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Mängel im Risikomanagement BaFin begrenzt Wachstum von N26

Stand: 11.11.2021 16:29 Uhr

Die Bankenaufsicht BaFin setzt der Online-Bank N26 ein Limit für das weitere Kundenwachstum und wirft ihr schlechtes Risikomanagement vor. Welche Folgen hat das für das Geldhaus und die Kunden?

Von Lilli Hiltscher, tagesschau.de

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat für die Berliner Online-Bank N26 Auflagen zum weiteren Wachstum angeordnet. Die Bank darf nun in Europa maximal 50.000 Neukunden pro Monat aufnahmen. Sie bekommt zudem einen weiteren Sonderbeauftragten zugeordnet, der die Umsetzung der von der BaFin angeordneten Maßnahmen überwachen soll. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde sollen die Auflagen der "Beseitigung von Mängeln insbesondere im Risikomanagement" dienen. Diese Mängel sollen "im starken Wachstum der Bank begründet" sein.

Lilli Hiltscher

Es ist das erste mal, dass die BaFin zu solchen Mitteln greift: "Die Anordnung einer kundenbezogenen Wachstumsbeschränkung ist ein Novum in der deutschen Aufsichtspraxis", sagte Oliver Struck, Pressesprecher der Aufsichtsbehörde, auf Anfrage von tagesschau.de.

Neben der Begrenzung der Neukundenzahl beschränkt die BaFin auch das Volumen an Immobilienforderungen des Fintech-Startups. Für die Bank könnte das ein Rückschlag sein. Nach eigenen Angaben wuchs sie zuletzt um 100.000 Neukunden pro Monat. Das Unternehmen teilt auf der eigenen Webseite lediglich mit, über sieben Millionen Kunden in 25 Ländern zu haben.

Vorwürfe wegen mangelnder Geldwäschebekämpfung

Lars Hornuf, Finanzexperte der Universität Bremen, vermutet, dass die Beschränkung besonders in osteuropäischen Ländern ein Problem werden könnte: "Vor allem in Osteuropa ist das Vertrauen in deutsche Finanzdienstleistungen und -institutionen hoch und dort könnte eine Wachstumsbeschränkung tatsächlich greifen." Somit könnte die Regelung für mögliche Neukunden ein Problem werden, denn die Begrenzung schließt alle Länder ein, in denen die Bank tätig ist.

Die Maßnahmen seien "zur Beseitigung von Problemen bei der Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung" gedacht, teilte die BaFin mit. Zuletzt war die Bank immer wieder wegen mangelhaftem Engagement in Sachen Geldwäschebekämpfung in die Schlagzeilen geraten, etwa im Zusammenhang mit betrügerischen Konten. Darum hatte die BaFin bereits im Juni ein Bußgeld in Höhe von 4,25 Millionen Euro verhängt und der Digitalbank einen Geldwäsche-Sonderaufpasser an die Seite gestellt.

Attraktiv für Kriminelle

Online-Banken sind laut Hornuf für Kriminelle deshalb attraktiv, weil die Hemmschwelle deutlich niedriger ist als im klassischen Bankensystem. "Videoident lässt sich einfacher austricksen als ein Verfahren, bei dem man physisch in einer Bank erscheinen muss, um ein Konto zu eröffnen", sagt der Fachmann. Videoident sind Online-Videokonferenzen zur persönlichen Authentifizierung, die vor allem in der Finanztechnologie eingesetzt werden.

Dennoch könne man nicht sagen, dass vor allem Onlinebanken anfällig für Fälle von Geldwäsche sind und andere Institute davon ausgenommen wären, so der Bremer Experte: "Das liegt vor allem daran, dass der Marktanteil von Banken wie N26 noch immer sehr gering ist."

N26 ist Deutschlands wertvollstes Fintech

Für Kunden und Investoren der Bank kam die Ankündigung der Bafin in dieser Woche nicht überraschend: N26 hatte die Restriktionen bereits im Zuge einer Finanzierungsrunde im Oktober angekündigt. In der Runde steigerte die Digitalbank die eigene Bewertung auf 7,8 Milliarden Euro und gilt seitdem als das wertvollste deutsche Fintech.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Online-Banken ermöglichen jederzeit und überall eine Kontoeröffnung. "Das Phänomen nennt man Amazonisierung - man erwartet, dass die Dienstleistungen jederzeit verfügbar sind", weiß Hornuf. Vor allem während der Corona-Krise dürfte die Bank von ihrem Geschäftsmodell, das losgelöst von Filialen funktioniert, profitiert haben.

Kunden sind von den Restriktionen der BaFin nicht betroffen

Die aktuellen Maßnahmen der BaFin sollten für die bestehenden Kunden der Bank keinerlei Auswirkungen haben. "Eine mögliche Situation, in der ein Kunde tatsächlich etwas von den Auswirkungen zu spüren bekommen könnte, wäre, wenn eine Überweisung aus einer Quelle kommt, die für nicht vertrauenswürdig gehalten wird. Aber auch das ist äußerst unwahrscheinlich", so der Bremer Finanzexperte.

"Verheerend könnten die Anordnungen der BaFin dann werden, wenn die Reputation der Bank und möglicherweise der gesamten Branche leidet", urteilt Lars Hornuf. Denn N26 funktioniert über ein Plattformgeschäft, das darauf angewiesen sei, schnell zu wachsen: "Dabei generiert man anfangs keine Gewinne. Die kommen erst, wenn man eine gewisse Größe erreicht hat."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. September 2021 um 17:25 Uhr.