Ein Nord Stream 2-Logo ist auf einer verspiegelten Glasfront des Schweizer Hauptsitzes des Unternehmens zu sehen.  | picture alliance/dpa/KEYSTONE

Pipeline-Projekt Nordstream-Betreiber offenbar insolvent

Stand: 01.03.2022 18:54 Uhr

Die Nord Stream 2 AG, die Schweizer Eigentümergesellschaft der neuen Ostsee-Pipeline nach Russland, ist offenbar insolvent. Die Arbeitsverträge der mehr als 140 Mitarbeiter wurden bereits gekündigt.

Nach dem Stopp der Ostsee-Pipeline ist die schweizerische Eigentümergesellschaft offenbar insolvent. Die Nord Stream 2 AG mit Sitz in Zug habe "die Bilanz deponieren", also Konkurs anmelden müssen, sagte die Regierungsrätin des Kantons Zug, Silvia Thalmann-Gut, dem Sender SRF. Vor einer Woche hatten die USA wegen des Konfliktes mit Russland das Unternehmen mit Sanktionen belegt.

Nord Stream 2 hat nach Angaben des Schweizer Wirtschaftsministers Guy Parmelin bereits die Arbeitsverträge mit den mehr als 140 Mitarbeitern gekündigt. Sie ist eine Tochtergesellschaft des russischen Gazprom-Konzerns und hat ihren Hauptsitz in Zug gut 30 Kilometer südlich von Zürich. Das elf Milliarden Dollar schwere Pipeline-Projekt war aber zur Hälfte von den Energie- und Ölriesen Shell, OMV, Engie, Uniper und Wintershall DEA finanziert worden.

Genehmigungsverfahren auf Eis gelegt

Russland wollte mit der 1230 Kilometer langen Pipeline durch die Ostsee die Kapazität der Erdgas-Lieferungen nach Deutschland verdoppeln. Nord Stream 2 ist fertig, die Bundesregierung hatte aber das Genehmigungsverfahren und damit die Inbetriebnahme wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine auf Eis gelegt. Deutschland bezieht rund 50 Prozent seiner Erdgasimporte aus Russland und überwies im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamts 19,4 Milliarden Euro für Erdöl und Erdgas an das Land.

Das US-Finanzministerium hatte als Teil der Sanktionen gegen Russland in der vergangenen Woche ultimativ die Abwicklung aller Geschäfte mit der Nord Stream 2 AG und deren Mehrheitsbeteiligungen bis zum 2. März verlangt. Washington stand der Pipeline schon vor dem russischen Angriff auf die Ukraine sehr kritisch gegenüber. Der Geschäftsführer der Nord Stream 2 AG, der frühere Stasi-Agent Matthias Warnig, ist von den USA mit Sanktionen belegt worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. März 2022 um 20:00 Uhr.