometern Reichweite in Aussicht gestellt, aber wieder einen Rückzieher gemacht, bevor das Auto auf den Markt gekommen war.

Tesla Cybertrack | AFP

Die Leute fotografieren den neu enthüllten, vollelektrischen, batteriebetriebenen Cybertruck von Tesla mit zerbrochenen Fenstern nach einem fehlgeschlagenen Widerstandstest. Bild: AFP

Konkurrenz für Model X

Ab Dezember will Rivian Elektro-SUVs mit dem Modellnamen R1S verkaufen - ab einem Preis von 70.000 Dollar. Damit erwächst auch dem Model X von Tesla ein neuer Konkurrent. Der US-Marktanteil des E-Pioniers im rasant wachsenden Markt für reine Elektroautos von zuletzt noch rund zwei Dritteln dürfte damit weiter abschmelzen.

Zudem plant Rivian für das kommende Jahr den Verkaufsstart eines elektrischen Lieferwagens. Der US-Konzern Amazon hat bereits 100.000 Fahrzeuge von diesem Typ bestellt, die ab dem kommenden Jahr bis 2030 in Dienst gestellt werden sollen.

Amazon und Ford als Aktionäre

Auch darüber hinaus sind Rivian und Amazon eng miteinander verbunden. Der Versandkonzern hatte Anfang des Monats bekannt gegeben, dass er 20 Prozent an Rivian hält. Somit ist der Börsengang nicht zuletzt ein Erfolg für Amazon-Großaktionär Jeff Bezos, der Musk auch bei seinen Raumfahrt-Plänen nacheifert.

Neben Amazon ist auch Ford an Rivian beteiligt. Der traditionsreiche Konzern will die Elektroautoplattform des Börsenneulings auch für eigene Modelle nutzen. Die Konkurrenz für Tesla nimmt merklich zu.

Mit Informationen von Peter Mücke, ARD-Studio New York.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. November 2021 um 11:41 Uhr.