Firmenschild des Rüstungskonzerns Rheinmetall | dpa

Rüstungsindustrie Rheinmetall mit Gewinn - und neuem Image?

Stand: 17.03.2022 16:28 Uhr

Der russische Angriffskrieg führt auch in Deutschland zu höheren Rüstungsinvestitionen. Rheinmetall profitiert von der vielzitierten "Zeitenwende" in gleich zweifacher Hinsicht.

Von David Zajonz, WDR

Offiziell ging es auf der Bilanz-Pressekonferenz von Rheinmetall vor allem um die Jahreszahlen von 2021. Die gerieten aber schnell zur Nebensache. Armin Papperger, Vorstandschef von Deutschlands größtem Rüstungsunternehmen, richtete seinen Blick vor allem in die Zukunft. Seit Kriegsbeginn ist seine Branche in Deutschland gefragt wie seit Jahrzehnten nicht. Die von Bundeskanzler Scholz ausgerufene "Zeitenwende", auf die Papperger zu Beginn seiner Rede verwies, beschert der die Rüstungsindustrie einen enormen Bedeutungszuwachs.

David Zajonz

Rheinmetall will Munition und Fahrzeuge liefern

Für das laufende Jahr rechnet Rheinmetall deshalb mit 15 bis 20 Prozent mehr Umsatz. Schon für das vergangene Jahr verzeichnet das Düsseldorfer Unternehmen ein Umsatzplus von 4,7 Prozent. Angesichts des russischen Angriffskriegs planen mehrere NATO-Staaten, mehr Geld für ihre Sicherheit auszugeben. Allein die Bundesregierung hat ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für Rüstungsinvestitionen angekündigt. Rheinmetall hat bereits eine Liste von Produkten vorgelegt, die das Unternehmen an die Bundeswehr verkaufen könnte. Der größte Posten: Munition mit möglichen Lieferungen in Höhe von zwölf Milliarden Euro; es folgen Transportfahrzeuge und Panzer.

Insgesamt bietet Rheinmetall der Bundesregierung damit Rüstungsprodukte im Wert von 42 Milliarden Euro an. Dabei handele es sich aber lediglich um eine "Potenzialliste", betont Papperger, es sei also nicht geplant, tatsächlich in diesem Umfang zu liefern. Was genau und in welchem Umfang produziert wird, hängt von den Bestellungen der Bundesregierung ab. Über mögliche aktuelle Waffenlieferungen für die Ukraine sei Stillschweigen vereinbart worden.

Erste Lieferungen brauchen sechs Monate

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Aufrüstung der Bundeswehr viele Jahre dauern wird. Munition lässt sich nach Angaben von Rheinmetall vergleichsweise schnell produzieren. Aber selbst hier werde es etwa sechs Monate brauchen, bis die ersten Lieferungen verschickt werden können. Bei Lkw rechnet Rheinmetall mit einem Zeitraum von etwa einem Jahr, bei dem Schützenpanzer "Puma" sind es sogar zwei Jahre. Zunächst einmal müssten aber noch die Verträge mit der Bundesregierung unterschrieben werden, so Papperger.

"Wir müssen keine neuen Fabriken bauen"

Als größte Herausforderung bei der Produktion sieht Rheinmetall die Rohstoffversorgung, beispielsweise bei Stahl und Elektronik. Hinzu kommt ein enormer Personalbedarf: Rheinmetall will 1500 bis 3000 neue Mitarbeiter einstellen, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Konkret nannte Papperger dabei die Standorte München, Kassel, Düsseldorf, Unterlüß, Bremen und Kiel.

Als großen Vorteil seines Unternehmens sieht der Vorstandschef, dass Rheinmetall noch über die Produktionskapazitäten aus den 1970er- und 1980er-Jahren, also aus Zeiten des Kalten Krieges, verfügt. "Wir müssen keine neuen Fabriken bauen", so Papperger. Stattdessen könne die Produktion hochgefahren werden, indem auf Schichtbetrieb umgestellt wird.

Dankbar für "Imagewandel"

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat nicht nur die politischen Entscheidungen, sondern auch die öffentliche Meinung verändert. Im ARD-Deutschlandtrend von Anfang März unterstützten etwa zwei Drittel der Befragten die höheren Rüstungsausgaben, dagegen sprach sich nicht einmal jeder fünfte Befragte aus. Fast die Hälfte gab an, dass der Krieg ihre Haltung zu dem Thema verändert hat.

"Wir sind dankbar dafür, dass es diesen Imagewandel gibt", sagt Rheinmetall-Chef Papperger mit Blick auf die veränderte Wahrnehmung seiner Branche.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. März 2022 um 13:51 Uhr.