Eine Blumenverkäuferin hält Schild mit Hinweis auf die Akzeptanz von Twint-Zahlungen hoch

Mobiles Bezahlen Warum Schweizer mit Twint zahlen

Stand: 10.04.2022 09:31 Uhr

Wer in der Schweiz mobil bezahlt, nutzt statt Paypal oder Apple Pay meist die heimische Alternative Twint. Warum ist die App die Nummer 1 beim täglichen Einkauf oder beim Überweisen unter Freunden?

Von Kathrin Hondl, ARD-Studio Genf

Wochenmarkt im Genfer Stadtteil Plainpalais. Radieschen, Feldsalat, Spinatblätter - bitte schön: fünf Franken und schönen Tag auch. Kleingeld klimpert und wechselt die Besitzerin. Immer öfter aber klimpert es hier nicht mehr. Denn "Barzahlung oder Twint" hat die freundliche Verkäuferin auf ein Holzschild geschrieben und ein Herzchen dazugemalt.

Kathrin Hondl ARD-Studio Genf

"Wir akzeptieren hier am Marktstand die Bezahl-App Twint. Wir haben den QR-Code. Für die Kunden ist das praktisch. Man braucht keine Karte, kein Bargeld - nur das Telefon", erläutert die Verkäuferin. "Immer mehr Leute nutzen das. Und weil wir hier keine Maschine für Kartenzahlungen haben, freuen sie sich, dass sie hier mit dem Telefon bezahlen können." Beziehungsweise eben mit "Twint" - der Schweizer Bezahl-App, die direkt mit dem eigenen Konto verknüpft ist.

Keine Kreditkarte erforderlich

Mehr als ein Girokonto braucht es auch nicht, um die App auf dem Handy zu installieren. Eine Kreditkarte ist - anders als bei den meisten internationalen Bezahl-Apps - nicht nötig.

Das macht Twint auch für Jüngere attraktiv - wie den Studenten Felipe. "Wenn ich mal das Portemonnaie zu Hause liegen gelassen habe, kann ich praktisch in jedem Geschäft in der Schweiz mit Twint bezahlen", erläutert er. "Eine andere Funktion, die ich super finde, ist: Geld senden. Ich muss nur die Telefonnummer eingeben und ich kann einen gewissen Betrag einfach überweisen oder Geld anfordern: Wenn wir ins Restaurant gehen, zusammen essen, dann können wir ganz einfach die Rechnung so aufteilen."

Erfolgreicher als Apple Pay und Paypal

Die nationale Bezahl-App ist in der Schweiz erfolgreicher als die globale Konkurrenten wie Apple Pay oder Paypal. Schon 2020 schätzte eine Studie der Hochschule Luzern den Marktanteil von Twint bei mobilen Bezahlmethoden auf rund 75 Prozent.

Die Nutzerzahlen stiegen stetig weiter, berichtet Markus Kilb, CEO der Twint AG. "Wir sind aktuell bei deutlich über vier Millionen aktiven Twint-Nutzern. Das ist ein sehr starkes Wachstum: Wir standen Ende 2018 bei ungefähr einer Million registrierter Kunden und damals um die 600.000 bis 700.000 aktiver Kunden", so Kilb. "Wir haben in der Schweiz weit über 200.000 Akzeptanzstellen on- und offline, bei denen ich mit Twint bezahlen kann."

Der Erfolg von Twint erklärt sich wohl schon mit der Gründungsgeschichte - einer erfolgreichen Fusion von zwei Start-ups, die zur gleichen Zeit Bezahl-Apps in der Schweiz lanciert hatten. "Sozusagen ein Twint 2.0 - man hat eben hier das beste aus zwei Welten zusammegefügt", sagt Kilb.

Im Besitz von Banken und Finanzfirmen

Die heutige Twint AG gehört mehreren Banken- und Finanzunternehmen, darunter sind unter anderem die Großbanken UBS und Credit Suisse, sowie die PostFinance, die bereits das erste Twint-Unternehmen an den Start gebracht hatte. "Egal bei welcher Bank du bist: Twint ist für alle da" - so wirbt die App um neue Nutzerinnen und Nutzer.

"Ich glaube, unsere Stärke liegt auch in der lokalen Verankerung", sagt Kilb. Die Firma arbeite etwa eng mit dem Bauernverband zusammen. Und so wird in der Schweiz auch auf dem Land getwintet: Wenn Bauern auf der grünen Wiese oder im Hofladen Eier, Obst oder Blumen verkaufen, klebt an den Kisten zum Geld einwerfen jetzt meistens auch der QR-Code für die Twint-App.

"Für den Betreiber des Hofladens hat es den großen Vorteil, dass er nicht mehr das Risiko läuft, dass ihm die Kasse gestohlen wird", sagt Kilb. "Es wird sogar von der Polizei empfohlen, dass die Hofläden eine entsprechende Twint-Lösung anwenden sollen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. April 2022 um 05:44 Uhr.