Zwei Rettungswagen stehen an der Notaufnahme einer Klinik in Hannover | picture alliance/dpa

Kritische Infrastruktur Wenige Probleme durch Omikron-Welle

Stand: 16.02.2022 11:24 Uhr

Wegen der Omikron-Welle wurden viele Personalausfälle in der kritischen Infrastruktur und in Betrieben befürchtet. Doch laut Angaben von Behörden und Firmen ist die Lage bisher vielerorts entspannt - auch dank der Schutzkonzepte.

Von Jens Eberl, WDR

Wer in Nordrhein-Westfalen aktuell die Polizei oder die Feuerwehr rufen muss, kann davon ausgehen, dass die Helfer so schnell kommen wie immer. Das bestätigt das Innenministerium in Düsseldorf auf Anfrage. "Es gibt aktuell keine Hinweise darauf, dass die Einsatzfähigkeit der Behörden aufgrund von Corona beeinträchtigt sein könnte. Sollte es zu größeren Personalausfällen durch Omikron kommen, können die Einsatzkräfte jederzeit regional verschoben werden", so der für Polizeiangelegenheiten zuständige Sprecher im Ministerium, Markus Niesczery.

Jens Eberl

Die Lage werde genau beobachtet. Im Ernstfall könne man auch zusätzliche Kräfte durch die Bereitschaftspolizei anfordern oder Dienstzeiten verlängern. Aktuell arbeiten Polizistinnen und Polizisten möglichst in festen Teams, um eine Durchmischung des Personals zu vermeiden. Ähnlich ist es laut NRW-Innenministerium auch bei der Feuerwehr. Auch hier habe man feste Gruppen gebildet, die keinen gegenseitigen Kontakt haben, um Infektionen auszuschließen.

Starke Belastung für Rettungskräfte des Roten Kreuzes

Das Deutsche Rote Kreuz schätzt die Lage bundesweit nicht so positiv ein. Es sieht in der andauernden Pandemie eine starke Belastung für die Rettungskräfte. Trotz einer Impfquote von mehr als 95 Prozent steige die Zahl der Infektionen unter den Einsatzkräften, es gebe viele Personalausfälle. Die Zahl der Infektionstransporte durch den Rettungsdienst sei in den vergangenen Monaten um ein Vielfaches gestiegen. "Notwendige Hygiene- und Schutzmaßnahmen erfordern mehr Zeit und Anstrengungen. Dazu gehören das Tragen spezieller Schutzausrüstung und das Arbeiten mit FFP2-Maske, aber auch die Reinigung und die Desinfektion des gesamten Rettungswagens nach jedem Einsatz; letzteres ist zeitintensiv und dauert jeweils bis zu einer Stunde", berichtet DRK-Sprecherin Christina Wandel-Sucker.

Ein weiteres Problem: Durch die Pandemie sei ein zusätzlicher Mangel an freien Betten entstanden. In der Folge seien die Wege zur Notaufnahme weiter, die Einsätze dauerten deutlich länger.

Auch beim DRK wurden feste Teams gebildet, die möglichst in unterschiedlichen Räumen untergebracht werden, berichtet die Sprecherin: "Schichtwechsel finden teilweise außerhalb der Wachen statt, sodass es zwischen einzelnen Schichten keinen Kontakt mehr gibt." Teilweise seien auch zusätzliche Räumlichkeiten angemietet worden.

Der Deutsche Berufsverband Rettungsdienst spricht aber insgesamt noch von einer entspannten Lage. Der Verband hat ausgerechnet, dass es zu einem deutlichen Mehrverbrauch an speziellen Schutzmaterialien komme. "Diese sind meistens nicht refinanziert, zudem kommt es in den Kliniken aufgrund von Infektionsschutzmaßnahmen deutlich häufiger zu Übergabeverzögerungen. Dadurch stehen Rettungsmittel nach einem Einsatz häufiger erst verzögert zur Verfügung", so der Vorsitzende des Verbands Marco König.

Getrennte Schichten, geschlossene Kantinen

Auch Betriebe scheinen einigermaßen gut durch die Omikron-Welle zu kommen. Beim Wohnungsunternehmen Vonovia sei man noch in der Lage, den Krankenstand durch veränderte Kapazitätsplanungen abzufedern, heißt es dort. Und auch beim Chemiekonzern BASF gibt es nach eigenen Angaben keine größeren Probleme. Produktionsschichten würden strikt getrennt, und Reservepersonal werde in den Schichten vorgehalten. Die Kantinen seien geschlossen, Präsenz-Meetings würden auf drei Personen beschränkt. "Trotz dieser Schutzmaßnahmen wissen wir aber nicht, wie die nächsten Wochen genau verlaufen werden. Denn die Pandemiesituation ist weiterhin dynamisch und fordert von uns ein sehr umsichtiges Agieren", so Uwe Liebelt, Werksleiter bei BASF.

Die Telekom berichtet von leichten Verzögerungen bei der Bereitstellung von Neuanschlüssen, da es zu Ausfällen bei beauftragten Tiefbauunternehmen kommen könne, oder sich Genehmigungen der zuständigen Behörden verzögern könnten. Die Stabilität der Netze sei aber nicht eingeschränkt.

Deutlich steigende Fallzahlen

BMW beobachtet einen deutlichen Anstieg der Corona-Fallzahlen an allen Standorten. Es seien aber derzeit keine Ausfälle zu registrieren, die einen regulären Geschäftsbetrieb gefährden würden. Das Schutzkonzept sei weiter angepasst worden. "Die Anwesenheit im Betrieb ist auf das notwendige Minimum zu beschränken. Wir empfehlen auch Geimpften und Genesenen weiterhin dringend, zum Schutz der gesamten Belegschaft regelmäßig Selbsttests durchzuführen. Physische Zusammenkünfte sind möglichst zu vermeiden", so eine Unternehmenssprecherin.

Auch Volkswagen meldet einen Anstieg der Corona-Fälle. "Die damit verbundenen Fehlzeiten können wir aktuell noch abfedern, sodass es nur sehr vereinzelt zu Auswirkungen auf Teilbereiche der Produktion kommt. So wird beispielsweise aufgrund erhöhter Inzidenzen an insgesamt vier Tagen im Februar im Stammwerk Wolfsburg an zwei Montagelinien jeweils eine Schicht entfallen", so Sprecherin Alexandra Bakir.

Behörden und Betriebe haben sich also auf die Omikron-Welle im Rahmen der derzeit geltenden Vorgaben des Bundes und der Länder eingestellt. Aktuell scheint dies für eine vergleichsweise entspannte Lage zu sorgen. Prognosen zu den Folgen möglicher Öffnungsschritte durch die Bundesländer sind derzeit allerdings schwierig.