Impfstoff von Moderna | dpa

Lieferungen gehen an die EU Deutschland verzichtet auf Moderna-Impfstoff

Stand: 11.08.2021 20:00 Uhr

Erstmals verzichtet Deutschland auf geplante Lieferungen von mRNA-Impfstoff. Zwei Millionen-Chargen des US-Herstellers Moderna gehen an andere EU-Staaten - obwohl dessen Vakzin besonders wirksam gegen die Delta-Variante sein könnte.

Deutschland verzichtet angesichts der sinkenden Impfbereitschaft auf die Lieferung von Millionen Dosen des mRNA-Impfstoffs von Moderna. Wie aus einer Auflistung des Bundesgesundheitsministeriums hervorgeht, sollen rund 2,65 Millionen Impfstoff-Dosen des US-Herstellers stattdessen anderen EU-Staaten überlassen werden.

Der Impfstoff werde "über den üblichen Mechanismus der EU" verteilt, zitierte der "Spiegel" einen Sprecher des Ministeriums. Konkret geht es um zwei Chargen mit jeweils gut 1,3 Millionen Dosen, die für die ersten beiden August-Wochen eingeplant gewesen waren.

EMA untersucht mögliche seltene Nebenwirkungen

Erstmals seit Beginn der Impfkampagne nimmt Deutschland damit zugesagte und verfügbare mRNA-Dosen nicht in Anspruch - obwohl die Vakzine der Hersteller BioNTech/Pfizer und Moderna als die wirksamsten im Kampf gegen das Coronavirus gelten. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die Bundesrepublik auch auf Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson zugunsten anderer Länder verzichtet. Sämtliche Lieferungen des Pharmaunternehmens AstraZeneca werden an die internationale Hilfsinitiative Covax gespendet.

Indes kündigte die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) an, mögliche seltene Nebenwirkungen der mRNA-Impfstoffe näher zu untersuchen. Dabei gehe es um den Verdacht, dass einige wenige Fälle allergischer Hautreaktionen und Nierenentzündungen in einem Zusammenhang mit Impfungen stehen könnte, teilte die Behörde mit. Details, um wie viele Verdachtsfälle es sich handelt, nannte die EMA nicht. Die Arzneimittelbehörde habe bei den Unternehmen weitere Daten angefragt, hieß es.

Aktien brechen ein

An der Wall Street brachen die Aktien der beiden Hersteller Moderna und BioNTech um jeweils mehr als vierzehn Prozent ein. Allerdings hatten die Papiere in den vergangenen Wochen sehr stark zugelegt. Beobachter gingen deshalb davon aus, dass viele Investoren nach einer Gelegenheit suchten, kurzfristige Gewinne einzustreichen.

Zuvor war eine Studie bekannt geworden, wonach der Impfstoff von Moderna besonders wirksam sein könnte gegen die besonders ansteckende Delta-Variante des Coronavirus. In der Untersuchung bei mehr als 50.000 Patienten des kommunalen Klinik-Netzwerks Mayo Clinic Health System in den USA kamen Wissenschaftler zum Ergebnis, dass die Wirksamkeit des Moderna-Impfstoffs mit der zunehmenden Verbreitung der Delta-Variante auf 76 Prozent im Juli sank - von 86 Prozent zu Jahresbeginn. Die Wirksamkeit des BioNTech/Pfizer-Vakzins sank demnach von 76 Prozent auf 42 Prozent. Beide Impfstoffe gelten aber nach wie vor als hochwirksam gegen das Risiko, mit einem schweren Covid-Verlauf im Krankenhaus behandelt werden zu müssen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. August 2021 um 22:00 Uhr.