Mitglied der Vereinigung Cockpit mit seiner Lufthansa-Pilotenmütze | dpa
Hintergrund

Eurowings und Lufthansa Was Piloten verdienen

Stand: 06.10.2022 09:54 Uhr

Die bestreikte Airline Eurowings gehört zur Lufthansa. Das Personal der Billigmarke wird nach eigenen Tarifverträgen bezahlt. Beschäftigt der Konzern Piloten erster und zweiter Klasse?

Von Ingo Nathusius, hr

Mit den Piloten, die Lufthansa-Uniformen tragen, hat sich der Konzern kürzlich im Grundsatz auf einen teuren Tarifvertrag geeinigt. In kurzer Frist wird es zwei Lohnerhöhungen von je 490 Euro geben. Weil ein Schichtzuschlag dazukommt, summiert sich das auf plus 1140 Euro. Altgediente bekommen nochmal mehr. Die letzten Details werden noch verhandelt. Vorausgegangen war vor vier Wochen ein kurzer Streik. Mit dieser Einigung ist bis Mitte kommenden Jahres Ruhe unter den Lufthansa-Piloten eingekehrt. Nun streiten die Eurowings-Uniformierten im selben Konzern um bessere Arbeitsbedingungen.

Ingo Nathusius

Große Spreizung bei Gehältern

Was verdienen Piloten? Das Statistische Bundesamt hat zuletzt 2018 detaillierte Daten erhoben. Damals verdienten Flugkapitäne im Durchschnitt jährlich 236.000 Euro und Copiloten 135.000 Euro. Durch die Corona-Krisentarifverträge sind diese Spitzenverdienste kurzzeitig gesunken. Kapitäne und Copiloten zusammen verdienten vergangenes Jahr im Schnitt noch etwas mehr als 100.000 Euro. Das sind die amtlich festgestellten Werte für den gesamten deutschen Markt.

Bei Lufthansa gibt es keine Durchschnittslöhne, sondern Spitzengehälter. Wenn nicht gerade Krisentarife gelten, bekommen Berufsanfänger mindestens 80.000 Euro Grundgehalt und obligatorischen Schichtzuschlag, in der höchsten Gehaltklasse gibt es knapp 300.000 Euro. Dazu kommen weitere Zulagen, Abwesenheitsgeld und Überstunden - der sogenannte "Mehrflug" bringt bis zu 180 Prozent des Stundensatzes. Die Pilotenvereinigung Cockpit gibt an, bei der Billigtochter Eurowings werde zwischen 59.000 Euro und maximal 171.000 Euro jährlich gezahlt. Schichtzuschlag gebe es nicht.

Erst zu viele, dann zu wenig Piloten

Zwei Jahre lang standen Piloten mit dem Rücken zur Wand. Corona hatte den Flugverkehr weitgehend lahmgelegt. Die Arbeitsagentur zählte 2021 im Durchschnitt mehr als 500 arbeitslose Piloten. Ein Spitzenwert. Die Gewerkschaften tauschten Kurzarbeit und Gehaltskürzungen gegen Kündigungsschutz. Noch vor Jahresfrist klagte Lufthansa über zu viel Piloten. Bis 240.000 Euro wurden gezahlt, wenn Piloten früher in Rente gingen - zusätzlich zur Versorgung bis zur regulären Rente.

Dieses Jahr läuft der Flugbetrieb wieder hoch. Aus der Gruppe mit ihren Fluglinien Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines oder Eurowings ist nun zu hören, dass für viele weit verbreitete Flugzeugmodelle nicht genügend Piloten da seien. Der Konzern betreibt 17 verschiedenen Flugzeugtypen von vier Herstellern. Für jeden Typ müssen Piloten eigene Zulassungen haben. Die Arbeitsbelastung ist manchmal sehr hoch: Ein Flugkapitän berichtet tagesschau.de von vier Flügen am Stück zwischen Israel, Deutschland und innerhalb Europas. Vierzehn Stunden habe er im Cockpit gesessen.

Der kürzlich verhandelte Lufthansa-Tarif für die Piloten der Konzernmutter bringt für Anfänger 14 Prozent mehr Basisgehalt, für Piloten der höchsten Gehaltsklasse 4 Prozent. Durch die vereinbarten Pauschalbeträge rücken die Gehaltsstufen zusammen. Damit hat die Pilotenvereinigung Cockpit den Versuch der Lufthansa, auch unter ihren teuren Piloten eine zweite, etwas billigere Klasse durchzusetzen, gebremst.

Vor fünf Jahren waren zuletzt neue Tarife für neue Piloten vereinbart worden - unter der Drohung, 40 neue Flugzeuge andernfalls an eine Billigmarke abzugeben. Die bisherige schnelle Steigerung bis zu den Spitzengehältern wurde gebremst. Für Neuzugänge ("B- Scale") gibt es pro Beschäftigungsjahr nur noch 120 Euro Zuschlag, während Altgediente ("A-Scale") jährlich 380 Euro mehr Lohn bekommen.

Droht ein Pilotenmangel?

Die Unternehmensberatung Oliver Wyman sagt eine Pilotenknappheit in wenigen Jahren voraus. Die konzerneigene Beratungsfirma Lufthansa Consulting und die M2P Consulting sind vorsichtiger: Geschäftsreisen könnten nach der Pandemie durch Videoschalten ersetzt werden, und wachsendes Klimabewusstsein führe zu weniger Flugbuchungen.

Lufthansa ist immer noch weit entfernt von früheren Flugzahlen. Wurden vor Corona im ersten Halbjahr 2019 noch 574.000 Flüge angeboten, waren es im ersten Halbjahr 2022 nur 370.000. Damit hat der Konzern im ersten Halbjahr 2022 insgesamt 325 Millionen Euro Verlust eingeflogen - was ein Fortschritt ist, summierte sich das Minus im Vorjahreszeitraum doch auf 1800 Millionen Euro.

Welche Voraussetzungen für den Beruf gelten

Das Lufthansa-Geschäft hängt unmittelbar an der Arbeit der Piloten. Ein kurzer Streik brachte Anfang September den Betrieb zum Erliegen. Die Voraussetzungen für den Pilotenberuf sind begrenzt. Bewerber müssen gut Englisch können, gesund und nicht vorbestraft sein. Tattoos und Piercings werden nicht gern gesehen, das Abitur schon. Naturwissenschaftliche Kenntnisse auf Mittelstufen-Niveau seien nötig, schreibt die Vereinigung Cockpit.

In privaten Flugschulen werden 750 Stunden Theorie und 240 Stunden Praxis unterrichtet. Das ist anstrengend und teuer, kann aber auch nebenberuflich erledigt werden. So gibt es unter den rund 13.000 deutschen Inhabern von Verkehrspilotenlizenzen Ärzte, Steuerberater und anderer Freiberufler, die sich ein exklusives Hobby leisten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. August 2022 um 07:35 Uhr und am 06. Oktober 2022 u.a. um 02:00 Uhr in den Nachrichten.