Eurowings-Maschine startet vom Hamburger Flughafen in Richtung Abenddämmerung | dpa

Lufthansa-Tochter Eurowings Mit "Mallorca-Shuttle" aus der Krise

Stand: 18.05.2021 09:23 Uhr

Mit einem rasant wachsenden Angebot an Flügen in Urlaubsregionen hofft Eurowings, die Corona-Krise im Sommer hinter sich zu lassen. Die Zahl der täglichen Buchungen steigt kräftig.

Von Michael Immel, ARD-Luftfahrtexperte

"Die Deutschen sitzen sprichwörtlich auf gepackten Koffern", sagt Eurowings-Chef Jens Bischof. Der CEO der Lufthansa-Tochter sieht eine Parallele zwischen Impftempo und Buchungen. Beide Kurven steigen kräftig. Lag die Zahl der Reisebuchungen im Jahr 2019 bei 80.000 pro Tag, sind es mittlerweile wieder 50.000 Reisen, die täglich bei Eurowings gebucht werden.

Michael Immel

Viele Kunden hätten mittlerweile Impftermine erhalten, würden zwei Wochen auf ihren zweiten Impftermin draufrechnen und dann den Sommerurlaub für die Zeit danach buchen. Die Nachfrage komme vor allem von Privatreisenden, aber auch Reiseveranstalter buchten zunehmen große Kontingente.

Rasche Anpassung des Flugangebots

Gefragt sind die klassischen Warmwasserziele - allen voran Mallorca, Ibiza und Griechenland. Dabei steige die Nachfrage in allen Teilen Deutschlands gleichermaßen sprunghaft. Und so muss Eurowings ständig am Flugplan nachjustieren. "Wir planen mindestens im Wochentakt, teilweise auch in Zwei-Tages-Rhythmen", erzählt Bischof. Früher habe man den Flugplan für ein halbes Jahr gemacht. Doch jetzt müssen alle Fluggesellschaften viel flexibler sein, um bestmöglich aus der schwersten Krise der Luftfahrtbranche zu fliegen.

Mit Blick auf die kommenden vier Wochen sagt der Eurowings-Chef, dass 500 zusätzliche Flüge mit einem Sitzplatzangebot für 70.000 Reisende kurzfristig an den Start gehen. Die Hoffnung liegt also jetzt auf den Sommerferien, sowohl bei den Reisenden als auch bei den Airlines.

Privatreisen als Wachstumstreiber

Zunehmende Reiseerleichterungen und wegfallende Quarantäne-Regelungen sorgen in der Branche für Zuversicht. Als Ferienflieger nutzt Eurowings die Krise, um sich neu zu erfinden. "Wir sind auf einem guten Erholungskurs", so Bischof. Das sei gelungen, weil sich das Unternehmen "grundlegend verändert" habe und auch "die Marke neu aufgestellt" worden sei.

Im Fokus stehen nun stark die Privatreisenden. "Uns war von Anfang an klar, dass der Ferienflug schneller wieder zurückkommen würde als der Bereich der Businesskunden", resümiert er. Daher scheint es nicht weiter verwunderlich, dass als "Topziel des Jahres" Mallorca ausgerufen wird. Die Lufthansa-Tochter fliegt von 24 Flughäfen auf die beliebte deutsche Ferieninsel im Mittelmeer. "Mallorca-Shuttle" nennt das Bischof.

Eurowings wird künftig innerhalb des Lufthansa-Konzerns eine noch wichtigere Rolle als Ferienflieger einnehmen. Die strategische Bedeutung dahinter: Eurowings selbst fliegt jenseits der beiden großen deutschen Drehkreuze Frankfurt und München. Dort wird in Zukunft ein weiterer Lufthansa-Ableger namens "Eurowings Discover" abheben und Ferien- und Fernreisen anbieten. Mehr Touristik, weniger Business, das soll dem Konzern aus der Krise helfen.

Konkurrenz mit Ryanair

"Wir sind nicht billiger als Ryanair, aber wir können es besser", zeigt sich der Eurowings-Chef entschlossen, den Wettstreit mit dem Rivalen aus Irland anzugehen. "5-Euro-Tickets sind ökonomisch wie auch ökologisch verantwortungslos", sagt er. Beim Thema Nachhaltigkeit verweist Bischof auf die geplante Modernisierung von Teilen der Flotte, die künftig spritsparender und leiser mit neuen Airbus A320 unterwegs sein werde.

Rückkehr der Mitarbeiter und Maschinen

Eurowings hat derzeit 45 Flugzeuge im Einsatz. Bis zum Sommer sollen es rund 80 werden. Das heißt dann auch, dass immer mehr Mitarbeitende aus der Kurzarbeit geholt werden können. Bischof erwartet, dass im Laufe des Sommers "jeder Eurowings-Mitarbeiter" wieder gebraucht werde.

Die meisten Jets bei Eurowings kommen aus dem Bestand. Um jedoch vorübergehend Spitzen abzufangen, will Eurowings auch sogenannte Wetlease-Kapazitäten nutzen, das sind Flugzeuge einschließlich Crew, die angemietet werden.

Wann kommt der digitale Impfpass?

Alle warten jetzt auch auf einen digitalen Impfpass, sowohl Reisende wie auch Fluggesellschaften. "Wir hoffen auf mehr Automatisierung." Das würde den Check-in für die Feriengäste erleichtern. Derzeit müssen Testbescheinigung, Impfpass oder Dokumente auf dem Mobiltelefon zeitaufwändig manuell am Flughafen kontrolliert werden. Bei dem aktuellen Reiseaufkommen ist das kein Problem. Doch mit der steigenden Reiselust auf den Sommerurlaub wird auch der Ruf nach einer einheitlichen digitalen Regelung lauter.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Mai 2021 um 08:00 Uhr.