Renault-Chef Luca de Meo

Neue Sparziele Renaults langer Weg aus der Krise

Stand: 14.01.2021 12:24 Uhr

Der französische Autobauer Renault hat seit Jahren mit Problemen zu kämpfen. Jetzt hat der neue Konzernchef Luca de Meo den Umbau zu einem Technologiekonzern verkündet - und weitere Einsparungen.

"Renaulution" nennt Luca de Meo, der seit Juli letzten Jahres amtierende Vorstandschef von Renault, seine Strategie, mit er den kriselnden französischen Autobauer wieder zum Erfolg führen will.

Hinter dem holprigen Wortspiel aus Renault und Revolution verbirgt sich ein umfassender Krisenplan, mit dessen Hilfe de Meo den Autobauer komplett umkrempeln will - hin zu mehr Dienstleistungen und Technologie, aber weniger Autos. Ziel ist es, die Zahl der jährlich produzierten Pkw von derzeit 5,5 Millionen auf 4 Millionen zu reduzieren.

20 Prozent des Umsatzes mit Dienstleistungen geplant

Renault-Chef Luca de Meo
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Arbeitete jahrelang bei VW: Renault-Chef Luca de Meo.

Gleichzeitig soll das in Boulogne-Billancourt bei Paris ansässige Unternehmen bis 2030 mindestens 20 Prozent seines Umsatzes mit Dienstleistungen, Daten und Energiehandel erzielen. "Wir werden uns von einem Autokonzern, der mit Technologie arbeitet, zu einem Technologiekonzern entwickeln, der mit Autos arbeitet", verkündete de Meo, der vor seiner Zeit bei Renault viele Jahre für den Volkswagen-Konzern gearbeitet hat, zuletzt als Chef der spanischen VW-Tochter Seat.

Zudem soll der Konzern so schnell wie möglich wieder profitabel arbeiten. Renault hatte im ersten Halbjahr 2020, auch wegen tiefroter Zahlen beim japanischen Partner Nissan, einen Rekordverlust von rund 7,3 Milliarden Euro eingefahren. Geschäftszahlen für das Gesamtjahr sollen Mitte Februar vorgelegt werden. Bekannt ist bereits, dass die weltweiten Fahrzeugverkäufe der Franzosen 2020 um mehr als 21 Prozent eingebrochen sind.

"Letzte Hoffnung für Renault"

Die Lage bei dem Autobauer ist derart ernst, dass das Unternehmen im letzten Jahr den französischen Staat um eine Garantie für ein fünf Milliarden Euro schweres Darlehen bitten musste. Die Berufung des 53-jährigen Italieners de Meo ist in Frankreich mit großen Erwartungen verbunden. Die Pariser Tageszeitung "Le Monde" nannte ihn "die letzte Hoffnung für Renault".

De Meo ließ bei der Vorstellung seiner Ziele keinen Zweifel daran, dass der bereits im letzten Jahr verkündete Sparkurs noch verschärft werden muss. Danach soll Renault das bis 2022 gesteckte Sparziel von zwei Milliarden Euro schneller erreichen. Die Kosten sollen weiter sinken - bis 2025 um drei Milliarden Euro.

15.000 Arbeitsplätze fallen weg

Damit verbunden sind Werksschließungen und der Abbau von 15.000 Arbeitsplätzen, darunter 4.600 in Frankreich. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sollen bis 2025 von zehn Prozent des Umsatzes auf unter acht Prozent gedrückt werden.

Insgesamt also muss Renault, wie der japanische Partner Nissan, die vom geschassten Konzernchef Carlos Ghosn vorangetriebene Expansion zurückdrehen. Stattdessen soll mehr auf die Rendite geachtet werden.

De Meo hatte bereits bei seinem Antritt einen neuen Kurs ausgegeben: "Profitabilität statt Volumen" - das heißt, weniger Fahrzeuge verkaufen, aber zu einem höheren Preis. Dazu beitragen sollen die bis 2025 geplanten zwei Dutzend neue Automodelle, darunter mindestens zehn reine E-Autos.

Renault stellt neue Marktstrategie vor
Stefanie Markert, ARD Genf, zzt. Paris
14.01.2021 13:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Januar 2021 um 12:00 Uhr.

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