Die Zugbildungsanlage für Güterzüge am Güterbahnhof in Halle.  | dpa

Tarifkonflikt Die zweite Bahn-Streikwelle beginnt

Stand: 21.08.2021 17:36 Uhr

Die GDL bestreikt seit dem späten Samstagnachmittag den Güterverkehr. Ab Montag früh trifft der erneute Streik dann auch Personenzüge. Aus der Wirtschaft kommt deutliche Kritik an der Arbeitskampfaktion der Gewerkschaft.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat mit Streiks bei der Deutschen Bahn zunächst im Güterverkehr begonnen. Der Arbeitskampf laufe allmählich an, es gebe nach und nach die entsprechenden Rückmeldungen der Streikleitungen vor Ort, sagte ein GDL-Sprecher am Samstagnachmittag. Lokführer und Lokführerinnen sowie Beschäftigte in den Werkstätten bei der Bahn-Tochter DB Cargo seien aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.

Die Bahn bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa, dass die Aktionen begonnen hätten. Der Streik soll mehr als drei Tage bis Mittwochfrüh andauern. Ab Montag soll auch der Personenverkehr bestreikt werden.

In der Cargo-Sparte trifft der Streik einige Branchen empfindlich: Besonders auf die Güterbahn angewiesen sind etwa die Chemie- und Stahlindustrie, aber auch die Autobranche. Wirtschaftsverbände kritisieren die Arbeitskampfaktion im Güterverkehr daher: "Die deutsche Wirtschaft versucht gerade erst, nach der Corona-Pandemie Fuß zu fassen", teilte etwa die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) mit. Sie rief die GDL auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Eine Unterbrechung der Lieferketten setze die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise aufs Spiel. 

Viele Güterzüge rollen trotz Streik

Allerdings ist die Deutsche Bahn nicht die einzige Anbieterin im Cargo-Bereich: Sie transportierte 2020 rund 43 Prozent aller Güter auf der Schiene, das übrige Geschäft übernahmen Konkurrenten - und die sind vom Streik nicht betroffen. Beim ersten Streik dieser Tarifrunde in der vergangenen Woche kamen ihre Züge sogar etwas schneller durch, wie das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen bilanzierte. Die Gefahr, dass Lieferketten reißen, sieht der Verband erst bei einer längeren Streikwelle.

Der Konkurrenzkampf der Gewerkschaften

Der GDL geht es unter anderem um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Sie fordert Lohnerhöhungen von rund 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro im laufenden Jahr. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will sie in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern hinnehmen. Die Deutsche Bahn bietet der GDL zwar 3,2 Prozent an, die Erhöhung soll jedoch etwas später greifen als von der Gewerkschaft gefordert. Der Konflikt ist festgefahren. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums erklärte, "die Frage der Schlichtung steht mehr denn je im Raum." Eine Schlichtung lehnt die GDL bisher aber ab.

Über dieses Thema berichtete am 20. August 2021 die tagesschau um 20:00 Uhr und am 21. August 2021 Deutschlandfunk um 18:00 Uhr in den Nachrichten.

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KOMMENTARE

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H. Hummel 21.08.2021 • 14:24 Uhr

@ hesta15

Zitat: "Der DGB sollte die Arbeitnehmer unterstützen, wenn Herr Hoffmann Kritik üben will, soll er sich dann die selbst bedienenden Vorstände richten." # Der DGB kann sich grundsätzlich an jeden wenden. Um 10:13 schrieb ich: ... die das Wort TarifVERHANDLUNGEN lediglich im Licht gezahlter Vorstandsgehälter betrachten. Wenn das der zukünftige Maßstab sein soll, kommen auf die Wirtschaft schwarze-, auf die Beschäftigten rosige Zeiten zu... Dem kann ich im Bezug auf die ständig zitierten Vorstandsgehälter kaum etwas hinzufügen.