Ein Fuß steht auf dem Pedal eines stationären Trainingsrads der Firma Peloton. | AP

Fitnessgeräte-Hersteller Wer übernimmt Peloton?

Stand: 16.02.2022 12:44 Uhr

2800 Beschäftige mussten gehen und auch der Chef wurde ausgetauscht: Der Fitnessgeräte-Hersteller Peloton profitierte lange von der Pandemie, gilt aber nun als Übernahmekandidat. Mögliche Interessenten: Apple, Amazon und Nike.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Im Herbst 2019 startete Peloton an der Börse - wenige Wochen vor Ausbruch der Pandemie. Mitgründer John Foley ist erst vor wenigen Tagen als Chef der New Yorker Fitness-Firma zurückgetreten. Damals, beim Börsenstart, setzte er auf Expansion vor allem in den USA, Großbritannien und Deutschland. 100 Millionen Dollar investierte Foley allein in neue TV-Studios in London und New York. "Das sind natürlich Ausgaben, die vor den Einnahmen liegen. Wir nennen das Investitionsphase. Wir glauben aber, dass es sich um ein Investieren mit Augenmaß handelt", sagte er damals. Dann kam die Pandemie. Weltweit mussten Fitness-Studios schließen. Peloton profitierte. Der Börsenwert explodierte 2020 und stieg auf mehr als 50 Milliarden Dollar. Fitnessfahrräder, Laufbänder und Zubehör sowie ein Abo-Modell für 39 Euro im Monat  - damit macht das Unternehmen seine Umsätze.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Wiedereröffnung der Fitnessstudios bremste Peloton

Als im vergangenen Jahr die Fitnessstudios in den USA und Europa aber wieder öffneten, weil immer mehr Menschen geimpft waren, bekam das Peloton zu spüren. Das Unternehmen ist nun nicht mehr 50, sondern nur noch acht Milliarden Dollar wert.

Analyst Simeon Siegal von BMO Capital Markets plädiert für eine nüchterne Betrachtung der Firma. "Am Ende des Tages ist Peloton ein fantastisches Unternehmen für eine überschaubare Nische. Es ist größer und es ist schneller gewachsen. Aber es ist eben kein großer Konzern, der in der höchsten Liga spielen kann", sagt er.

Neuen Konzernchef will Kosten senken

Auf 2,5 Millionen Abonnenten kommt das Unternehmen derzeit. Der neue Peloton-Chef Barry McCarthy, der sowohl bei Spotify als auch bei Netflix Finanzchef war, will die Ausgaben um 800 Millionen Dollar drücken.

Nach Ansicht von Jon Fort, Analyst beim Finanz-Sender CNBC, ist die Firma zu einem klassischen Hardware- und Logistik-Alptraum geworden. Das Unternehmen gebe "zu viel für seine Komponenten aus. Es hat zu viele Vertragshersteller und die Lagerhaltung und der Versand sind zu ineffizient. Die Verkäufe gehen zurück, und das Unternehmen hat die Preise gesenkt, um sie wieder anzukurbeln." Genau das sei aber der falsche Weg.

Lange Liste von Übernahme-Interessenten

Das Wort Übernahme macht deshalb die Runde. Einig sind sich Analysten und Investoren, dass vor allem Sportartikel-Hersteller Nike aus Oregon Peloton gut stehen würde. Das Unternehmen ist nicht im Hardware-Geschäft tätig, es könnte seine Kundenbasis erweitern. Aber auch Amazon werden Ambitionen nachgesagt: Die Prime-Mitgliedschaft ließe sich durch einen Zukauf attraktiver machen. Für den iPhone-Hersteller Apple spräche, dass dieser mit seiner smarten Armbanduhr bereits sehr erfolgreich am Fitness-Markt positioniert ist. 

Mittlerweile beginnt sich das Meinungsbild aber wieder zu drehen. Die Sanierung von Peloton könne für erfolgsverwöhnte Unternehmen wie Apple oder Amazon zu einem Klotz am Bein werden, meint Analyst Siegal. "Wollen ein Apple oder ein Amazon oder irgendeines dieser Unternehmen eine Sanierungs- oder Umstrukturierungs-Geschichte? Oder wollen sie eine Wachstumsstory? Letzteres, würde ich sagen", so Siegal. "Mit der Supermarkt-Kette Whole Foods durch Amazon oder mit der Übernahme der Beats-Kopfhörer durch Apple ist das gelungen. Das waren wirklich spannende Unternehmen."

Peloton, so das Plädoyer vieler Marktbeobachter, hätte durchaus das Potenzial, sich zu berappeln. Auch alleine sei es nach wie vor überlebensfähig.