Einkaufswagen der Supermarkt-Kette Rewe | picture alliance/dpa

Internationale Expansion Rewe eifert Aldi und Lidl nach

Stand: 17.02.2022 13:22 Uhr

Der Handelsriese Rewe will verstärkt ins Ausland expandieren und nimmt dazu viel Geld in die Hand. Damit folgt der Konzern Konkurrenten wie Aldi und Lidl.

Rewe will sein Geschäft im Ausland intensivieren. "Die Rewe-Gruppe wird ihr internationales Geschäft in den nächsten Jahren kräftig ausbauen und dafür deutlich mehr Geld in die Hand nehmen als in den vergangenen Jahren", erklärte der für das Auslandsgeschäft zuständige stellvertretende Vorsitzende der Rewe-Gruppe, Jan Kunath, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Insgesamt sollen laut dem Manager von 2021 bis 2025 rund fünf Milliarden Euro in den Ausbau der Auslandsaktivitäten im Lebensmittelhandel fließen.

Die Rewe-Gruppe ist zurzeit außer in Deutschland auch in Österreich, Tschechien, der Slowakei, Italien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Kroatien und Litauen präsent - vor allem mit Billa-Supermärkten und der Discount-Kette Penny. "Dass wir noch in weitere Länder gehen, würde ich aktuell ausschließen. Es gibt ja keine weißen Flecken mehr", sagte Kunath. Wenn sich allerdings eine Gelegenheit ergebe, durch eine Übernahme eine attraktive Marktposition in einem zentraleuropäischen Land zu erhalten, werde man sich das sicherlich angucken. Insgesamt betreibt der Konzern im Ausland rund 4500 Geschäfte, bis 2024 sollen es 5000 werden.

Mit seinen Plänen folgt der Kölner Konzern den Expansionsbemühungen der deutschen Rivalen. Denn der Heimatmarkt in Deutschland gilt schon seit Jahren als gesättigt mit einer entsprechend starken Konkurrenzsituation.

In bis zu 30 Ländern aktiv

Schon seit Jahrzehnten setzen speziell Aldi und Lidl auf eine weitreichende internationale Expansion. Am weitesten vorangekommen ist dabei die Schwarz-Tochter Lidl, die in insgesamt 30 Ländern aktiv ist. Die beiden Schwesterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd haben sich nicht nur Deutschland, sondern auch die Auslandsmärkte quasi untereinander aufgeteilt. Nur in den USA ist Aldi Süd unter der Marke Aldi sowie Aldi Nord unter der Marke Trader’s Joe präsent. Insgesamt ist Aldi in 21 Ländern aktiv.

Besonders stark vertreten ist Aldi Süd in den USA, denn mit mittlerweile fast 2100 Filialen hat man sogar mehr Verkaufsstützpunkte als in Deutschland mit knapp unter 2000. Die beiden Konkurrenten Lidl und Aldi Nord sind besonders in Frankreich präsent mit rund 1500 beziehungsweise rund 1300 Filialen.

Discounter sind deutscher Exportschlager

"Das Discount-Modell ist der größte Exporterfolg des deutschen Handels", sagt Frank Küver, Handelsexperte beim Marktforschungsunternehmen NielsenIQ der dpa. "Die Erfolge der deutschen Discounter im Ausland haben dazu geführt, dass mittlerweile manchmal schon die Ankündigung des Markteintritts in einem neuen Land dazu führt, dass dort die Preise im Lebensmittelhandel ins Rutschen geraten - noch bevor der erste Laden eröffnet ist."

In vielen ausländischen Märkten ist zum Zeitpunkt des Markteintritts von Aldi, Lidl oder Penny der Anteil der Discounter am gesamten Lebensmitteleinzelhandel relativ gering, während er in Deutschland traditionell hoch ist und in den vergangenen Jahren rund 42 Prozent betrug.

In Europa wird der Lebensmitteleinzelhandel von deutschen Konzernen dominiert. Nach Berechnungen der "Lebensmittel-Zeitung" ist die Schwarz-Gruppe die Nummer eins mit einem Umsatz von knapp 145 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Auf dem zweiten Platz liegt Rewe, gefolgt von Aldi. Auf Platz fünf rangiert Edeka. Als einziges nicht-deutsches Unternehmen liegt der britische Konzern Tesco auf dem vierten Platz.