Die Pacaso-Gründer Spencer Rascoff und Austin Allison | via REUTERS

Kalifornische Firma Pacaso Start-up verkauft Ferienhäuser zum Teilen

Stand: 02.10.2021 16:09 Uhr

Das junge Unternehmen Pacaso will luxuriöse Ferienimmobilien erschwinglicher machen - indem es mehrere Käufer zusammenbringt, die Häuser gemeinsam nutzen. Ein Treffen mit dem Mitgründer in Kalifornien.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles, z. Zt. in San Francisco

Mittwoch-Nachmittag im Weinanbaugebiet Napa Valley im Norden Kaliforniens. Wir stehen vor einer modernen Villa, Baujahr 2016, etwas außerhalb der Stadt Napa gelegen - gut eine Autostunde nördlich von San Francisco. Drei Schlafzimmer, Pool und kleines Gästehaus. Das Grundstück ist beeindruckende 120.000 Quadratmeter groß. "Dieses Haus hier ist zwischen sieben und acht Millionen Dollar wert", sagt Austin Allison, Chef und Mitgründer des Start-ups Pacaso. "Wir verkaufen es für unter eine Million Dollar für einen Achtel Anteil. Für jede Immobilie gründen wir ein Unternehmen mit beschränkter Haftung. Und von dieser erwirbt man als Käufer seinen Anteil."

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Firmengründung mit 15

Vor fast genau einem Jahr hat der 28-Jährige Allison Pacaso gemeinsam mit Spencer Rascoff gegründet. Allison ist kein Silicon-Valley-Gewächs. Er kommt ursprünglich aus Ohio. Mit 15 Jahren hat er dort das Software-Unternehmen Dotloop gestartet, das er vor sechs Jahren für umgerechnet 93 Millionen Euro an Zillow verkauft hat. Das ist der größte Online-Immobilien-Marktplatz der USA.

"Unsere Idee ist es, den Besitz von Ferienhäusern erschwinglich zu machen", sagt er. "Immobilien werden so besser ausgelastet, das ist auch gut für die jeweilige Kommune. Damit können sich mehr Leute einen Zweiwohnsitz leisten."

Pacaso schon eine Milliarde Dollar wert

Mittlerweile ist das Team des Start-ups auf über 130 Mitarbeitende angewachsen. In Rekordzeit hat das Unternehmen mehr als 200 Millionen Dollar Risikokapital von Investoren eingesammelt. Es wird mit über eine Milliarde Dollar bewertet.

So schnell von quasi Null auf Hundert zu wachsen, ist auch im Silicon Valley nicht üblich. Von den umstrittenen Timesharing-Modellen, also Ferienwohnrecht, will sich Pacaso dagegen absetzen, sagt sein Chef Austin Allison: "Wir verkaufen Einfamilienhäuser, keine Ferienwohnanlage, die speziell für das Timesharing gemacht sind. Außerdem kauft man bei uns eine Immobilie und nicht Zeit."

Nebenkosten werden aufgeteilt

Die erworbene Ferienimmobilie wird auf maximal acht Käufer aufgeteilt. Via App kann dann jeder Eigentümer 44 Tage pro Jahr das Haus buchen. Nebenkosten wie Wasser, Strom, Gas werden untereinander aufgeteilt, das Start-up aus San Francisco managt die Immobilie und erhält dafür von jedem der Besitzer knapp 100 Euro pro Monat.

"Wir bringen die einzelnen Parteien zusammen, ohne dass man sich je begegnet", sagt Allison. "Wir kümmern uns um alle Details. Wir möblieren das Haus und wir bezahlen alle Rechnungen. Das ist ungefähr so, als ob eine Gruppe von Freunden gemeinsam eine Immobilie besitzt."

Expansionspläne auch für Europa

Wem das Konzept nicht gefällt, der kann nach einem Jahr aus dem Vertrag aussteigen und seinen Anteil verkaufen. Ob das so ohne weiteres klappt und ob es dafür einen Markt gibt, ist noch unklar: Das Unternehmen existiert erst seit einem Jahr. 

Allison und sein Team wollen in den kommenden Monaten nicht nur in den USA expandieren, wo das Unternehmen in 25 Ferienregionen Dependancen eröffnet hat. "Wir haben herausgefunden, dass unsere Kunden besonders am spanischen Immobilienmarkt interessiert sind", sagt der Mitgründer. "Hier können wir besonders gut sowohl weltweite Käufer, als auch Käufer aus Europa finden."

Pacaso-Chef Allison schwebt ein Ziel vor: Er möchte sein Start-Up an die Börse bringen. Vorher, so betont er, ist er aber erst mal kräftiges Wachstum angesagt.