Das Logo der Firma Peloton steht auf einem stationären Trainingsrad. | REUTERS

Fitnessgeräte-Hersteller Corona-Boom ist für Peloton vorbei

Stand: 05.11.2021 09:16 Uhr

Während des Corona-Lockdowns gehörte Peloton zu den großen Krisengewinnern. Jetzt ist Home-Training weitaus weniger gefragt. Der Fitnessgeräte-Hersteller verbucht mittlerweile hohe Verluste und kündigt einen Sparkurs an.

Die Aufhebung vieler Corona-Beschränkungen rund um den Globus beeinträchtigt das Geschäft des US-Fitnessgeräte-Spezialisten Peloton, der bislang zu den größten Gewinnern der Corona-Pandemie gehört hatte. Während Fitness-Studios geschlossen blieben, kauften sich viele Kunden die mehrere tausend Dollar teuren, vernetzten Trainings-Bikes.  

Die monatlichen Abonnements für Trainingsstunden vor dem heimischen Bildschirm erfüllen jetzt nicht mehr die Erwartungen. Auch die Nachfrage nach den teuren Trainingsgeräten geht deutlich schneller zurück, als es das Unternehmen selbst prognostiziert hatte. Der Grund ist offensichtlich: Die Menschen kehren langsam zu ihren Gewohnheiten zurück, wie sie vor dem Ausbruch der Pandemie gepflegt wurden.

Peloton macht Verlust  

Die Folgen schlagen sich massiv in der aktuellen Peloton-Bilanz nieder: Im Ende September abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich zwar um sechs Prozent auf 805,2 Millionen Dollar. Unterm Strich machte Peloton aber einen Verlust von 376 Millionen Dollar - nach schwarzen Zahlen von 69,3 Millionen Dollar ein Jahr zuvor.

Für die Investoren ist der Unternehmensausblick immer ein wesentlicher Faktor, um die Geschäftsaussichten einschätzen und eine Anlageentscheidung treffen zu können. Was Peloton hier zu bieten hat, sieht alles andere als verlockend aus. Denn wenn sich die Bedingungen ändern, ändern sich auch die Erfolgsaussichten. Die Wiedereröffnungen der Fitnessstudios sorgen dafür, dass die Gelder der Kunden nicht mehr bei Peloton landen, sondern wieder in den Studios.

Das Unternehmen strich deshalb seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr drastisch zusammen. Peloton rechnet nun nur noch mit Erlösen zwischen 4,4 Milliarden und 4,8 Milliarden Dollar. Vor drei Monaten war die Firma noch von 5,4 Milliarden ausgegangen.    

Auch die Prognose der Abonnentenzahl senkte Peloton deutlich. Zum Ende des laufenden Geschäftsjahres Mitte 2022 rechnet die Firma nun mit 3,35 bis 3,45 Millionen Abo-Kunden. Vorher hatte die Erwartung bei bis zu 3,63 Millionen gelegen.

Anleger entsetzt

Die Menschen seien nicht mehr zu Hause gefangen und der Wettbewerb steige, lautet die Schlussfolgerung von Simeon Siegel, Branchenbeobachter bei BMO Capital Markets. Es sei klar, "dass wir die Auswirkungen der Geschäftsöffnungen auf unser Unternehmen und die gesamte Wirtschaft unterschätzt haben", sagte Finanzvorstand Jill Woodworth.     

Der Aktienkurs ist oft ein guter Indikator für die Hoffnungen und Gewinnvorstellungen, die der Markt mit dem Unternehmen verbindet: Anleger reagierten im Fall Peloton schockiert. Nachbörslich stürzte das Papier um rund 30 Prozent ab. Seit Jahresbeginn hätte sich der Börsenwert des Unternehmens fast halbiert, sollte sich die Kursreaktion bestätigen.  

  

Aber es ist nicht nur die Aufhebung vieler Corona-Beschränkungen, die Pelotons Krise verschärfen. Auf dem Ergebnis lasten unter anderem auch höhere Logistik-Kosten für Transporte, die derzeit die Kosten vieler Unternehmen nach oben treiben. Chipmangel und unterbrochene Lieferketten wirken sich ebenfalls negativ aus. Zunächst lege das Management nun den Fokus darauf, Kosten einzuzusparen, teilte Woodworth während einer Telefonkonferenz mit.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. November 2021 um 07:35 Uhr.