Logo des Autoherstellers Porsche | picture alliance / dpa

Sportwagentochter VW will Porsche an die Börse bringen

Stand: 22.02.2022 11:21 Uhr

Worüber schon länger spekuliert wurde, ist nun Gewissheit: Volkswagen bereitet einen Börsengang seiner Sportwagentochter Porsche AG vor. Es könnte eines der größten Börsendebüts der Welt werden.

Der Volkswagen-Konzern will seine Sportwagentochter Porsche AG an die Börse bringen. Man befinde sich darüber in fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem VW-Haupteigner Porsche SE, teilte der Wolfsburger Konzern mit. Es sei bereits über eine Eckpunktevereinbarung verhandelt worden, die die weiteren Schritte vorbereiten solle. Eine abschließende Entscheidung sei allerdings noch nicht getroffen worden. Der Abschluss setze die Zustimmung von Vorstand und Aufsichtsrat beider Firmen voraus. 

Auch sei offen, ob ein möglicher Börsengang überhaupt weiter geprüft wird. Schließlich stehe er auch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Gremien sowie der "allgemeinen Marktentwicklung", hieß es weiter. Auch die Porsche SE bestätigte fortgeschrittene Gespräche und erklärte, die Transaktion könnte auch den Erwerb von Stammaktien der Porsche AG umfassen. Hinweise auf eine bevorstehende Platzierung von Porsche hatten bereits sich in den vergangenen Wochen verdichtet.

IPO könnte einer der größten weltweit werden

Allerdings stand lange die Frage im Raum, ob der in Stuttgart ansässige Großaktionär Porsche Automobil Holding SE mitspielt. Diese ist nicht zu verwechseln mit dem Sportwagenbauer selbst, der unter dem VW-Konzerndach angesiedelt ist. In der Holding bündeln stattdessen die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch ihre Anteile am Konzerngeflecht, die knapp 32 Prozent aller Aktien und gut 53 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen besitzen. Einen großen Einfluss hat auch das Land Niedersachsen, dem 11,8 Prozent der Aktien und 20,0 Prozent der Stimmrechte gehören.

Über einen möglichen Börsengang der VW-Sportwagentochter Porsche, die als besonders renditestark gilt, wird seit Monaten spekuliert. Das Potenzial der wohl bekanntesten Sportwagenmarke der Welt ist riesig, wie auch der Konkurrent Ferrari zeigt. Der italienische Autobauer ist seit 2015 an der New Yorker und Mailänder Börse und konnte den Wert seiner Titel seitdem um mehr als 300 Prozent steigern. Aktuell besitzt Ferrari eine Marktkapitalisierung von knapp 36 Milliarden Euro.

Neben Audi gilt Porsche als größter Gewinnbringer beim Wolfsburger VW-Konzern. Der Gewinn im vergangenen Jahr könnte bei fünf bis sechs Milliarden Euro liegen. Sollte der Börsengang realisiert werden, wäre dies einer der größten weltweit. Investmentbanker gehen von einer Bewertung der Porsche AG zwischen 60 und 80 Milliarden Euro aus. Einigen Analysten zufolge könnte sogar 100 Milliarden Euro oder mehr betragen. Damit würde die Porsche AG fast auf den Wert von VW kommen, der aktuell bei rund 113 Milliarden Euro liegt. Dem Mutterkonzern dürften damit erhebliche finanzielle Mittel zufließen, sollte er die Anteile seiner Sportwagentochter über eine klassisches Erstangebot (IPO) verkaufen.

Aktien ziehen an

Auch deshalb sprangen die Volkswagen-Vorzugsaktien nach der Mitteilung um neun Prozent nach oben. Schon zuletzt hatten die Gerüchte immer wieder für kurze Kursausschläge nach oben gesorgt und der schwächelnden VW-Aktie Rückenwind gegeben. Die Anteile der Porsche SE zogen ebenfalls stark um rund zehn Prozent an. Zeitweise erreichten beide Papiere trotz des schlechten Marktumfelds ein Hoch seit Mitte Januar. Einem Insider zufolge dürfte Volkswagen im Zuge des Börsengangs eine Sonderdividende an die Aktionäre ausschütten.

Unklar bleibt, wofür VW das frische Kapital verwendet. Experten gehen davon aus, dass der Autobauer das eingenommene Geld in die Elektromobilität investieren will. Neben den finanziellen Vorteilen sieht Porsche-Finanzchef Lutz Meschke in der Offenlegung des Marktwerts auch eine bessere Sichtbarkeit von Porsche als in einem Mehr-Marken-Konzern. Darüber hinaus würde der Porsche SE durch den IPO die Möglichkeit eröffnet, Anteile an der Sportwagentochter zu erwerben. An dieser sind die Familien bisher nur indirekt über die Holding beteiligt. Die Eigner-Familien bekämen bei einem Börsengang wieder direkten Zugriff auf die Porsche AG, die nach der Übernahmeschlacht vor zehn Jahren an Volkswagen gegangen war.

Allerdings bleibt abzuwarten, ob der Deal abschließend zustande kommt. Unter anderem hängt dies auch vom Börsenumfeld ab, das sich durch die Ukraine-Krise deutlich verschlechtert hat. Volkswagen teilte in seiner Ad-hoc-Mitteilung an die Anleger mit, ob am Ende eine Eckpunktevereinbarung geschlossen werde, sei genauso offen wie deren Inhalt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Februar 2022 um 11:00 Uhr in den Nahrichten.