Pure Life-Wasserflaschen von Nestlé in den USA

Schweizer Lebensmittelriese Nestlé reduziert Wassergeschäft

Stand: 17.02.2021 09:17 Uhr

Der größte Lebensmittelkonzern der Welt Nestlé hat sein Wassergeschäft weiter reduziert und die Nordamerika-Sparte für mehr als vier Milliarden Dollar verkauft. Eine Antwort auf die internationale Kritik?

Nestlés Geschäft mit dem Wasser erzürnt seit Jahren die Gemüter. Ganze Kampagnen und zahlreiche Dokumentarfilme einte der Vorwurf: Der Lebensmittelriese scheffle Milliardengewinne mit natürlichen Wasserquellen und zerstöre so die Lebensgrundlagen von Menschen und Tieren vor Ort.

Ob die neueste Transaktion der Schweizer mit dieser internationalen Kritik zusammenhängt, ist allerdings fraglich. Der Nahrungsmittelriese verkauft sein nordamerikanisches Wassergeschäft für 4,3 Milliarden Dollar an den US-Finanzinvestor One Rock Capital Partner, wie der Schweizer Konzern in der Nacht zum Mittwoch mitteilte. Verkauft werden Marken wie Poland Spring, Deer Park, Ozarka, Ice Mountain, Arrowhead oder Pure Life, aber auch der US-Getränkelieferservice ReadyFresh.

San Pellegrino

An seinen Premiummarken will Nestlé festhalten.

Fokus auf Perrier, S.Pellegrino & Co.

"Dieser Verkauf ermöglicht es uns, ein stärker fokussiertes Geschäft rund um unsere internationalen Premium-Marken, lokale natürliche Mineralwässer und hochwertige, gesunde Flüssigkeitszufuhrprodukte zu schaffen", erklärte Konzernchef Mark Schneider den Schritt.

Der Verkauf des Nordamerika-Geschäfts ist somit Teil eines größeren Plans. Seit einiger Zeit ist Nestlé bereits dabei, sein Wassergeschäft auf Premium-Marken wie Perrier, S.Pellegrino und Acqua Panna zu konzentrieren. Sie sind daher auch nicht Bestandteil des Deals. Einen weiteren Fokus will Konzernchef Schneider künftig auf "funktionales Wasser", also etwa mit Magnesium angereichertes Wasser legen.

"Wir treiben die Umgestaltung unseres globalen Wassergeschäfts weiter voran und richten es auf langfristiges und profitables Wachstum aus", so Schneider. Bereits Ende August 2020 hatte Nestlé sein chinesisches Wassergeschäft abgestoßen.

Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider | Nesté

Kam vom deutschen Fresenius-Konzern zu Nestlé: Ulf Mark Schneider Bild: Nesté

Wasser: kein Wachstumsgeschäft mehr?

Der neue Deal ist am Finanzmarkt keine große Überraschung. Bereits Anfang Februar hatten Medien über entsprechende Verhandlungen berichtet. Nestlé selbst bereits im vergangenen Sommer die strategische Überprüfung des Wassergeschäfts in den USA und dessen möglichen Verkauf angekündigt. Das Wassergeschäft gehört eigentlich zu den Produktkategorien, die Nestlé selbst als wachstumsstark definiert hat.

Doch diesen Anspruch konnte die Sparte schon länger nicht mehr erfüllen. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2020 schrumpften die Wasser-Erlöse organisch um 7,9 Prozent. Kein Wunder also, dass Nestlé zuletzt eher in wachstumsstarken Bereichen wie gesunden Fertigmahlzeiten zukaufte.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Februar 2021 um 16:00 Uhr.