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Hintergrund

Omikron-Variante Wie Impfstoff-Hersteller nun reagieren

Stand: 30.11.2021 18:16 Uhr

Noch wissen Forscher wenig über die neue Omikron-Variante. Trotzdem haben die Entwickler der Corona-Impfstoffe schon damit begonnen, ihre Vakzine an das veränderte Virus anzupassen. Wie schnell könnten sie liefern?

Der israelische Experte Ran Balicer hält Einschätzungen zur Gefährlichkeit der neuen Omikron-Variante des Coronavirus für verfrüht. Er habe bereits vor einigen Tagen geschrieben, "dass die kommenden zwei Wochen voll mit Meinungen, persönlichen Eindrücken, unvollständigen und zweideutigen Daten" sein werden, sagte Balicer, Vorsitzender des Expertenbeirats der israelischen Regierung, in einem Gespräch mit Journalisten. "Einige werden sagen, dass es ein ernstes Problem ist, schlimmer als erwartet, andere werden uns genau in die andere Richtung führen", sagte Balicer. In der Zwischenzeit sei es wichtig, Kurs zu halten, bis wirklich wissenschaftlich verlässliche Daten vorliegen.

"Wir müssen geduldig sein"

"Es ist in den ersten Wochen nach Auftauchen einer neuen Variante normal, dass alles noch nebulös ist, dass man noch keine sicheren Aussagen treffen kann", sagte Balicer. "Wir müssen wirklich geduldig sein."

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die neue Variante wegen der großen Zahl an Mutationen als "besorgniserregend" eingestuft. Dennoch warnte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus vor einer Überreaktion auf die neuartige Omikron-Variante. "Ich verstehe die Sorgen aller Länder gut, die ihre Bürger gegen eine Variante schützen wollen, die wir noch nicht vollständig verstehen", sagt er. "Aber gleichermaßen bin ich über die stumpfen Pauschalmaßnahmen mancher Staaten besorgt, die nicht auf Beweislagen beruhen oder für sich genommen effektiv sind, und Ungleichheiten nur verschlimmern werden."

Moderna-Chef vermutet geringeren Schutz

Stephane Bancel, Chef des Impfstoffherstellers Moderna, geht von einer geringeren Wirksamkeit der gegenwärtigen Covid-19-Vakzine gegen die neue Omikron-Variante aus. Der Schutz dürfte nicht auf demselben Niveau wie bei der hochansteckenden Delta-Variante liegen, sagte Bancel der "Financial Times". Ähnlich äußerte sich Regeneron Pharmaceuticals: Die US-Pharmafirma, die einen Medikamentencocktail gegen Covid entwickelt hat, warnte davor, dass auch ihre Antikörper-Therapie sowie vergleichbare Mittel weniger wirksam gegen die Omikron-Variante sein könnten.

Moderna hat unterdessen mit der Entwicklung eines überarbeiteten Impfstoffs begonnen. Allerdings werde dies einige Monate dauern. Im Laufe des kommenden Jahres könne Moderna dann zwei bis drei Milliarden Dosen eines solchen Mittels herstellen, so Firmenchef Bancel. Zugleich warnte es davor, die gesamte Produktion auf die Omikron-Variante auszurichten, während auch noch andere Coronavirus-Varianten zirkulieren.

BioNTech will keine Zeit verlieren

Auch BioNTech-Chef Ugur Sahin sagt der Agentur Reuters, der Schutz gegen die neue Covid-Variante werde in gewissem Maß reduziert sein, "aber wie stark, müssen wir sehen". Sahin geht davon aus, dass der Impfstoff von BioNtech Schutz vor einem schweren Infektionsverlauf bietet. In etwa zwei Wochen werde man mehr Klarheit über die Wirksamkeit des bestehenden Impfstoffs gegen die Omikron-Variante haben.

Zugleich gibt es aus seiner Sicht keinen Grund, besonders beunruhigt zu sein, so Sahin. "Das Einzige was mich momentan beunruhigt ist, dass es noch ungeimpfte Menschen gibt", so der BioNTech-Chef. Auch sein Unternehmen hat bereits mit der Entwicklung eines angepassten Impfstoffs gegen die Omikron-Variante begonnen. Eine Sprecherin teilte mit, dies geschehe vorbeugend, um keine Zeit zu verlieren. Erste Chargen von 25 bis 50 Millionen Dosen des veränderten Vakzins könnten innerhalb von 100 Tagen ausgeliefert werden.

Der Entwickler des in der EU bislang nicht zugelassenen russischen Impfstoffs Sputnik V hat ebenfalls angekündigt, seine Impfstoffe zu überprüfen und gegebenenfalls ein an die Omikron-Variante angepasstes Vakzin zu entwickeln. Zudem gibt es Hoffnungen auf neue Covid-Medikamente: Am Nachmittag schossen die Aktien des US-Biotechunternehmens First Wave Biopharma um rund ein Drittel in die Höhe, nachdem die Firma bei einer Studie zur Entwicklung eines Medikaments zur Behandlung von Covid-19 Fortschritte erzielt hat. In Deutschland arbeitet auch die Tübinger Firma Curevac weiter an der Entwicklung eines neuen Covid-Impfstoffes.

Tests von Roche erkennen auch Omikron

Die Universität Oxford, Partner des Moderna-Rivalen AstraZeneca, sieht dagegen keine Hinweise auf einen mangelnden Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bei Omikron. Sollte es aber notwendig sein, könnte rasch eine neue Version des Impfstoff entwickelt werden.

Mehrere Tests des Schweizer Pharma- und Diagnostikkonzerns Roche erkennen nach Unternehmensangaben eine von der neuen Virus-Variante Omikron ausgelöste Covid-19-Infektion zuverlässig. Das hätten erste Analysen von verschiedenen PCR-, Antikörper- und Antigen-Tests bestätigt, wie Roche heute erklärte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 29. November 2021 um 17:05 Uhr.