IOC-Präsident Thomas Bach | picture alliance/dpa/TASS

Sponsoring, TV-Einnahmen, Tickets Milliardengeschäft Olympia

Stand: 04.02.2022 15:27 Uhr

Für Athleten ist Olympia der Höhepunkt ihrer Karriere, für das IOC ein wachsendes Milliardengeschäft. Beim Wettkampf um Aufmerksamkeit dürften viele Sponsoren in Peking aber ein mulmiges Gefühl haben.

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Wenn heute in Peking die Olympischen Winterspiele beginnen und die Athleten vor den Augen von Sportfunktionären und Sponsorenvertretern auf den VIP-Tribünen um Medaillen kämpfen, ist das Geschäft für das Internationale Olympische Komitee (IOC) längst gelaufen. Auch bei den Winterspielen, deren Maßstab nicht an die Größe der Sommerwettkämpfe heranreicht, kann sich das IOC unter der Führung seines Präsidenten Thomas Bach um Einnahmen in Milliardenhöhe freuen - vor allem durch den Verkauf der TV-Rechte und in viel geringerem Maße auch durch Ticketverkäufe.  

Die aktuellen Einnahmen sind noch nicht bekannt, aber es wäre überraschend, wenn die Milliardenmarke nicht erneut locker geknackt würde. Seit den Spielen im japanischen Nagano 1998 bis zum Winter-Olympia im südkoreanischen Pyeongchang 2018 haben sich die Einnahmen von 0,59 Milliarden auf 1,58 Milliarden Dollar praktisch verdreifacht. Erstmals wurde die Milliarde in Vancouver in Kanada 2010 mit 1,53 Milliarden geknackt und im russischen Sotschi 2014 mit 1,49 Milliarden erneut überboten.

Millionen für Athleten - und Sportorganisationen

Hinzu kommen also noch die Gelder, die das IOC durch das Sponsoring von Unternehmen und aus anderen Quellen einnimmt. Im olympischen Zyklus von 2013 bis 2016, der die Spiele in Sotschi und Rio de Janeiro umfasste, habe man insgesamt 5,7 Milliarden Dollar eingenommen, teilt das IOC mit. Was geschah damit? 90 Prozent der Einnahmen durch die Olympische Spiele seien nach IOC-Angaben direkt zurück an den Sport gegangen, rund 60 Prozent zur Unterstützung der Gastgeberstätte der kommenden Spiele.

Das IOC arbeite als Organisation nicht gewinnorientiert, die Einnahmen würden genutzt, um Athleten und Sportorganisationen zu unterstützen - 3,4 Millionen Dollar werden eigenen Angaben zufolge täglich an sie verteilt.

Sponsoren spendieren Milliarden  

Aber wie groß ist der Anteil der Sponsorengelder, der zu den TV- und Ticketeinnahmen addiert werden muss? "Quartz", ein New Yorker Internetportal für Wirtschaftsnachrichten, hat sich mit diesem Teil der Einnahmen bei Olympischen Spielen der vergangenen Jahre befasst und wirft auch einen Blick in die Zukunft.  Den Recherchen zufolge hat das IOC im Zeitraum von 2017 bis 2020 rund zwei Milliarden Dollar durch Sponsoren eingenommen. Von 2021 bis 2024 sollen es bereits drei Milliarden sein.        

Dabei ist Olympia in Peking kein optimales Umfeld für die globalen Konzerne, um ihre Werbebotschaften anzubringen. Die Winterspiele werden wegen der Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Öffentlichkeit kritisch begleitet. Vor allem aber sind chinesische Menschenrechtsverletzungen der Grund, warum Staaten wie die USA, Kanada und Großbritannien Peking politisch boykottieren.

Wie ernst meinen es die Unternehmen?   

Bei den 13 globalen Topsponsoren des IOC, zu denen neben Coca-Cola noch Allianz, Airbnb, Toyota, Alibaba, Omega, Intel, Samsung und Panasonic gehören, herrscht nach Angaben der "Financial Times" (FT) überwiegend Schweigen, wenn sie etwa gebeten werden, die Menschenrechtssituation der Uiguren in China zu kommentieren. Oder sie ziehen allgemein gehaltene, vage Erklärungen vor. So zitiert der US-Nachrichtensender CNN den Schweizer Uhrenhersteller Omega mit der Aussage, man beabsichtige sich darauf zu konzentrieren, dass die jeweiligen sportlichen Resultate mit der äußersten Präzision gemessen würden.

"Wir glauben nicht, dass unser Sponsoring unser globales Engagement für Menschenrechte abwertet", meint Steve Rodgers, Topmanager bei Intel, laut CNN. Wie CNN weiter berichtet, haben sich aber beispielsweise Vertreter des Versicherungskonzerns Allianz mit uigurischen Aktivisten getroffen.    

Menschenrechtler zweifeln jedenfalls an der Ernsthaftigkeit unternehmerischen sozialen Engagements, wenn sich Konzerne zur Situation der Uiguren in China nicht äußern wollen. "Kein Unternehmen kann glaubhaft behaupten, sich ernstlich für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung zu interessieren oder Menschenrechtspolitik zu betreiben, wenn es angesichts der zweitmächtigsten Regierung der Welt, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begeht, schweigt", zitiert die FT Sophie Richardson von Human Rights Watch.

Langlaufende Sponsorenverträge

Allerdings ist zum einen zu berücksichtigen, dass Sport und die Olympischen Spiele längst ein globales Phänomen ist, das praktisch weltweit medial begleitet wird. Nicht überall wird so viel Wert auf Menschenrechte, Nachhaltigkeit und Umweltschutz gelegt wie in der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft.

Außerdem begleiten viele Sponsoren das IOC über lange Jahre. Die kommenden Olympischen Spiele werden 2024 in Paris stattfinden, die nächsten Winterspiele 2026 in Mailand, dann folgen Sommerspiele 2028 in Los Angeles. Die Hoffnungen, dass das Thema Menschenrechtsverletzungen in den Gastgeberländern dann nur eine untergeordnete Rolle spielen dürfte, ist begründet. Und Peking wird längst vergessen sein.