Tesla-Chef Elon Musk spricht während eines Interviews | AFP

Grünheide und Austin Musk: Tesla-Fabriken verbrennen Milliarden

Stand: 23.06.2022 09:28 Uhr

Die neuen Tesla-Autofabriken haben sich laut Konzernchef Musk als "gigantische Geldverbrennungsöfen" entpuppt. Die Werke in Grünheide und Texas verlieren demnach derzeit "Milliarden an Dollar".

Die Hiobsbotschaften beim US-Elektroautohersteller Tesla häufen sich. Erst am Dienstag kündigte Firmenchef Elon Musk an, in den kommenden Monaten bis zu 3,5 Prozent der Stellen zu streichen. Er bekräftigte, dass er mit einer Rezession in den USA in nächster Zeit rechne. Doch das sind offenbar nicht die einzigen Belastungsfaktoren für das Nasdaq-Schwergewicht, wie nun aus einem gestern veröffentlichten Interview hervorgeht.

"Das Geräusch von brennendem Geld"

Dem bereits im vergangenen Monat geführten Gespräch zufolge verlieren die neuen Tesla-Fabriken in Grünheide bei Berlin und im texanischen Austin derzeit Milliarden. "Die beiden Fabriken in Berlin und Austin sind im Moment gigantische Geldöfen", sagte Musk dem Fanclub Tesla Owners of Silicon Valley. "Es ist wirklich wie ein gigantisches Dröhnen, dieses Geräusch von brennendem Geld."

Grund sei ein Mangel an Batterien und Lieferkettenprobleme wegen der Lage in den chinesischen Häfen, erklärte Musk. Davon ist offenbar die Fabrik in Texas deutlich stärker betroffen als das Werk in Grünheide. In Texas würde derzeit nur eine verschwindend geringe Anzahl von Autos vom Band rollen.

Grünheide in "etwas besserer Position"

Es gebe Schwierigkeiten, die Produktion der neuen 4680-Batterien zu steigern und die Werkzeuge für die Herstellung der herkömmlichen 2170-Batterien würden "in einem Hafen in China festsitzen", erklärte Musk. Die Fabrik in Grünheide sei in einer "etwas besseren Position", weil von Anfang an die traditionellen 2170-Batterien verbaut wurden.

Der Tech-Milliardär bezeichnete die vergangenen zwei Jahre mit Blick auf die hartnäckigen Lieferkettenprobleme in der Autoindustrie als "absoluten Albtraum". Der Tesla-Chef warnte außerdem: "Wir haben es noch nicht hinter uns". Für Tesla gehe es darum, den Betrieb am Laufen zu halten, damit die Beschäftigten weiterbezahlt werden könnten und der Konzern nicht in die Insolvenz gerate.

Tesla Gigafactory Grünheide, Brandenburg | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Grünheide steht laut Musk etwas besser da als Austin. Bild: picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Hohe Cash-Burn-Rate ist Warnsignal

Die drastischen Worte Elon Musks wecken Erinnerungen. Auch in den Jahren des Neuen Marktes gab es viele Unternehmen, die innerhalb kürzester Zeit viel Geld verbrannten. Damals maßen Investoren den Erfolg einer Firma nicht am Gewinn, sondern an der Cash-Burn-Rate.

Je mehr Kapital ein Start-up in kurzer Zeit verschlang, desto besser. Eine hohe Cash-Burn-Rate galt zu Zeiten des Dotcom-Booms als Tugend, nicht als Makel. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Heutzutage ist eine hohe Cash-Burn-Rate für Analysten wie Investoren ein ernstzunehmendes Warnsignal.

Tesla-Aktie unter die Räder gekommen

Umso erstaunlicher ist die gelassene Reaktion der Börse auf die Ausführungen des Tesla-Chefs: Im nachbörslichen US-Handel büßte die Tesla-Aktie gerade einmal 0,8 Prozent ein. Allerdings hatte das Papier bereits in den vergangenen Monaten merklich Federn gelassen.

Seit dem Allzeithoch Ende Dezember 2021 bei 1243 Dollar war die Tesla-Aktie in der Spitze um 50 Prozent eingebrochen. Aktuell rangiert sie bei 700 Dollar.

Tesla hat auch Probleme in Shanghai

Dabei sind hohe Anlaufkosten und Verluste bei neuen Fabriken wie in Grünheide und Austin in der Startphase beim Hochfahren der Produktion relativ normal und per se kein Grund zur Sorge. Doch auch mit seinem etablierten Werk in Shanghai steht Tesla offenbar vor Herausforderungen. "Die Covid-Shutdowns in China waren gelinde gesagt sehr, sehr schwierig", erklärte Musk.

Der Elektroautobauer plant, den Großteil der Produktion am Standort Shanghai in den ersten beiden Juli-Wochen wegen Modernisierungsarbeiten zur Produktionssteigerung auszusetzen, wie aus einem internen Memo hervorgeht.