Verschreibungspflichtige Oxycodontabletten/USA | AP

US-Pharmaindustrie Milliardenvergleich in Opioid-Krise

Stand: 22.07.2021 09:31 Uhr

Im Rechtsstreit um süchtig machende Schmerzmittel haben Johnson & Johnson und drei weitere Pharmakonzerne einem milliardenschweren Vergleich zugestimmt. Hunderttausende waren an Überdosen gestorben.

Im seit Jahren andauernden Rechtsstreit um süchtig machende Schmerzmittel haben vier große US-Pharmakonzerne einen milliardenschweren Vergleich mit zahlreichen Klägern akzeptiert.

Die Arzneimittelgroßhändler McKesson, AmerisourceBergen und Cardinal Health sowie der Medikamentenhersteller Johnson & Johnson (J&J) könnten dabei letztlich bis zu 26 Milliarden Dollar zahlen, wie New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James und Generalstaatsanwälte aus etlichen anderen US-Bundesstaaten verkündeten.

Hunderttausende Tote in den USA

Die vier Konzerne waren beschuldigt worden, mit Schmerzmitteln zur grassierenden Medikamentenabhängigkeit in den USA beigetragen und Schmerzmittel unter Verschleierung der Suchtgefahren mit rücksichtslosen und aggressiven Methoden vermarktet zu haben. Die Großhändler hätten auch zu wenig getan, um eine massenhafte Verbreitung der Schmerzmittel über illegale Kanäle zu verhindern. Bundesstaaten und örtliche Behörden fordern deshalb von Unternehmen der Pharmaindustrie viele Milliarden von Dollar zurück, die sie für den Kampf gegen Opiat-Abhängigkeit und Überdosierung ausgegeben haben.

Im Zuge der Opioid-Krise sind in den USA zwischen 1999 und 2019 etwa 500.000 Menschen durch Überdosen von verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln und illegalen Drogen ums Leben gekommen. "Die zahlreichen Unternehmen, die Opioide hergestellt und in der ganzen Nation verteilt haben, taten dies ohne Rücksicht auf Leben oder sogar auf die nationale Krise, die sie mitbefeuert haben", erklärte James.

Zuvor hatten bereits einige andere Firmen einzelne Vergleiche erzielt. Im Mittelpunkt des Konflikts stand zunächst der Hersteller des Schmerzmittels Oxycontin, Purdue Pharma, der mittlerweile in einem Insolvenzverfahren steckt.

Keine Strafverfolgung mehr?

Die Pharmahändler sollen für die Zahlung 18 Jahre Zeit erhalten, J&J neun Jahre. Mit dem Geld sollen unter anderem Hilfsprogramme finanziert werden. Allerdings handelt es sich bislang nur um einen Entwurf, den viele US-Bundesstaaten, Städte und Landkreise erst noch endgültig verabschieden müssen. Mindestens 44 Bundesstaaten müssen der Einigung zustimmen.

Insgesamt sollen durch den großen Vergleich, über den seit über zwei Jahren verhandelt wurde, fast 4000 Klagen und diverse Verfahren auf einen Schlag beigelegt werden. McKesson, AmerisourceBergen, Cardinal Health und Johnson & Johnson würden durch den Kompromiss weiterer Strafverfolgung entgehen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. Juli 2021 um 06:04 Uhr.