Münchener Leukämielabor MLL

Münchner Leukämielabor Der nächste Coup der Biontech-Investoren?

Stand: 31.03.2021 15:46 Uhr

Die Milliardäre hinter der Erfolgsgeschichte von Biontech - die Strüngmann-Zwillinge - haben offenbar ein neues deutsches Unternehmen im Visier: das Münchner Leukämielabor.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Jahr für Jahr erkranken in Deutschland rund 14.000 Menschen an Leukämie. Dabei hängt der Erfolg der Therapie maßgeblich vom Zeitpunkt und der Genauigkeit der Diagnose ab. Hier kommt das Münchner Leukämielabor (MLL) ins Spiel. Die rund 200 Mitarbeiter analysieren Proben von etwa 60 Prozent aller Leukämiepatienten in Deutschland - mehr als 80.000 pro Jahr.

Laut Insidern befindet sich die Milliardärsfamilie Strüngmann, Haupteigner des COVID-19-Impfstoffherstellers BioNTech, in Gesprächen über eine mögliche Minderheitsbeteiligung an dem 2005 gegründeten Diagnostikunternehmen. Diese Gespräche sind laut Reuters aber noch nicht abgeschlossen und könnten noch scheitern.

Family Office zeigt Interesse

Torsten Haferlach, Mitgründer und Geschäftsführer des Münchner Leukämielabors, war auf Anfrage von tagesschau.de für eine Stellungnahme nicht verfügbar.

"Wir sind grundsätzlich an einer vertiefenden Verzahnung von Therapie und Diagnostik interessiert. Deshalb führen wir unter anderem Gespräche mit den Münchner Leukämielabor, das aus unserer Sicht eine der führenden Adressen in der Leukämiediagnostik ist", unterstrich derweil ein Sprecher des Familiy Office Athos, das das Vermögen der Strüngmann-Brüder verwaltet.

Dr. Thomas und Dr.Andreas Strüngmann  (Archivbild 2003) | picture alliance / VisualEyze

Thomas und Andreas Strüngmann machten mit Hexal ein Vermögen. Bild: picture alliance / VisualEyze

Reich geworden mit Hexal

Die beiden Unternehmer Andreas und Thomas Strüngmann hatten 2005 den von ihnen gegründeten Generikahersteller Hexal für 5,6 Milliarden an den Schweizer Novartis-Konzern verkauft und waren damit in die Riege der reichsten Deutschen aufgestiegen. Einen größeren Bekanntheitsgrad über die Pharmabranche hinweg erlangten sie damit jedoch nicht.

Das änderte sich 2020 schlagartig: Mit dem Erfolg von BioNTech sind auch die eineiigen Zwillinge, die am Tegernsee zu Hause sind und sich eigentlich lieber im Hintergrund halten, ein wenig mehr ins Rampenlicht gerückt.

Wozu Milliardäre gut sind

Anstatt ihren Reichtum zu genießen und oder zu verkonsumieren, steckten die Strüngmanns ihr Geld lieber in ihrer Meinung nach aussichtsreiche deutsche Biotech-Projekte. Als ihnen Ugur Sahin 2007 seine Vision von der Zukunft der Krebsmedizin vorstellte, stiegen die Strüngmann-Brüder bei BioNTech ein - mit einem Startkapital von stolzen 150 Millionen Euro.

Ohne ihren unternehmerischen Mut würde es BioNTech heute vermutlich nicht geben; der Covid-19-Impfstoff, auf dem jetzt so viele Hoffnungen ruhen, wäre nie entwickelt worden.

Das 5000-Genom-Projekt

Nun hat also das Münchner Leukämielabor das Interesse der Brüder geweckt. Dabei ähnelt die Vision von der Zukunft der Krebsmedizin der MLL-Gründer frappierend jener des BioNTech-Gründers Sahin: Jeder Krebspatient soll dereinst mit einem für seine individuellen Bedürfnisse hergestellten Medikament behandelt werden.

Um diese Vision zu verwirklich, hat das MLL in den vergangenen Jahren mehr als zehn Millionen Dollar in neue Forschungsprojekte investiert und die größte Gen-Sequenzier-Einrichtung in ganz Europa aufgebaut. Mittlerweile haben die Bayern das komplette Genom von rund 5000 Leukämiepatienten analysiert.

Ausgezeichneter Innovator

Die Idee dahinter ist, die genetischen Grundlagen der verschiedenen Leukämien und Lymphome noch besser zu verstehen. Auf dieser Basis können künftig völlig neue Diagnosemethoden und zielgerichtete neue Medikamente zum Einsatz kommen. "Uns steht ein Technologiesprung bevor, der ähnlich groß sein wird wie der Sprung vom Wählscheibentelefon zum Smartphone", prophezeit MLL-Geschäftsführer Haferlach.

Kein Wunder, dass neben den Strüngmanns auch schon andere auf das MLL aufmerksam geworden sind. Der Top-100-Innovationswettbewerb hat das Münchner Leukämielabor 2021 zum dritten Mal in Folge als einen der innovativsten deutschen Mittelständler ausgezeichnet.