Arbeiter sind auf der Baustelle der Nord Stream 2-Gaspipeline in der Nähe der Stadt Kingisepp (Region Leningrad, Russland) zu sehen. | REUTERS

Pipeline durch die Ostsee Nord Stream 2 wird mit Gas befüllt

Stand: 04.10.2021 19:24 Uhr

Noch in diesem Jahr könnte die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 in Betrieb gehen. Nun wurde für Tests erstmals Erdgas durch eine der Röhren gepumpt. Doch die politischen Bedenken gegen das Projekt dürften bleiben.

In die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 ist das erste Gas gefüllt worden. Die  Befüllung des ersten Strangs habe begonnen, teilte die Betreibergesellschaft Nord Stream 2 AG mit. Die Erstbefüllung sei notwendig, bevor der Gastransport beginnen könne. Für den zweiten Strang liefen die Vorbereitungen. Zum geplanten Zeitpunkt der eigentlichen Inbetriebnahme machte die Nord Stream 2 AG keine Angaben.

Experten rechnen damit, dass noch im Oktober Gas durch die neue Pipeline von Russland durch die Ostsee nach Mecklenburg-Vorpommern fließen könnte. Noch in diesem Jahr will Gazprom 5,6 Milliarden Kubikmeter Gas durch Nord Stream 2 pumpen.

Prüfverfahren der Bundesnetzagentur

Wie das Energieministerium Mecklenburg-Vorpommern mitteilte, liegen die notwendigen Unterlagen für die Inbetriebnahme der Pipeline vor. Zuletzt fehlten noch unabhängige Gutachten etwa zur Dichtigkeit. Auch die zuständige dänische Behörde teilte mit, die Voraussetzungen für den Betrieb eines Strangs seien erfüllt.

Das Milliardenprojekt muss noch von der Bundesnetzagentur zertifiziert werden. Bei diesem Verfahren geht es darum, die Nord Stream 2 AG gemäß einer EU-Richtlinie als unabhängiger Transportnetzbetreiber anzuerkennen. Sollte Nord Stream 2 den Gastransport vor Abschluss dieses Verfahrens aufnehmen, könnte die Bonner Behörde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten und Bußgelder verhängen. Die Behörde hat für eine Entscheidung noch bis Anfang Januar Zeit.

Karte Nord Stream 2

Die Behörde verlangte von dem Unternehmen Klarheit über das weitere Vorgehen. "Die Bundesnetzagentur hat die Nord Stream 2 AG aufgefordert, Auskunft zu erteilen und gegebenenfalls Nachweise zu erbringen, dass im Rahmen eines Betriebs der Leitung alle regulatorischen Vorgaben eingehalten werden", sagte ein Sprecher der Bonner Behörde. Dies betreffe insbesondere Fragen des diskriminierungsfreien Netzzugangs und der Integration der Verbindungsleitung in das deutsche Marktgebiet. Anlass sei, dass nicht auszuschließen sei, dass in Kürze eine Inbetriebnahme der Leitung erfolgen könnte.

55 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr

Die 1230 Kilometer lange Doppelröhre des russischen Gazprom-Konzerns war am 10. September fertiggestellt worden. Die Pipeline wurde je zur Hälfte von Gazprom und den fünf Unternehmen OMV, Wintershall Dea, Engie, Uniper und Shell finanziert und hat die Investoren mehr als zehn Milliarden Euro gekostet.

Durch die Pipeline sollen jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas von Russland nach Deutschland und weiteren Ländern in Europa geliefert werden. Damit können nach Angaben der Betreibergesellschaft 26 Millionen Haushalte versorgt werden.

Entspannung auf dem Gasmarkt?

Vor allem der Widerstand der USA, die Sanktionen androhten und auch verhängten, verzögerte den Bau, der 2018 begonnen hatte und 2019 hätte beendet werden sollen. Kritiker sehen die Gefahr, Russland könne die Pipeline für geopolitische Zwecke missbrauchen, weil es sich so unabhängiger von der Ukraine als wichtiges Transitland mache.

Die Inbetriebnahme der Leitung könne laut russischer Regierung zur Entspannung auf dem Gasmarkt in Europa beitragen. Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte Russland kürzlich aufgefordert, mehr Erdgas nach Europa zu liefern, um dort die aktuelle Knappheit und die damit einhergehende Preissteigerung abzufedern. Der Großhandelspreis für Erdgas hat sich seit Beginn des Jahres mehr als verdreifacht.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 04. Oktober 2021 um 17:30 Uhr.