Ein Bugatti Chiron | dpa

Neuordnung bei VW Bugatti kommt zu Porsche

Stand: 06.07.2021 13:29 Uhr

Der edle Sportwagenhersteller Bugatti verlässt VW und schlüpft unter das Dach von Porsche und des kroatischen Herstellers Rimac. Damit endet die Zwölf-Marken-Strategie des Wolfsburger Konzerns.

Nachdem die Luxusmarke Bentley der VW-Tochter Audi unterstellt wurde, verlässt nun auch der Edelsportwagenhersteller Bugatti den Wolfsburger Konzern. Dazu wird Bugatti von seinem aktuellen Eigentümer Volkswagen in ein Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture) eingebracht, das Porsche mit seinem kroatischen Partner Rimac gegründet hat.

Der 33jährige Unternehmer Mate Rimac, der auch als kroatischer Elon Musk bezeichnet wird, hat schon länger Interesse an den superteuren (2,4 Millionen Euro für einen Neuwagen) und -schnellen Bugatti-Boliden gezeigt und soll künftig 55 Prozent der Anteile an dem neuen Joint Venture halten. Porsche will an dem Unternehmen mit einem Minderheitsanteil von 45 Prozent beteiligt bleiben. Allerdings ist Porsche seit 2018 auch an Rimac beteiligt, hält 24 Prozent der Anteile. Bugatti soll an seinem historischen Stammsitz im elsässischen Molsheim bei Straßburg bleiben, wo das Unternehmen 1909 gegründet wurde.

Bugatti passt nicht mehr zu VW

"Wir sind zum Schluss gekommen, dass die Marke Bugatti nicht mehr wirklich zu einem Volumenhersteller wie Volkswagen passt", erklärt Porsche-Chef Oliver Blume im "Handelsblatt" den Schritt. Gleichzeitig sei es darum gegangen, die Traditionsmarke Bugatti zu erhalten. "Die Marke Bugatti verkörpert Faszination und Leidenschaft, steht für automobile Spitzentechnologie und hat eine weltweite Fangemeinde, so Blume. "Und sie ist profitabel aufgestellt." Daraus sei der Ansatz entstanden, ein Joint Venture mit dem kroatischen Elektropionier Rimac zu gründen.

Zunächst sollen zwei sogenannte Hypercars produziert werden, den Bugatti Chiron mit Verbrennungsmotor und den Elektrosportwagen Rimac Nevera, der demnächst neu auf den Markt kommen soll. Beide Fahrzeuge werden über eine Million Euro kosten. Betriebswirtschaftlich dürfte der Schritt für Volkswagen keine allzu großen Veränderungen bringen. Bugattis Stückzahlen sind sehr gering, 2020 wurden ganze 77 Exemplare ausgeliefert. Über Gewinnspannen und konkrete Finanzdaten schweigt sich die Firma aus.

Mate Rimac | picture alliance / PIXSELL

Der 33jährige Kroate Mate Rimac gilt als genialer Tüftler und wird mit Elon Musk verglichen Bild: picture alliance / PIXSELL

Für Rimac dürfte sich ein Traum erfüllen

Der Abschied hat dennoch eine symbolische Bedeutung. Der frühere VW-Vorstands- und -Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hatte seinerzeit eine immer größere Markensammlung aufgebaut. "Zwölf ist eine gute Zahl" - so kommentierte der vor knapp zwei Jahren gestorbene Patriarch einmal seinen Kaufdrang, als Porsche nach einer Übernahmeschlacht mit den Wolfsburgern 2009 als VW-Marke hinzugekommen war. 2012 gelang der Tochter Audi mit der Übernahme des italienischen Motorradbauers Ducati dann ein weiterer Coup, der das Dutzend tatsächlich vollmachte. Die Marke Bugatti hatte sich Volkswagen 1998 einverleibt.

Für den Unternehmer Rimac dürfte mit der Partnerschaft mit Porsche ein Traum in Erfüllung gehen. Der 1988 in Bosnien geborene Rimac gilt als genialer Tüftler, der schon als Jugendlicher mit Erfindungen wie einem Computertastatur ersetzenden Hightechhandschuh auffiel. Mit 19 entwarf er mit Freunden einen ersten Elektrosportwagen. Der Entwurf überzeugte einen Geldgeber aus Abu Dhabi, so dass der Wagen auch gebaut werden konnte. 2018 stieg Porsche bei Rimac ein. Auch Hyundai ist an der Firma des Kroaten beteiligt. Mit dem Joint Venture unter der Marke Bugatti Rimac folgt nun der nächste Schritt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Juli 2021 um 06:36 Uhr.