Ein Arbeiter vor der Nord Stream 2 Pipeline | REUTERS

Umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 ist fertiggestellt

Stand: 10.09.2021 13:27 Uhr

Drei Jahre lang wurde gebaut, nun ist das umstrittene Bauwerk fertig: Russland hat die Ostseepipeline Nord Stream 2 nach Deutschland komplett verlegt. Das erste Gas soll im Oktober fließen. Der Streit um das Bauwerk dürfte aber weitergehen.

Die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 ist nach Angaben des russischen Gaskonzerns Gazprom fertiggestellt. Am Freitagmorgen um 8.45 Uhr Moskauer Zeit (7.45 Uhr MESZ) sei der Bau von Nord Stream 2 abgeschlossen worden, teilte Gazprom-Chef Alexej Miller der Staatsagentur Tass zufolge mit. Am 6. September sei das letzte Rohr verlegt worden. Danach hätten noch einzelne Abschnitte der Leitung miteinander verbunden werden müssen; diese Arbeiten seien nun abgeschlossen, hieß es. Für Nord Stream 2 ist das mit mehr als anderthalbjähriger Verzögerung ein Durchbruch. Die Pipeline soll Gas von der Narwa-Bucht in Russland bis Lubmin in der Nähe von Greifswald transportieren.

Arbeiter winken, nachdem sie das letzte Rohr der beiden Stränge der Nord Stream 2-Pipeline verschweissŸt haben. | dpa

Das letzte Rohr ist verlegt: Die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 ist fertiggestellt. Bild: dpa

Erstes Gas nach Deutschland im Oktober?

Für den Betrieb der Leitung braucht es aber noch eine Zertifizierung der deutschen Behörden. Erwartet wird, dass der russische Gasmonopolist Gazprom im Oktober das erste Erdgas durch die neue Pipeline nach Deutschland liefert und dafür zunächst den Strang nutzt, der bereits im Juni fertig verlegt wurde.

Der Bau hatte sich insbesondere wegen Widerstands der USA verzögert. Die USA, die Ukraine und weitere Staaten vor allem aus Osteuropa lehnen die Pipeline mit der Begründung ab, sie mache die europäischen Abnehmerstaaten abhängig von russischen Erdgaslieferungen.  

Baustart 2018

Die Bauarbeiten für Nord Stream 2 hatten 2018 begonnen. Die Leitung soll künftig 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr von Russland durch die Ostsee nach Deutschland liefern. Damit können nach Angaben der Betreibergesellschaft 26 Millionen Haushalte versorgt werden.

Gazprom gehört die Projektgesellschaft Nord Stream 2. Die Baukosten der 1230 Kilometer langen Pipeline, die zwei Stränge hat, werden mit mehr als zehn Milliarden Euro angegeben. Die Leitung wurde je zur Hälfte vom russischen Energieriesen Gazprom und den fünf europäischen Unternehmen finanziert: der Düsseldorfer Versorger Uniper, Wintershall Dea, die französische Engie, das österreichische Energieunternehmen OMV und Shell.

Sorge in der Ukraine

Russland hatte Nord Stream 1 und nun auch Nord Stream 2 gebaut, um unabhängiger zu werden von dem lange Zeit wichtigsten Transitland Ukraine für die Erdgaslieferungen nach Europa. Die beiden Länder sind tief zerstritten. Zudem kritisiert Moskau, dass Kiew nichts tue, um die maroden Leitungen des Transitnetzes im eigenen Land zu sanieren. Die finanzschwache Ukraine wiederum ist dringend auf die Milliardeneinnahmen aus den Durchleitungsgebühren für den Gastransit angewiesen. Sie fürchtet Verluste und hofft auf Deutschlands Unterstützung, um auch künftig noch eine Rolle zu spielen als Transitland.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. September 2021 um 11:05 Uhr.