Smartphone mit PayPal- und Pinterest Logo | picture alliance / AA

Zukunftsfeld Onlinehandel PayPal plant Pinterest-Übernahme

Stand: 21.10.2021 11:26 Uhr

PayPal ist Medienberichten zufolge stark an einem Kauf von Pinterest interessiert und soll bereit sein, 45 Milliarden Dollar zu bezahlen. Warum interessiert sich der Bezahldienst für eine Fotoplattform?

Der Internet-Bezahldienst PayPal soll die größte Übernahme der Unternehmensgeschichte planen. Wie unter anderem das "Wall Street Journal" (WSJ) und die Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg berichten, könnte der Kaufpreis bei rund 45 Milliarden Dollar liegen. PayPal habe 70 Dollar je Pinterest-Aktie geboten.

Mit den Vorgängen vertraute Personen werden zitiert, wonach PayPal den Kauf bis Anfang November durchführen wolle. Es sei derzeit aber offen, ob es zu einem Abschluss komme, auch könnten sich die Bedingungen noch ändern, hieß es einschränkend in den Berichten. Von PayPal und Pinterest gab es vorerst keine Stellungnahme.

Gewinner der Pandemie  

Sowohl PayPal als auch Pinterest gelten als Gewinner der Corona-Pandemie. In Zeiten von Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen kauften mehr Menschen online ein und bezahlten häufiger über PayPal. Auf Pinterest waren im Lockdown mehr Nutzer unterwegs, die sich dort unter anderem für Bastel- oder Heimwerkprojekte inspirieren ließen.

PayPal kommt derzeit auch durch den Boom beim Online-Shopping in der Corona-Pandemie auf eine Marktkapitalisierung von 320 Milliarden Dollar, das soziale Netzwerk ist an der Börse aktuell rund 40 Milliarden Dollar wert. Eine Übernahme für 45 Milliarden Dollar würde den Kauf von LinkedIn durch Microsoft in den Schatten stellen. Der Technologieriese zahlte vor fünf Jahren gut 26 Milliarden Dollar für die Kontaktplattform.

Was hat PayPal mit Pinterest vor?

PayPal plant offenbar, den Erfolg des Bezahldienstes und der Finanzdienstleistungen mit dem Thema Shopping zu verbinden. Vorstandschef Dan Schulman hatte unlängst auf einer Investorenkonferenz geäußert, dass sein Unternehmen einen großen Fahrplan rund um das Thema Internet-Shopping verfolge. Er sei sehr begeistert über die ersten Resultate dieser Strategie und darüber, was erreichbar sei. Der Kauf von Pinterest könnte deshalb ein Teil der Strategie sein.

Denn Pinterest begann als Ort, an dem Nutzer Fotos aus dem Netz auf sogenannten Pinboards zu bestimmten Themen speichern können. Inzwischen versteht sich Pinterest zudem als eine visuelle Suchmaschine, in der Software ähnliche Objekte identifizieren kann. Auf Basis dieser Fähigkeit will der Dienst jetzt auch verstärkt eine Rolle im Online-Handel spielen. Dinge, die man auf dem Portal sieht, soll man auch gleich kaufen können, so die Idee - und per PayPal bezahlen.

Investoren sind nicht überzeugt

Mit dem Kauf von Pinterest könnte PayPal auch daraus Profit schlagen, dass immer mehr Internet-Nutzer Waren kaufen, die sie auf Social-Media-Seiten gesehen haben und die von "Influencern" empfohlen wurden. Ein Zusammengehen der beiden Konzerne könnte der Startschuss sein für weitere Zusammenschlüsse von Finanztechnologiefirmen und sozialen Medien.

Das Thema e-Commerce soll längst auch für den Branchenprimus Facebook ein wichtiges Geschäftsfeld werden. Das soziale Netzwerk will ebenfalls mit neuen Shopping-Funktionen vom Riesentrend profitieren und so das Geschäftsfeld Werbung mit der Sparte Einkaufen verbinden. Schließlich hat die Corona-Krise gezeigt, dass im Onlinehandel weiterhin mit gigantischen Wachstumsraten zu rechnen bleibt.         

Den Anlegern scheinen entweder die Pläne nicht einzuleuchten, oder sie halten den Preis für zu hoch: Die PayPal-Aktie reagierte mit deutlichen Abschlägen. Die Titel von Pinterest schossen dagegen nach oben. Allerdings fällt auf, dass sie nur bis etwa 63 Dollar stiegen. Das könnte bedeuten, dass die Skepsis über das Zustandekommen des Geschäfts noch überwiegt.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 22. Oktober 2021 um 14:41 Uhr.