Ein elektrischer Porsche Taycan hinter einer Ladesäule | dpa

Sportwagen-Hersteller Was Porsche für die Elektro-Zukunft plant

Stand: 22.06.2021 09:24 Uhr

Neue Technik testet Porsche in der Regel erstmal auf der Rennstrecke - auch eine neue Hightech-Batterie. Weil es auf dem Weltmarkt keine passenden Batterien gibt, produziert Porsche sie künftig selbst.

Von Tim Diekmann, SWR

Wer im neuen Porsche Taycan sitzt, der muss auf den üblichen Sound nicht verzichten. Obwohl der erste vollelektrische Porsche eigentlich nahezu lautlos über die Straße gleiten müsste, klingt er wahlweise nach blubberndem Sportwagen oder - beim Beschleunigen - nach intergalaktischer Rakete. Porsche nennt das "Electric Sport Sound" - denn so ganz ohne Sportwagen-Geräusche will der schwäbische Autobauer sein neuestes Gefährt auch nicht ausliefern. Der Luxus-Sportwagen, den Porsche im vergangenen Jahr weltweit 20.000 Mal verkauft hat, soll aber nur der Anfang einer Elektromobilitäts-Initiative sein.

Tim Diekmann

Hightech-Batterie made in Germany

Schon in zwei Jahren soll jeder dritte Porsche mit einem Elektromotor ausgestattet sein - als Hybrid oder vollelektrisch. Dafür braucht Porsche viele leistungsstarken Batterien. Doch die sind auf dem Weltmarkt schwer zu finden, sagt Porsche-Chef Oliver Blume: "Für unsere Elektro-Sportwagen benötigen wir Hochleistungszellen. Derzeit können wir sie aber nirgends finden. Deshalb entwickeln und bauen wir diese Zellen selbst." Von 2024 an sollen die ersten Batteriezellen vom Band laufen, zunächst für rund 1000 Fahrzeuge im Jahr.

"Im Fokus stehen zunächst Kleinserien für Rennsport und High-Performance-Fahrzeuge. Perspektivisch geht es hier aber nicht nur um Rennwagen", erläutert Blume bei der offiziellen Vorstellung im Porsche-Entwicklungszentrum Weissach. Innovative Technologien würden im ersten Schritt meist nur für einen begrenzten Hightech-Anwendungsfall entwickelt, "doch haben sich die Innovationen dort erst einmal bewährt, setzen sie sich nach und nach auch in der Breite durch. Das muss unser Ziel sein. Bei Porsche nennen wir das Prinzip: vom Motorsport in die Serie."

Reichweiten-Vorbild Tesla

Für die Batteriezellenproduktion arbeiten die Stuttgarter mit dem deutschen Unternehmen Customcells zusammen, einem nach eigenen Angaben weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Entwicklung von Lithium-Ionen-Batteriezellen. Das Joint-Venture firmiert unter dem Namen Cellforce Group.

Dass nach Volkswagen nun auch Porsche auf die Produktion von eigenen Batteriezellen setzt, ist laut dem Automobil-Experten Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach folgerichtig: "Die Batteriezelle macht den größten Wertschöpfungsteil des Autos aus, und in ihr steckt viel Innovationspotenzial. Automobilhersteller, die in diesem Bereich Kompetenzen aufbauen, haben längerfristig einen Wettbewerbsvorteil." Porsche dürfe der Konkurrenz um den US-amerikanischen Elektroautobauer Tesla nicht hinterherlaufen, so Bratzel, sondern müsse als Innovator selbst voran gehen.

Neue Batterie-Technik verspricht viele Vorteile

Die Batterien, wie wir sie heute kennen, müssten nach Ansicht des Leiters für elektrochemische Energietechnologien am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung in Baden-Württemberg (ZSW) Markus Hölzle ihr Potenzial noch ausbauen: "Es kann, muss und wird noch alles verbessert werden. Vor allem aber die Kosten von Batteriezellen müssen weiter reduziert werden. Und auch die Energiedichte muss nach oben, so dass die Batterien kompakter werden." Wichtig sei zudem die Fähigkeit, schnell nachladen zu können. Dafür will Porsche mit so genannten Silizium-Anoden arbeiten, das "bringt gegenüber dem bisher genutzten Kohlenstoff zwei große Vorteile: Die Schnelladefähigkeit wird verbessert und der Energiegehalt erhöht", erläutert Hölzle. Doch jetzt müsse Porsche erstmal zeigen, dass sie das auch hinbekommen.

Doch während Porsche noch die Zukunft plant, baut Konkurrent Tesla bereits in Grünheide nahe Berlin die weltgrößte Batteriezellenfabrik und verspricht mit 100 Gigawattstunden pro Jahr tausendmal so viel Produktionskapazität wie Porsches Tochterunternehmen Cellforce Group.

Klimaneutral bis 2030?

Die Fokussierung auf E-Mobilität und das Herausstellen von Klimazielen sei ein wichtiger Schritt für die Marke, betont Autoexperte Bratzel. "Porsche ist eine Marke, die ja keiner wirklich braucht, aber trotzdem viele aufgrund ihres positiven Images haben möchten. Und ich glaube, dass es gerade für das Porsche-Klientel immer wichtiger wird zu sagen: 'Ich habe einen Sportwagen und bin trotzdem klimafreundlich unterwegs.'"

Klimaschutz ist längst zum Imagefaktor geworden. Das zeigt auch das ambitionierte Ziel des schwäbischen Autobauers, bis 2030 "bilanziell CO2-neutral" zu sein und damit früher als Daimler (geplant 2039) oder Volkswagen (geplant 2050).

Umweltschützer sind skeptisch

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace ist skeptisch, ob Porsche bis 2030 wirklich klimaneutral wirtschafte. "Leider bedeutet 'bilanziell klimaneutral' meistens, dass am Ende großzügig günstige CO2-Gutschriften von Kompensationsprojekten eingekauft werden, anstatt konsequent CO2 zu reduzieren", sagt Benjamin Gehrs von Greenpeace. Mit seinen großen SUVs verbrauche Porsche unnötig viele Ressourcen. Porsche müsse außerdem schneller und konsequenter als bislang aus dem Geschäft mit klimaschädlichen Dieseln und Benzinern aussteigen.

Kommt der Porsche 911er also womöglich schon bald als Elektroauto auf die Straße? Unwahrscheinlich. Denn neben der Batteriezellen-Technik arbeitet Porsche auch an der Entwicklung von synthetischen Kraftstoffen, so genannte eFuels, die mit erneuerbarem Strom hergestellt werden sollen. Künstlicher Sportwagen-Sound, wie beim Taycan, ist dann unnötig. Bei Porsche will man nun erstmal die Forschung auf dem Gebiet der Batteriezellenentwicklung vorantreiben. Bund und Land unterstützen das Vorhaben mit 60 Millionen Euro.

Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell in der Börse am 22. Juni 2021 um 14:15 Uhr.