BMW i Vision Circular | BMW

Kosten und Ressourcen sparen Recycling rückt auf IAA in den Fokus

Stand: 06.09.2021 14:45 Uhr

BMW stellt auf der IAA ein zu 100 Prozent aus Altmaterial und nachwachsenden Rohstoffen hergestelltes Auto vor. Auch für Conti soll das Thema künftig eine größere Rolle spielen.  

BMW-Chef Oliver Zipse hat heute auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) ein zu 100 Prozent aus Altmaterial und nachwachsenden Rohstoffen hergestelltes Auto vorgestellt. Es soll in eine konkrete Zukunft weisen, der BMW i Vision Circular sei nicht bloß eine Designstudie, sondern "die Denkweise, mit der wir die Neue Klasse entwickeln", sprich: die elektrische Fahrzeugarchitektur für die Modellgenerationen ab 2025.

Die Karosserie des Kleinwagens besteht aus wiederverwertetem, nicht lackiertem Aluminium und Stahl. "Es kann genauso wieder in den Kreislauf zurückgebracht werden", sagte BMW-Chefdesigner Adrian van Hooydonk.

Auch Nachhaltigkeit spricht für Kreislaufwirtschaft  

BMW teilt mit, dass es bei der Entwicklung nicht nur um Klima und Umwelt, sondern auch um Betriebswirtschaft gehe, schließlich werden Rohstoffe knapper und teurer. "Denn die aktuelle Entwicklung von Rohstoffpreisen zeigt, mit welchen Auswirkungen eine Industrie rechnen muss, die von begrenzten Ressourcen abhängig ist", unterstreicht Zipse. BMW rechnet in diesem Jahr mit Zusatzkosten von mindestens einer halben Milliarde Euro für Rohmaterial.

Mit dem wachsenden Anteil von E-Autos steige der Bedarf an Kobalt, Nickel, Aluminium und anderen Rohstoffen. Neben Verfügbarkeit und steigenden Preisen spreche auch Nachhaltigkeit für eine Kreislaufwirtschaft, so Zipse.

Contis grünes Konzept

Auch der Autozulieferer Continental nutzt die Messe, um sich als ökologisches Unternehmen zu präsentieren. Das Reifenangebot solle in den kommenden Jahren auf schonendere Nutzung natürlicher Ressourcen und mehr Energieeffizienz ausgerichtet werden, kündigte der Autozulieferer vor dem Start der IAA an. Ziel sei es, mittelfristig die weltweite Produktion "vollständig auf den Einsatz nachhaltiger Materialien umzustellen", erklärte der Chef des Geschäfts mit Reifen-Erstausrüstungen für Pkw, David O'Donnell.

Über die gesamte Wertschöpfung sollten nachwachsende sowie recycelte Roh- und Werkstoffe auf "einen besonders hohen Anteil" ausgebaut werden. Viele Reifen könnten zudem dank neuer Leichtbau-Designs und spezieller Laufstreifen effizienter und langlebiger sein. Bis 2030 wolle man hier eine führende Rolle spielen. Ab spätestens 2050 sollten dann nur noch nachhaltig erzeugte Stoffe eingesetzt werden.

Das Recycling von E-Auto-Batterien gilt ebenfalls längst als zukunftsträchtiges Geschäftsmodell. Wertvolle Rohstoffe wie Lithium und Kobalt, die in den Batterien enthalten sind, sollen durch Recycling wiederverwendet werden. Zudem haben E-Auto-Batterien, deren Leistung für eine Verwendung im Fahrzeug nicht mehr ausreichen, noch einen Energieinhalt von 70 bis 80 Prozent. Deshalb können sie im sogenannten Second Life als Stromspeicher für private Haushalte benutzt werden.

Umweltorganisationen wollen klagen

Kritiker werden der Autoindustrie vor, dass das ökonomische Ziel, Jahr für Jahr immer mehr Fahrzeuge zu verkaufen, in deutlichem Widerspruch stehe zur Idee einer nachhaltigen Gestaltung der Wirtschaft und der Rücksichtnahme auf begrenzte Ressourcen. Recycling und der Bau von langlebigen Fahrzeugen böten sich deshalb als Wege an, Klima und Umwelt zu schonen, meinen Experten.  

In der vergangenen Woche hatten die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Greenpeace juristische Schritte gegen die Autokonzerne VW, BMW und Mercedes-Benz sowie den Mineralölproduzenten Wintershall Dea eingeleitet, um sie zu mehr Klimaschutz zu verpflichten.

Die Autokonzerne wollen sich im Falle einer Klage wehren, Wintershall Dea will sich "nach sorgfältiger Prüfung" des Schreibens äußern. "Wir bekennen uns klar zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens und damit zur Dekarbonisierung der Automobilbranche", teilte beispielsweise die Mercedes-Benz AG mit.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. September 2021 um 19:41 Uhr.