Ölbohrstelle im US-Bundesstaat Texas bei untergehender Sonne | REUTERS

Branche definiert sich neu Ölkonzerne versuchen die Öko-Wende

Stand: 02.02.2021 16:24 Uhr

Den einst hochprofitablen Ölfirmen macht der Einbruch der Ölpreise schwer zu schaffen. Zugleich drängen Politik und Investoren zu einer "grünen" Neuausrichtung. Innerhalb der Konzerne wird um den künftigen Weg teils heftig gerungen.

BP, Shell, ExxonMobil oder Chevron stehen wohl vor dem größten Wandel in der Geschichte der Öl- und Gasbranche. Auf politischer Ebene sind die Unternehmen mit den Klimazielen der Weltgemeinschaft konfrontiert, so etwa dem "Green Deal" der Europäischen Union. Oder mit dem gigantischen Investitionsvorhaben der Regierung des neuen US-Präsidenten Joe Biden. Fast zwei Billionen Dollar will er in Infrastrukturprojekte mit Klimabezug stecken und damit Millionen von Jobs in den USA schaffen.

Aber auch von Seiten der Investoren geraten die einst so gewinnträchtigen Geschäftsmodelle unter Druck. Immer mehr Investoren verbannen die Ölaktien aus ihren Depots, etwa große Anleger wie Versicherungen und Pensionsfonds, die mehr und mehr auf "nachhaltige" Investments Wert legen. Die EU-Taxonomie, ein Regelwerk der Union zur Beurteilung von Wirtschaftstätigkeiten, bringt zusätzlichen Veränderungsdruck.

Die Ölmilliarden sprudeln nicht mehr

Zugleich sorgt die Corona-Krise dafür, dass die Konzerne den Wandel zu erneuerbaren Energien in einer massiven Nachfrage-Krise meistern müssen. Laut der US-Energiebehörde EIA wird die Nachfrage nach Ölprodukten erst 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreichen. 2020 war sie von gut 100 auf 92 Millionen Barrel am Tag gefallen. 2021 werden 97 Millionen Barrel am Tag ausreichen, um den Bedarf zu decken. Entsprechend dürften die Preise für Öl und damit die Gewinne der Konzerne weiter tendenziell belastet bleiben.

Doch die Förderung und der Verkauf fossiler Brennstoffe bleiben wohl noch lange ein notwendiger Teil des Gewinnmixes der Ölfirmen. Gewinnmargen von deutlich mehr als zehn Prozent auf die Investitionskosten, wie sie im Ölsektor noch immer üblich sind, können laut Experten beim Geschäft mit erneuerbaren Energien nicht so schnell erreicht werden. Die Milliarden aus dem traditionellen geschäftlichen Standbein werden die Unternehmen daher brauchen, um die Neuausrichtung voranzubringen.

Batteriehersteller und Ladesäulen-Spezialisten

Den Wandel weg von den reinen fossilen Geschäftsmodellen haben viele der Öl- und Gasgiganten bereits vor Jahren begonnen. Shell etwa investierte in den vergangenen Jahren massiv in Offshore-Windparks und verkauft in Deutschland bereits seit 2015 Ökostrom an Endkunden. Shell Energy, die Konzernsparte, die die neuen Aktivitäten enthält, hat aber auch durch Übernahmen den Bereich erneuerbare Energien ausgebaut. So wurden etwa der Solarbatteriehersteller Sonnen und der Anbieter von Ladesäulen-Infrastruktur New Motion gekauft.

Bei Shell hatte die Diskussion um eine neue Ausrichtung des Unternehmens sogar intern für ein Zerwürfnis gesorgt. Eine Reihe von Managern, besonders aus dem Bereich "New Energy", kündigte im Dezember an, den Konzern verlassen zu wollen. Die Unternehmensführung sperre sich gegen "radikalere" Umbaumaßnahmen, zitierte die "Financial Times" einen Insider. Shell-Vorstandschef Ben van Beurden hatte zuvor erklärt, es sei "ein schlimmer Fehler", zu früh aus dem Öl- und Gasgeschäft auszusteigen. Shell will am 11. Februar weitere Details zu seinen Umbauplänen bekanntgeben.

Grüner Wasserstoff ab 2024

Auch die europäische Konkurrenz hat sich die Neuausrichtung auf die Fahnen geschrieben. Die britische BP etwa verpflichtete sich bereits selbst dazu, mehr Produkte mit geringerer Kohlenstoff-Intensität zu verkaufen. Mehr Strom will man etwa aus erneuerbaren Energien wie Biokraftstoffen und Wasserstoff herstellen.

Dazu soll etwa zusammen mit dem dänischen Energieerzeuger Örsted eine Elektrolyseanlage zur Erzeugung von "grünem" Wasserstoff aufgebaut werden, die 2024 in Betrieb gehen soll. Die Förderung von Öl und Gas will BP in den kommenden zehn Jahren um 40 Prozent reduzieren. Der Netto-CO2-Ausstoß des Konzerns soll bis 2050 auf null sinken.

Der französische Total-Konzern will sich zu einem Energieriesen wandeln und dabei seine Stromproduktion bis 2030 zur Hälfte mit Flüssiggas erzeugen. Der Absatz von Ölprodukten soll bis zum Ende des Jahrzehnts um ein Drittel sinken.

Wandel unter hohen Belastungen

Dass ein so tiefgreifender langfristiger Wandel mitten in der Krise noch gewaltige Belastungen mit sich bringen wird, zeigen die aktuellen Geschäftszahlen der Branchenvertreter zum vergangenen Jahr. BP etwa legte heute seine Geschäftszahlen für 2020 vor: Der Energiekonzern fuhr demnach im vergangenen Jahr einen Verlust von 20,3 Milliarden Dollar ein. Der Gewinn, den die Briten im letzten Quartal des Jahres verbuchen konnten, resultierte vor allem aus dem Verkauf des Petrochemiegeschäfts an den Konkurrenten Ineos.

Der Jahresumsatz des Konzerns lag 2020 bei gut 180 Milliarden Dollar, das war ein Einbruch um 35 Prozent. 2020 sei für BP ein "entscheidendes Jahr" gewesen, teilte der Energieriese weiter mit. Die Umstrukturierung, die bei BP inzwischen fast 10.000 Jobs gekostet hat, läuft weiter.

Über dieses Thema berichtete BR in der Sendung "Gut zu Wissen" am 14. November 2020 um 19:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Werneranerin 02.02.2021 • 20:41 Uhr

um 19:11 von Be der Rodriguez

> Grün ist da nur ein Nebeneffekt. Irgendwie müssen die zusehen, was sie demnächst ohne Abnehmer verkaufen wollen. Kraftstoff und Heizöl wird demnächst verboten und nur noch für extrem seltene Oldtimer erlaubt sein. < - Bis es soweit ist, wird noch viel Zeit vergehen. Wir werden da hineinwachsen Doch die Überlegungen und die Projekte der Ölkonzerne finde ich gut. Die werden zwar wieder viele Arbeitsplätze kosten, aber Menschen können umschulen und in neuen Systemen arbeiten. Andersherum müssen auch wir, Menschen, umdenken. Wieviel Energie wird verbraucht durch bargeldlose Zahlungen, durch Computerspiele z.B. , mehrere Fernseher und Computer, Kühlschränke und Gefrierschränke und, und in einem Haushalt!