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Streaming-Dienst Konkurrenz macht Netflix zu schaffen

Stand: 21.07.2021 10:23 Uhr

Netflix-Serien wie "Bridgerton" haben auch im Frühjahr viele Zuschauer gefunden. Trotzdem fällt es dem weltgrößten Streaminganbieter immer schwerer, neue Abonnenten zu gewinnen.

Netflix hat im zweiten Quartal erneut Milliarden verdient, obwohl die ganz großen Blockbuster ausgeblieben sind. So schnellte der Gewinn im Jahresvergleich um fast 90 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar in die Höhe. Die Einnahmen stiegen um fast 20 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar. Daraus ergibt sich eine Umsatzrendite von knapp 20 Prozent. Ein besseres Ergebnis erzielte der Konzern bisher nur im ersten Quartal dieses Jahres.

Dass die Investoren an der Börse dennoch enttäuscht reagierten, liegt an dem schwächer als erwartet ausgefallenen Wachstum der Abonnentenzahlen. Tatsächlich konnte Netflix in den drei Monaten bis Ende Juni lediglich 1,5 Millionen neue Nutzer hinzugewinnen, so wenige wie noch nie in einem Quartal. Für Enttäuschung sorgte auch die Prognose für das laufende Quartal: Bis Ende September erwartet Netflix einen Zuwachs von 3,5 Millionen neuen Kunden, Experten hatten mit 5,5 Millionen gerechnet. In der Folge geriet der Aktienkurs von Netflix im nachbörslichen Handel an der Wall Street heftig unter Druck.

17 Milliarden für neue Filme

Dabei konnte der Konzern mit Serien wie "Bridgerton", "The Queen's Gambit" und "The Crown" im Frühjahr zahlreiche Zuschauer vor den Bildschirm locken. Auch einige europäische Produktionen waren große Erfolge. Die zweite Staffel der französischen Gauner-Serie "Lupin" wurde allein in der ersten Woche von 54 Millionen Nutzerkonten abgerufen. Einen Hit landete Netflix auch mit der spanischen Saga "Elite".

Doch Netflix ist nicht mehr allein mit attraktiven Filmangeboten. Vielmehr sieht sich der Streamingdienst zunehmender Konkurrenz ausgesetzt, allem voran durch den Unterhaltungskonzern Disney mit seinem riesigen Filmarchiv. Auch Apple und Amazon buhlen um die Gunst des Publikums.

Um das Geschäft zu beflügeln, will der Streaming-Riese im laufenden Jahr mehr als 17 Milliarden Dollar für neue Angebote ausgeben. Dazu zählen neue Staffeln von beliebten Programmen wie etwa "The Witcher" und "You" oder Filme wie "Red Notice" oder "Don't Look Up" mit Leonardo DiCaprio, Jennifer Lawrence, Cate Blanchett und Meryl Streep in den Hauptrollen.

Spielen im Internet als neue Erlösquellen

Im Juni eröffnete Netflix zudem einen Online-Shop für Fanartikel. Noch ist das Angebot gering, doch perspektivisch könnte sich Netflix so - ganz nach dem Vorbild des großen Kontrahenten Disney - eine bedeutende zusätzliche Erlösquelle durch Merchandising erschließen. Zudem will das Unternehmen über seine Server künftig auch Videospiele ohne zusätzlichen Aufpreis anbieten.

Der Trend, Spiele im Netz laufen zu lassen und die Nutzer per Streaming übers Internet spielen zu lassen, gewinnt gerade an Fahrt, angeführt von Microsoft, Google und Nvidia. Netflix-Chef Hastings betont schon seit Jahren, dass der Konzern nicht nur mit anderen Streaming-Anbietern, sondern auch mit Social Media, Youtube und etlichen anderen Formen digitaler Unterhaltung konkurriere.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Juli 2021 um 06:37 Uhr.