Carsten Spohr | dpa

Luftflotte im Wandel Pessimismus bei der Lufthansa

Stand: 16.02.2021 12:24 Uhr

Die Krise der Luftfahrt könnte die Branche langfristig verändern. Lufthansa-Chef Spohr erwartet erst in fünf Jahren eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau. Die Flotte der Airline wird deshalb kleiner und verändert sich.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erwartet keine schnelle Erholung des Luftverkehrs. Bislang sei keine Entspannung zu spüren, stattdessen gebe es zusätzliche Reisebeschränkungen, sagte der Manager in einem Online-Gespräch einer Studentenorganisation an der London School of Economics.

In den kommenden Wochen werde es daher sehr schwache Passagierzahlen geben, und auch ab dem Sommer rechne er nur mit 40 bis 60 Prozent des Vorkrisenniveaus. Im Dezember des vergangenen Jahres lag das Passagieraufkommen bei lediglich zehn Prozent verglichen mit 2019.

Ein Katastrophenjahr

Das hat Folgen für Deutschlands größte Airline. Der Luftverkehr könnte aufgrund der Corona-Krise vor Veränderungen stehen, die sich nicht einfach wieder umkehren lassen. Denn die Folgen für die Branche sind immens. Das vergangene Jahr 2020 war aus Sicht des internationalen Luftfahrtverbands IATA "eine Katastrophe": "Es lässt sich nicht anders beschreiben", erklärte IATA-Generaldirektor Alexandre de Juniac. Der weltweite Passagierverkehr ist IATA-Daten zufolge um rund zwei Drittel zurückgegangen, der schärfste Rückgang in der Geschichte der Luftfahrt.

Ob es in diesem Jahr zu einer starken Erholung komme, sei ungewiss. Die Ausbreitung neuer Varianten des Coronavirus könne die Erholung der Branche gefährden, so der Verband.  

Erholung ungewiss

Spohr wagt hingegen schon einen Ausblick auf die kommenden Jahre: In den entwickelten Märkten wie Europa und den USA werde es wahrscheinlich fünf Jahre dauern, bis das Passagierniveau des Rekordjahres 2019 mit sehr viel mehr touristischen Kunden wieder erreicht werden könne. Möglicherweise werde man im Bereich der Geschäftsreisen nie wieder das alte Niveau erreichen und in der Folge die Business-Klasse verkleinern, mutmaßt der Lufthansa-Chef.

Da sich das Arbeiten im Homeoffice weitgehend bewährt hat und viele Unternehmen auf eine deutlich verbesserte Infrastruktur, bezogen etwa auf Videokonferenzen, zurückgreifen können, könnten viele geschäftliche Flugreisen überflüssig werden.

Auf Inlandsflüge könnte Druck noch aus einer anderen Richtung kommen: Die französische Regierung plant beispielsweise ein Verbot von Kurzstreckenflügen aus Gründen des Klimaschutzes. "Die Bundesregierung sollte das als Ansporn begreifen und eine neue Bahnoffensive vorantreiben", hatte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Anton Hofreiter, kürzlich der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zu diesem Thema gesagt.

Die Flotte wird schrumpfen

Einiges spricht also dafür, dass künftig weniger Flugzeuge benötigt werden. Spohr will die Krise auch dazu nutzen, um den staatlich gestützten Lufthansa-Konzern nachhaltiger aufzustellen. Die Flotte werde von rund 800 auf 650 Flugzeuge schrumpfen, kündigte der Vorstandschef an. Die Stellung in den Top-5-Airlines der Welt wolle Lufthansa halten, unterstrich er.

Unterdessen versucht Lufthansa, einen Teil der Flugzeugbestellungen bei Boeing und Airbus auf kleinere Typen umzuschreiben. Die Hersteller schienen mit Blick auf die Aufträge gesprächsbereit, sagte Spohr. Die Lufthansa hat viele Großraumflugzeuge der Typen Airbus A350 sowie Boeing 787 und 777X bestellt. Boeing hat die Auslieferung der ersten 777X jüngst ohnehin auf Ende des Jahres 2023 verschoben.

Die Branche muss ihre Kapazitäten auf Jahre hinaus planen. Die Lieferung der Flugzeuge zieht sich über einen langen Zeitraum. Deshalb deuten diese Bestrebungen darauf hin, wie ernst Spohr die Situation nimmt.

Geimpft oder getestet?

Im Rahmen des verschärften Sparkurses hatte die Lufthansa bereits den Stellenabbau beschleunigt. Rund jede fünfte Stelle ist bis zum Jahresende 2020 gestrichen worden. Im laufenden Jahr sollen weitere 10.000 Stellen abgebaut werden.

Auch zum Thema Impfungen äußerte sich Spohr. Er sprach sich erneut für den stärkeren Einsatz von Corona-Tests vor Flugantritt aus. Es fehle aber weiterhin an behördlichen Vorschriften, während sich Lufthansa auf den Testeinsatz vorbereitet habe. Weltweit werde sich die Auffassung durchsetzen, dass Flugpassagiere entweder geimpft oder getestet sein müssten.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell Hörfunk am 16. Februar 2021 um 11:41 Uhr.