Frank Appel | FREDERIC SCHEIDEMANN/EPA-EFE/REX

Wechsel im Vorstand Post-Chef Appel hört 2023 auf

Stand: 08.12.2021 14:54 Uhr

Frank Appel, der älteste amtierende Vorstandschef eines DAX-Konzerns, will seinen Posten 2023 räumen. Nachfolger an der Spitze der Post wird der jetzige Chef des Brief- und Paketgeschäfts, Tobias Meyer.

Nach mehr als 13 Jahren an der Spitze der Deutschen Post leitet Vorstandschef Frank Appel den Stabswechsel ein. Der Vertrag des 60-Jährigen sei nur bis Mai 2023 verlängert worden, teilte der Bonner Konzern nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Hintergrund sei, dass Appel sich entschlossen habe, nicht für eine weitere volle Vertragslaufzeit von fünf Jahren zur Verfügung zu stehen. Appels bisheriger Vertrag läuft noch bis Oktober 2022 und wird damit lediglich um ein halbes Jahr verlängert.

Nachfolger an der Spitze der Post soll dann im Mai 2023 der jetzige Chef des deutschen Brief- und Paketgeschäfts, Tobias Meyer, werden. Er ist seit März 2019 Mitglied des Vorstands.

Internationalisierung vorangetrieben

Der frühere McKinsey-Berater Appel ist seit dem Jahr 2000 bei der Post. 2002 wurde er Mitglied des Vorstands, 2008 rückte er auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Er hat in seiner Zeit als Vorstandschef die Internationalisierung des Konzerns mit rund 570.000 Mitarbeitern vorangetrieben. Trotz der Corona-Krise hatte er die Post zuletzt zu neuen Rekordergebnissen geführt. Zudem hat Appel mit der Strategie 2025 eine milliardenschwere Digitalisierungsoffensive angeschoben. Die Post soll auch grüner werden - bis 2050 strebt der Konzern die Null-Emissionen-Logistik an.

Laut "Handelsblatt" soll sich Appel darum bemühen, im April 2022 zum Aufsichtsratschef der Deutschen Telekom gewählt zu werden. Appels Nachfolger Meyer, wie sein Vorgänger früher Berater bei McKinsey, trat 2013 ins Unternehmen ein. Dort arbeitet er seither als Leiter Konzernentwicklung. Zuvor war er für das operative Geschäft der Pakettochter DHL in Deutschland zuständig.

Kritische Ämterdoppelung

Meyer gilt als Krisenmanager, hatte er doch das schwächelnde Deutschland-Geschäft der Post wieder in die Spur gebracht. Er sei "die ideale Besetzung, um den eingeschlagenen Kurs erfolgreich weiterzuführen", erklärte Post-Aufsichtsratschef Nikolaus von Bomhard. Appel sagte, er habe sich nach reiflicher Überlegung entschieden, sich nicht mehr für eine weitere volle Amtszeit zur Verfügung zu stellen. Mit Meyer übernehme "ein Top-Manager und großartiger Kollege". Er war in Branchenkreisen bereits seit längerem als möglicher Nachfolger Appels gehandelt worden - seine Berufung kommt also nicht überraschend.

Für Unmut sorgt allerdings, dass Appel für zwölf Monate gleichzeitig die Deutsche Post und den Aufsichtsrat der Deutschen Telekom führen wird. Schon im Vorfeld hatten Aktionärsvertreter wegen einer drohenden Überbelastung Appels Proteste angekündigt. "Eine Ämterdopplung sehen wir kritisch. Ein Vorstandsvorsitzender sollte nicht gleichzeitig den Aufsichtsratsvorsitz eines anderen Konzerns übernehmen", hatte Ingo Speich, Leiter des Bereichs Corporate Governance bei der Fondsgesellschaft Deka, erklärt.

Der Bund nimmt bei beiden Bonner Konzernen eine Schlüsselposition ein. Über die staatseigene Förderbank KfW hält er rund 20,5 Prozent an der Post. Bei der Telekom sind es 13,8 Prozent, die direkt beim Bund liegen, 16,6 Prozent bei der KfW.

Über dieses Thema berichtete der B24 Börsenticker am 08. Dezember 2021 um 12:55 Uhr.