Zwei Chinesinnen gehen in Peking an einem Nike-Logo an einer Wand vorbei | picture alliance / An Xin / Cost

Nach Kritik an Zwangsarbeit Nike gerät in China ins Straucheln

Stand: 25.06.2021 10:15 Uhr

Das Ausklingen der Corona-Beschränkungen weltweit hat Nike einen Milliardengewinn beschert. Aber in China hat der US-Sportartikelhersteller ein Problem.  

Der Sportartikelhersteller Nike hat die coronabedingt dürftige Zeit versucht zu nutzen, um künftig noch mehr auf die Vorteile der Digitalisierung zu setzen. Nike-Chef John Donahoe, der einst die Handelsplattform ebay führte, arbeitet daran, die Direktverkäufe an Verbraucher sowohl über die hauseigenen Läden als auch über das Internet zu steigern.

Das zahlte sich in der Pandemie aus, in der viele Geschäfte und Einkaufszentren geschlossen blieben. Im gesamten vergangenen Geschäftsjahr stiegen die Direkterlöse um fast ein Drittel. Sie machen jetzt nahezu 38 Prozent des Nike-Geschäfts aus. Nike habe rund 300 Millionen registrierte Direktkunden, hieß es.

Riesengeschäft in den USA

Noch immer aber wird der Hauptanteil des Umsatzes in den Läden erwirtschaftet, deshalb profitiert Nike vor allem davon, dass die Corona-Beschränkungen weltweit tendenziell zurückgehen. Der Umsatz war mit 12,3 Milliarden Dollar (10,3 Milliarden Euro) im vierten Quartal fast doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor, als die Pandemie die Welt noch stärker im Griff hatte. Verglichen mit dem coronafreien vierten Quartal 2019 betrug das Umsatzplus 19 Prozent.

Die Geschäfte in den USA und Kanada entwickelten sich noch stärker als im Rest der Welt. Der Umsatz in Nordamerika schoss im vergangenen Quartal um 141 Prozent auf knapp 5,4 Milliarden Dollar hoch. Bei Sportbekleidung gab es die größten Zuwächse. Unter dem Strich verdiente Nike 1,5 Milliarden Dollar. Im Vorjahresquartal hatte das Minus bei 790 Millionen Dollar gelegen.

Rückschlag in China

Sorgen macht allerdings das Geschäft in China. Dort fiel das Umsatzwachstum im vergangenen Quartal mit nur 17 Prozent drastisch niedriger aus als im Rest der Welt. Nike gehört zu den Unternehmen, die in chinesischen sozialen Medien angegriffen wurden, nachdem das Unternehmen Zwangsarbeit in der autonomen Region Xinjiang thematisiert hatte.

Auch andere Unternehmen wie H&M, Zara oder Adidas hatten Menschenrechtsverletzungen gegen die Uiguren und andere Minderheiten in China kritisiert. Die chinesische Regierung startete daraufhin im März eine Kampagne gegen westliche Modefirmen und drohte mit Sanktionen.  

Nike als Marke beliebt?

Der chinesische Markt ist mittlerweile nicht nur für die Autobauer dieser Welt von überragender Bedeutung. Auch Modefirmen und Sportartikelhersteller wollen ihre Produkte auf dem gigantisch großen Markt verkaufen. Umso ungemütlicher wird es für die Unternehmen, wenn sich dort Politik und Wirtschaft in Konflikt geraten.      

Besonders schwer hatte es die schwedische Modekette H&M erwischt: Nachdem das Management erklärt hatte, wegen Menschenrechtsverletzungen der uigurischen Minderheit auf Baumwolle aus Xinjiang zu verzichten, verschwand das Unternehmen von chinesischen Online-Handelsplattformen.

Nike-Chef Donahoe betonte in diesem Zusammenhang, dass Nike eine langfristige Sicht auf den chinesischen Markt habe und die Marke dort beliebt sei.

Sportartikelhersteller gefragt

Trotz der Probleme in China sprang die Aktie nach dem Verkünden der Quartalszahlen kräftig an und legt um mehr als zehn Prozent zu. Auch die Aktien von Puma und Adidas ziehen im Sog von Nike an. Für die Anleger sind die unerwartet starken Zahlen aus den USA ein Kaufsignal, denn sie spekulieren darauf, dass auch das Geschäft der deutschen Anbieter von Sportartikeln brummt.