Covid19-Impfstoff von biontech/Pfizer | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Pharmaindustrie Überangebot an Corona-Impfdosen

Stand: 14.04.2022 08:28 Uhr

Das Angebot an Corona-Impfdosen übersteigt die Nachfrage laut der Pharmaindustrie bei Weitem. Unterdessen hofft Pfizer-Chef Albert Bourla auf einen Multivarianten-Impfstoff bis Herbst.

Bei Corona-Impfdosen herrscht nach Angaben des internationalen Pharmaverbandes IFPMA mittlerweile ein regelrechtes Überangebot: "Das Impfstoff-Angebot übersteigt zurzeit die Nachfrage", sagte IFPMA-Generaldirektor Thomas Cueni in Genf. Es seien seit Beginn der Produktion gegen Ende 2020 rund 13,7 Milliarden Impfdosen hergestellt - aber nur rund elf Milliarden verabreicht worden.

Insgesamt könnten in diesem Jahr knapp acht Milliarden Impfdosen hergestellt werden, sagte Cueni. Und doch würden nicht alle Menschen, die es brauchten, geimpft. Dem Vertreter der Pharmaindustrie zufolge liege das allerdings nicht am Impfdosenmangel, der noch bis Spätsommer 2021 vorherrschte, sondern an den Impfprogrammen mancher Länder. Diese seien nicht im vollen Umfang angelaufen, so Cueni. Das müsse bei möglichen neuen Pandemien besser organisiert werden.

Multivarianten-Impfstoff von Pfizer/BioNTech bis Herbst?

Unterdessen hofft Pfizer-Chef Albert Bourla, bis Herbst einen neuen Corona-Impfstoff zu haben, der gegen alle Virusvarianten gleich gut wirkt. "Es ist einfach, etwas nur gegen Omikron zu tun", erklärte Bourla auf der Veranstaltung des Pharmaverbands IFPMA.

Wissenschaftlich und technisch anspruchsvoller sei es, einen effektiven Impfstoff gegen alle bisher bekannten Varianten zu entwickeln. Pfizer hatte zusammen mit der Mainzer Firma BioNTech den weltweit ersten Corona-Impfstoff im Dezember 2020 auf den Markt gebracht.

Impfschutz für ein Jahr angepeilt

Was die Welt nun aber "wirklich braucht", so Bourla, sei ein Impfstoff, der wie bei der Grippe ein Jahr lang vor schweren Krankheitsverläufen und einer Infektion schütze. Die Menschen würden nämlich mit weiteren Auffrischungsimpfungen zunehmend impfmüde.

"Daran arbeiten wir", betonte Bourla. Technisch sei die Entwicklung eines solch effektiven Impfstoffes aber sehr herausfordernd, was wiederum an der Natur des Virus liege.

Impfstofflager in der Artland-Kaserne im Landkreis Osnabrück | picture alliance/dpa

Von der Artland-Kaserne im Landkreis Osnabrück aus werden seit dem vergangenen Jahr die Corona-Impfdosen in Deutschland verteilt. Bild: picture alliance/dpa

Warum Patente auch wichtig sind

Bourla und die Chefs der Pharmafirmen Roche-Pharmaceuticals, Bill Anderson, und Eli Lilly, David A. Ricks, kritisierten auf der Veranstaltung der Pharmaverbandes IFPMA zudem die anhaltenden Forderungen, Patente auf Covid-19-Impfstoffe oder -Medikamente auszusetzen.

Zahlreiche Entwicklungsorganisationen fordern vehement, die Patente für Corona-Impfstoffe und -Medikamente aufzuheben, um die Versorgung der Menschen in armen Ländern zu verbessern. Die Pharmafirmenchefs halten dagegen: Nur durch den Patentschutz seien über Jahre die Investitionen möglich gewesen, die dann zu der schnellen Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten geführt hätten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. April 2022 um 10:11 Uhr.